Wettlauf gegen die Zeit für die Retter

Spezial / 25.08.2016 • 22:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Spürhunde sind rund um die Uhr im Rettungseinsatz. reuters
Die Spürhunde sind rund um die Uhr im Rettungseinsatz. reuters

Zahl der Toten auf mehr als 250 gestiegen. Zahl der Vermissten weiter unklar.

rom. (VN-hrj) Hunderte Menschen haben die erste Nacht nach dem verheerenden Erdbeben in Zelten oder in ihren Autos verbracht oder sind bei Gastfamilien in weniger betroffenen Nachbarorten untergekommen. Schlafen konnte wohl kaum jemand, denn Hunderte Nachbeben schreckten die Bewohner der betroffenen Orte immer wieder auf.

Der Erdstoß in der Nacht auf Mittwoch mit Stärke 6 hatte im Gebiet zwischen den Regionen Latium, Marken und Umbrien mehrere Dörfer verwüstet. Die Zahl der Toten stieg bis Donnerstag auf mindestens 250, die der Verletzten auf 365. Weitere Leichen werden noch in zerstörten Häusern vermutet. Wie viele Menschen verschüttet sind, blieb zunächst unklar. Die Behörden konnten noch keine genauen Angaben machen.

Unter den Toten sind offenbar mehrere Ausländer. Nach offiziellen Angaben kamen fünf Rumänen und eine Spanierin ums Leben. Laut der österreichischen Botschaft in Rom haben sich in der Erdbebenregion auch mehrere Österreicher aufgehalten. Sie hätten sich bei ihren Angehörigen gemeldet und seien wohlauf.

Für die Retter ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, noch Überlebende zu finden. Die Suche nach Verschütteten läuft auf Hochtouren weiter. Mehr als 400 Freiwillige des Italienischen Roten Kreuzes sind in den am stärksten betroffenen Gebieten im Einsatz. Weitere 3400 Helfer sind einsatzbereit. „In den ersten 72 Stunden nach einem Beben gibt es noch Chancen, Menschen lebend aus den Trümmern zu retten“, sagt Tommasso Dellalonga, Sprecher des Italienischen Roten Kreuzes. „Suchhunde sind im Einsatz, um Verschüttete zu finden.“ Gleichzeitig sei es wichtig, die Betroffenen medizinisch und mit Wasser, Nahrung und Hygienepaketen zu versorgen und den Obdachlosen Unterkünfte zu geben.

SARUV ist einsatzbereit

Die Hundeeinheiten sind rund um die Uhr im Erdbebengebiet im Einsatz, um Überlebende zu finden. Insgesamt 43 auf die Suche von Verschütteten trainierte Tiere – Schäferhunde, Labradore, Mischlinge – werden durch die Trümmer der am heftigsten betroffenen Gemeinde Amatrice geführt. Die Leiter der Hundeeinheiten beobachten sie genau, achten auf die kleinste Reaktionen der Vierbeiner. „Wir haben die ganze Nacht lang mit unseren Tieren gearbeitet“, berichtet Davide Salvi, Sprecher des italienischen Spürhundeverbands UCIS. Die Hunde sind aus ganz Italien sowie aus Malta ins Erdbebengebiet zum Hilfseinsatz gebracht worden.

Die SARUV (Search and Rescue Unit Vorarlberg), die auch eine Suchhundestaffel hat,  steht derzeit in erhöhter Bereitschaft. „Die Italiener haben sich bisher aber mit noch keinerlei Hilfeersuchen ans Ausland gewandt, auch nicht an uns“, sagt SARUV-Sprecher Thomas Nesensohn. Man müsse dazu aber auch sagen, dass die Italiener  grundsätzlich über einen sehr guten Zivilschutz verfügen „und gerade in dieser erdbebengefährdeten Region ausgezeichnet auf solche Katastrophen vorbereitet sind“.

„Wir werden das schaffen“ 

Der Bürgermeister des vom Erdbeben hart getroffenen Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, macht den Überlebenden Mut: „Jetzt gibt es einen Moment der Verzweiflung, aber wir glauben an uns“, sagte er. „Wir sind hartnäckige Bergbewohner und wir werden das schaffen.“

Bewohner von Pescara del Tronto sind in Zelte übersiedelt, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden.  Foto: ap
Bewohner von Pescara del Tronto sind in Zelte übersiedelt, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden. Foto: ap
Pescara del Tronto, ein Dorf in den Marken mit etwa 150 Einwohnern, ist von den Verwüstungen durch das Erdbeben von Mittwochnacht besonders heftig betroffen. Allein dort kamen zehn Menschen ums Leben.  Foto: reuters
Pescara del Tronto, ein Dorf in den Marken mit etwa 150 Einwohnern, ist von den Verwüstungen durch das Erdbeben von Mittwochnacht besonders heftig betroffen. Allein dort kamen zehn Menschen ums Leben. Foto: reuters