Wahllos auf Menschen geschossen

22.07.2016 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Attentäter schießen in Münchner Einkaufszentrum um sich. „Akute Terrorlage“.

münchen. Ein kaltblütiger Anschlag in München erschüttert Deutschland: Unbekannte haben am Freitagabend in der bayerischen Landeshauptstadt nach Polizeiangaben wahllos mindestens acht Menschen erschossen, mehrere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Die Polizei warnte nach den Schüssen in einem Einkaufszentrum vor einer „akuten Terrorlage“. Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Bis zu drei Männer mit „Langwaffen“ seien auf der Flucht, hieß es am späten Abend. Man suche im ganzen Stadtgebiet und im Umland nach ihnen. Etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt fand die Polizei einen neunten Toten. Die Ermittler prüfen, ob es sich um einen Täter handelt. Der Mann sei durch Gewalteinwirkung gestorben, hieß es.

Abgeriegelt

Der Anschlag begann laut Polizei bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum kurz vor 18 Uhr. Anschließend rasten von überall in der Stadt Polizei- und Rettungskräfte zu dem Einkaufszentrum. Die Gegend war weiträumig abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber. Das Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München.

Schon kurz nach dem Alarm stand der öffentliche Nahverkehr komplett still. Auch der Zugverkehr wurde eingestellt, der Münchner Hauptbahnhof evakuiert.  Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt: „Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst.“ In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Er fühle sich „allen verbunden, die im Einsatz sind, um Menschen zu schützen und Leben zu retten“. Laut Kanzleramtsminister Peter Altmaier gab es gesicherte Hinweise zunächst nur auf einen Täter. Unklar war anfangs auch, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gab. Dort kam es ebenfalls zu einem Großeinsatz schwer bewaffneter Polizisten, nachdem Menschen schreiend und in Panik in Richtung Stachus geflohen waren.

Über Gleise geflohen

Die Bürger wurden per Smartphone-Warnsystem aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. „Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit“, schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schießerei auf Twitter. „Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern“, twitterte die Polizei später. dpa-Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Rund 100 Menschen sind nach Angaben der Polizei Augenzeugen des Anschlags in München geworden. Sie würden von einem Kriseninterventionsteam betreut, sagte ein Polizeisprecher. 

„Keine Spekulationen“

Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Offenbar hatte die Tat einen islamistischen Hintergrund. Die deutsche Bundesregierung selbst wollte zu möglichen Hintergründen „keine voreiligen Stellungnahmen und Spekulationen“ abgeben. Die Polizei sprach zumindest von einem „Terrorverdacht“. Sie fahndete am Abend mit einem Großaufgebot nach den mutmaßliche Tätern.

Als die Münchner Polizei kurz vor 18 Uhr alarmiert wurde, war die Lage absolut unübersichtlich. Das sollte den gesamten Abend über so bleiben. Schwer bewaffnete Polizeikräfte waren in der gesamten Stadt allgegenwärtig.
Als die Münchner Polizei kurz vor 18 Uhr alarmiert wurde, war die Lage absolut unübersichtlich. Das sollte den gesamten Abend über so bleiben. Schwer bewaffnete Polizeikräfte waren in der gesamten Stadt allgegenwärtig.