Terrorfahndung nach dem dritten Mann

Spezial / 23.03.2016 • 23:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Drei Selbstmordattentäter identifiziert. Nach weiteren Terror­verdächtigen wird gesucht.

brüssel. Am Tag nach den Anschlägen von Brüssel wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach einer ganzen Reihe von Personen gesucht. Konkret jagten die belgischen Fahnder am Mittwoch einen Mann mit Hut und weißer Jacke, nachdem dieser auf einem Fahndungsfoto vom Brüsseler Flughafen zu erkennen ist, allerdings unscharf.

In den ersten Stunden nach den Attentaten tappten die Ermittler noch im Dunkeln. Am Mittwoch konnten sie bereits erste Ergebnisse präsentieren. Staatsanwalt Frederic Van Leeuw fasste die Fakten zusammen: Ausgegangen wird von 31 Toten. Im Brüsseler Flughafen gab es laut Feuerwehr mindestens 14 Tote, in der U-Bahn im Europa-Viertel nach Angaben des Bürgermeisters „etwa 20“. 300 Menschen wurden verletzt.

Diese Zahlen seien aber weiter vorläufig und könnten sich „unglücklicherweise in den kommenden Stunden verändern“, teilte Van Leeuw offenbar mit Blick auf viele Schwerstverletzte mit. Weiterhin gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Österreicher unter den Toten und Verletzten befinden könnten. Fakt sei zudem, dass die Brüder El Bakraoui  als Selbstmordattentäter identifiziert wurden. Ibrahim sprengte sich am Flughafen in die Luft, Khalid an der U-Bahn-Station Maelbeek im EU-Viertel. 

Beide waren der Polizei wegen einer Reihe von Delikten bekannt, standen aber nicht unter Terrorverdacht. Ibrahim El Bakraoui hinterließ auf einem in einer Mülltonne gefundenen Computer eine Art verzweifelt klingendes „Testament“. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, überall gejagt, nicht mehr sicher“, heißt es darin laut dem Staatsanwalt.

Als der zweite Selbstmord­attentäter vom Flughafen wurde am Mittwochabend Najim Laachraoui (25) identifiziert. Dazu beigetragen hat der Taxifahrer, der alle drei Täter am Dienstagmorgen zum Flughafen gebracht hatte und sie dann auf einem Fahndungsfoto wiedererkannte. Laachraoui war bisher verdächtigt worden, an den Pariser November-Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Seine Fingerabdrücke wurden in Wohnungen gefunden, die von den Paris-Attentätern genutzt wurden. Seine DNA-Spuren fanden sich außerdem auf Sprengstoff, der an mehreren Stellen in Paris verwendet wurde.

Sprengsatz mit Nägeln

Jetzt fehlt noch die Identifizierung des dritten Mannes. Von ihm und den beiden Selbstmorattentätern gibt es dieses gemeinsame Fahndungsfoto. Darauf trägt der Verdächtige eine helle Jacke und einen Hut. „Der dritte Mann ist auf der Flucht“, teilte Van Leeuw mit. „Er hat seine Tasche mit der größten Bombe zurückgelassen.“ Diese wurde später entschärft. Mittlerweile steht nicht mehr nur das als Islamistenhochburg geltende Molenbeek im Fokus der Fahnder, auch die anderen Brüsseler Gemeinden werden durchkämmt. In einem Wohnhaus in Schaerbeek sicherten Spezialisten in der Nacht auf Mittwoch Spuren. Laut der Staatsanwaltschaft wurden dort eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden.

Jenem Taxifahrer, der die drei Männer von dort zum Flughafen gefahren hatte, sei aufgefallen, dass sich die Fahrgäste nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten. Außerdem hätten sie sich beschwert, dass nur drei ihrer fünf Koffer ins Taxi passten.