Suche nach einem fünften Täter

Spezial / 24.03.2016 • 22:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Phantombild könnte den zweiten Mann aus der Metro zeigen. 
Das Phantombild könnte den zweiten Mann aus der Metro zeigen. 

Hinweise auf zweiten Mann in der U-Bahn. Behörden bestätigen Verbindung zu Paris.

brüssel. Die belgische Polizei fahndet zwei Tage nach den blutigen Anschlägen in Brüssel mit 31 Todesopfern und 300 Verletzten nach mindestens einem weiteren Terrorverdächtigen. Demnach soll der Selbstmordattentäter aus der Brüsseler Metro in Begleitung eines Mannes mit einer großen Tasche gewesen sein. Das Terrorkommando könnte demnach aus mindestens fünf Tätern bestanden haben. Die Terrorserie war möglicherweise noch verheerender angelegt als bisher bekannt.

Mann mit Tasche

Khalid El Bakraoui, der sich in der U-Bahn-Station Maelbeek in die Luft gesprengt hat, war Medienberichten zufolge mit einem Komplizen in der Metro. Überwachungskameras hätten den Mann mit einer schweren Tasche gefilmt, berichtete das belgische Staatsfernsehen „RTBF“, die französische Zeitung „Le Monde“ sowie „CNN“ am Donnerstag. Wenig wahrscheinlich sei, dass der Mann bei der Explosion getötet wurde. Die Polizei fahndet außerdem nach einem weiteren Komplizen, der vom Flughafen geflüchtet sein soll. Zuvor hatten sich in der Abflughalle zwei Männer, darunter Khalid El Bakraouis Bruder Ibrahim, in die Luft gesprengt. Alle drei Selbstmordattentäter hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris, bei denen 130 Menschen ums Leben gekommen sind. Neben den Brüdern El Bakraoui gehörte Medienberichten zufolge auch Najim Laachraoui zu dem Terrorkommando. Er soll der zweite Attentäter vom Flughafen sein. Laachraoui war wegen der Pariser Anschläge kürzlich zur Fahndung ausgeschrieben worden. Dass Khalid El Bakraoui seit Dezember per Haftbefehl gesucht wurde, weil er für die Pariser Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung gemietet haben soll, wurde von der belgischen Staatsanwaltschaft bestätigt.

Zu der Pariser Terrorzelle gehört nach Überzeugung der Ermittler auch Salah Abdeslam, der am vergangenen Freitag in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek verhaftet worden ist. Die belgischen Ermittler gehen davon aus, dass Abdeslam selbst neue Terrorpläne geschmiedet hat. Demnach habe er mit anderen IS-Mitgliedern, darunter auch der von der Polizei getötete Mohamed Belkaid, ein Blutbad mit Schusswaffen geplant – ähnlich wie in Paris. Das berichtete die TV-Sender VRT und RTBF. Abdeslam sträubt sich nach Angaben seines Anwalts nicht mehr gegen eine Auslieferung nach Frankreich.

Minister boten Rücktritt an

Die belgische Regierung steht nach Bekanntwerden von Versäumnissen unter starker Kritik. Am Mittwoch war herausgekommen, dass die Türkei nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bereits im Juli 2015 davor gewarnt hatte, dass Ibrahim El Bakraoui ein „ausländischer terroristischer Kämpfer“ sei. Nach seiner Abschiebung aus der Türkei sei es den belgischen Behörden aber nicht gelungen, eine Verbindung zum Extremismus nachzuweisen. Er blieb auf freiem Fuß. Sowohl Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens stellten nun ihre Ämter zur Verfügung, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. „Man hat die Information wohl weitergegeben, aber man ist nicht sehr schnell gewesen; oder nicht schnell genug“, sagte Geens im belgischen Fernsehen. „Ich habe den ganzen Abend und die ganze Nacht über gearbeitet, um die Informationen der Türkei zu verstehen“, zeigte sich auch Jambon fassungslos. Premierminister Charles Michel lehnte die Rücktrittsgesuche Medienberichten zufolge ab.

Das Zentrum Brüssels wurde zu einem Ort der Trauer.

Das Zentrum Brüssels wurde zu einem Ort der Trauer.