Blaue und weiße Wiener erobern Griggeler Stuba

26.01.2017 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manuela und Bruno Marte aus Viktorsberg wissen, wie der Hase läuft.  Foto: VN/Hofmeister
Manuela und Bruno Marte aus Viktorsberg wissen, wie der Hase läuft. Foto: VN/Hofmeister

Die Familie Marte aus Viktorsberg beliefert seit Kurzem eines der besten Restaurants Österreichs.

Viktorsberg. (VN-ger) Mehr regionale und gesunde Lebensmittel auf die Teller der Vorarlberger zu bringen, ist das erklärte Ziel des neu gestarteten Projekts „Mehrwert für alle“. Möglich werden soll das unter anderem durch die Vernetzung von Landwirten und Köchen.

Manuela (41) und Bruno Marte (44) aus Viktorsberg haben die ersten Schritte in diese Richtung bereits getan; vor Kurzem wurden die ersten Kaninchen an Thorsten Probost (43) von der Griggeler Stuba in Oberlech geliefert. Auch Nachfolgeprojekte sind bereits im Gespräch – zum Beispiel mit Holunder.

Fruchtbarer Boden

„Mein Schwiegervater hatte eine kleine Landwirtschaft, die er übergeben wollte. Die Frage war, ob wir sie übernehmen und was wir damit machen. Mein Mann ist dann auf die Idee gekommen, direkt bei den Gastronomen zu fragen, was sie brauchen“, blickt Manuela Marte zurück. Mit Erfolg. Bereits ihr erster Ansprechpartner, Thomas Scheucher vom Restaurant Guth in Lauterach, fand die Idee super, hatte allerdings bereits seine Lieferanten und empfahl dem Ehepaar, sich mit dem Lebensmittel-Logistiker Schluge in Verbindung zu setzen. „Von dort haben wir dann den Kontakt mit Thorsten Probost bekommen.“ Thorsten Probost zählt nicht nur zu den besten Köchen Österreichs, er nimmt es auch mit seinen Lieferanten ganz genau und kocht so gut wie ausschließlich mit biologisch wertvollen und saisonalen Produkten aus der Region. „Thorsten ist vorbeigekommen, hat sich alles angeschaut und war total begeistert. Er hat gesagt, was ihm fehlt im Land, sind Kaninchen und Peking-Enten“, erzählt die 41-Jährige.

Die Martes entschieden sich – zumindest für den Anfang – für Ersteres, studierten Fachbücher und informierten sich bei Experten. Da dem Drei-Hauben-Koch Arche-Rassen sehr wichtig sind, machten sie sich auf die Suche nach Blauen und Weißen Wienerkaninchen. „Es war ein ziemliches Problem, welche zu bekommen. Es gibt ganz viele, die auf Schönheit züchten. Im Herbst sind die ganzen Ausstellungen, meistens bekommt man erst danach welche“, berichtet Bruno Marte, der hauptberuflich im LKH Rankweil in der Technik arbeitet, von den Anfangsschwierigkeiten.

Volles Haus

Derzeit bevölkern 17 Häsinnen, fünf Rammler und knapp 40 Junge die vom Hausherrn selbst gebauten Ställe und Auslaufboxen. „Irgendwann sollte es so sein, dass wir jeden Monat etwas liefern können.“ Das Heu, mit dem die Tiere gefüttert werden, stammt von den einmähdigen Bergwiesen. „Die werden nicht gedüngt und sind voller Kräuter“, ergänzt der Familienvater. Der ursprüngliche Plan, die Tiere ganzjährig im Freien zu halten, dürfte vermutlich schwierig werden. Demnächst wollen die Martes aber ein Projekt zur Freilandhaltung in Luzern besichtigen. Auf jeden Fall geplant ist ein großer Auslauf für die Blauen und Weißen Wiener- und die paar wenigen Havannakaninchen. „Wenn wir darauf schauen, dass es die Tiere ,ghörig‘ haben, dann passt auch die Qualität“, ist der 44-Jährige überzeugt.

Manuela und Bruno Marte geht es nicht ums große Geld, betonen sie. Ihnen war wichtig, dass sie den Hof erhalten und weitergeben können. „Unsere Großeltern haben sich das aufgebaut und vom Mund abgespart. Ich finde, dass man das schätzen muss“, sagt der Nebenerwerbslandwirt. Wo sie der neu eingeschlagene Weg hinführen wird, wissen die beiden noch nicht. „Wir sehen es einfach als Chance.“

Nähere Infos zum Projekt „Mehrwert für alle“ unter: www.mehrwert-fuer-alle.at