G20-Kriegsrat gegen den Islamisten-Terror

16.11.2015 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Chinas Präsident Jinping (l.) mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan und US-Präsident Obama.  EPA
Chinas Präsident Jinping (l.) mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan und US-Präsident Obama. EPA

Gipfeltreffen: Wiedereinbindung der Türkei in die gemeinsame Front gegen den IS.

Heinz Gstrein

Belek. Belek an der türkischen Riviera, wo am Sonntag und Montag die Gipfelkonferenz der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G20 getagt hat, war bisher nur als Badeort und durch seinen „Garten der Toleranz“ bekannt. In dem stehen eine Kirche, Moschee und Synagoge einträchtig beeinander und suggerierten Eintracht zwischen den Anhängern der drei großen monotheistischen Religionen. Wie anders die Wirklichkeit aussieht, zeigten die blutig-fanatischen Themen, mit denen sich der Gipfel zu beschäftigen hatte.

Paris im Mittelpunkt

Nachdem die bisherigen Jahrestagungen der G20 allgemeinen globalen Fragen gegolten hatten, stand diesmal nach den Schrecken von Paris nur das benachbarte Syrien mit den von seinem Bürgerkrieg ausgegangenen Weltbedrohungen und dem Flüchtlingsansturm im Visier.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beharrte auch an der türkischen Wintersonnenküste inmitten der neuen Lager syrischer Heimatvertriebener darauf, den akuten Flüchtlingsströmen über die Türkei und den Balkan in Europa eine zweite Heimat zu geben. In Belek waren zuvor allerdings Stimmen laut geworden, dass nach den neuen Erkenntnissen zu Paris die weitgehend unkontrollierbare Masseneinwanderung als Terroristenschleuse ein Sicherheitsrisiko darstelle, das nicht länger zu verantworten sei. Mit der finanziellen Unterstützung Ankaras für ein Bleiben der entwurzelten Scharen in türkischen Lagern könne dieses Einsickern nur verlangsamt werden.

Austrocknen der Finanzen

Als konkrete Waffe gegen den Islamistenterror haben sich die G20 vordergründig nur auf ein Austrocknen seiner finanziellen Quellen geeinigt. Doch hat Frankreich nach dem Blutbad an der Seine während des Belek-Gipfels massiv das Hauptquartier der Terrormiliz IS in Raqqa am Euphrat mit Bomben und Raketen belegt. Für den IS sind das aber nur Nadelstiche, die ihn nicht in seinen Strukturen erschüttern. Um das Schreckensreich des Kalifen Abubakr al-Baghdadi zu stürzen, braucht es massiven Einsatz von Bodentruppen.

Zwischen US-Präsident Obama und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin soll in Belek erstmals die Möglichkeit einer solchen Eskalation diskutiert worden sein. Die Russen könnten Elitetruppen ins westliche Syrien einfliegen und von ihrer Mittelmeerflotte Marineinfanteristen landen. Die Hauptlast der Operationen würde sich jedoch die Türkei mit einem breiten Angriff auf die Kerngebiete des IS im nördlichen Mesopotamien aufbürden. Ankaras Staatschef Recep Tayyip Erdogan soll sich dafür gar nicht mehr abgeneigt zeigen.

Lücke geschlossen

Überhaupt wird als sofortiges Ergebnis dieses Gipfels der G20 gewertet, dass das islamlastige Regime Erdogans aus seiner Isolierung heraustreten und wieder an seine zuletzt nur mehr papierenen NATO-Partner, aber auch an Russland herangerückt ist. Nach der Hölle von Paris war es ihm einfach nicht mehr möglich, seine Theorie von angeblich gleich gefährlichen IS-Terroristen und Kurden noch länger zu verfechten. Mit dieser Wiedereinbindung der Türkei in die gemeinsame Front der zivilisierten Welt gegen den islamistischen Wahn hat sich eine gefährliche ideologische und militärische Lücke im Südosten geschlossen.