Terrorverdächtige sind weiterhin auf der Flucht

Spezial / 16.11.2015 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Polizeieinsatz im belgischen Molenbeek. Am Montag wurde dort niemand festgenommen. Foto: AFP
Polizeieinsatz im belgischen Molenbeek. Am Montag wurde dort niemand festgenommen. Foto: AFP

Mutmaßlicher Attentäter untergetaucht. Haftbefehl gegen zwei mögliche Komplizen.

Paris. Der französische Präsident François Hollande will nach den Terroranschlägen von Paris den UNO-Sicherheitsrat im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) anrufen. Die Notwendigkeit der Zerstörung des IS sei eine Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, sagte Hollande am Montag. Außerdem will er den Ausnahmezustand in Frankreich auf drei Monate verlängern. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf werde er dem Parlament vorlegen, sagte der Präsident. Die Franzosen rief er zu Einheit und Durchhaltevermögen auf. Die Terroristen glauben, dass sich die freien Völker vom Horror beeindrucken lassen. Das sei aber nicht der Fall.

Bereits für Ermittlungen eingeschaltet wurde die europäische Polizeibehörde Europol, um Frankreich zu unterstützen, teilte ein Sprecher am Montag in Den Haag mit. Terrorismus- und Waffenexperten sowie andere Spezialisten seien seit Freitag rund um die Uhr im Einsatz.

Zur Fahndung ausgeschrieben

Drei Terrorkommandos schlugen in der französischen Hauptstadt an sechs Orten und im Vorort Saint-Denis zu, schossen wahllos auf Menschen und sprengten sich selbst in die Luft. Mindestens 129 Menschen wurden getötet, sieben Terroristen starben. Mindestens ein Terrorverdächtiger ist auf der Flucht. Belgiens Justiz schrieb den 26-jährigen Salah Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, am Sonntag international zur Fahndung aus. Er soll sich an den Anschlägen beteiligt haben. Stunden nach dem Attentat geriet Abdeslam nahe der belgischen Grenze in eine Routinekontrolle, die Polizei ließ ihn aber weiterfahren.

Zwei mutmaßliche Komplizen von Abdeslam stehen Behördenangaben zufolge unter dringendem Terrorverdacht. Sie wurden gemeinsam mit fünf weiteren Personen am Samstag gefasst. Am Montag sind diese fünf wieder auf freien Fuß gekommen, gegen die zwei mutmaßlichen Komplizen wurde aber ein Haftbefehl erlassen, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Der Vorwurf lautet, dass sie an einem terroristischen Attentat und den Aktionen einer terroristischen Vereinigung beteiligt gewesen waren. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga saßen beide Verdächtigen am Samstag gemeinsam mit  Abdeslam in dem Auto, das von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden war.

Nach einem möglichen, weiteren Attentäter wird derzeit in Italien gefahndet. Die dortige Polizei sucht nach dem 32 Jahre alten Franzosen Baptiste Burgy in allen norditalienischen Regionen. Medienberichten zufolge gibt es einen konkreten Verdacht, dass Burgy die Anschläge in Paris mitzuverantworten hat.

Geplant und organisiert wurden sie nach Erkenntnissen der Ermittler allerdings von Syrien aus. Drahtzieher soll laut Medien Abdelhamid Abaaoud sein, der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er lebte in der belgischen Islamistenhochburg Molenbeek und soll Hintermann einer Terrorzelle gewesen sein, die in Belgien Anschläge gegen Polizisten plante. Dort wurden bereits zahlreiche Razzien durchgeführt. Abaaoud wird als IS-Kämpfer in Syrien vermutet.

Die französische Polizei durchsuchte in der Nacht auf Montag 168 Häuser und Wohnungen. 23 Personen wurden festgenommen. Es seien Waffen gefunden worden. 104 Personen wurden unter Hausarrest gestellt.

Weitere Attacken

Frankreichs Premierminister Manuel Valls warnte unterdessen vor erneuten Anschlägen der IS-Terrormiliz in Europa. Auch gegen andere europäische Länder würden Einsätze vorbereitet, sagte Valls am Montag. Ebenso befürchtet der US-Geheimdienst CIA weitere Attacken gegen den Westen. Der IS hatte in einem neuen Video mit einem Anschlag in Washington gedroht.