„Vorbereitet sein ist alles“

Spezial / 10.03.2017 • 19:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Anti-Atom-Aktivistin warnt vor den „tickenden Zeitbomben um uns herum“.

bregenz. Den „Horror“ einer Havarie in einem grenznahen AKW mit Super-GAU als Folge möchte sich die Anti-Atom-Aktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner gar nicht vorstellen. Doch sie rafft sich dazu auf.

Wie reagieren Sie, wenn Sie von einer Nuklearkatastrophe in einem grenznahen AKW erfahren?

Ehrlich, ich weiß es einfach nicht im Voraus. In mir sträubt sich alles, mir solch einen Horror überhaupt vorzustellen. Aber auch ich – so wie ich mir das von „Politik und Wirtschaft“ wünschte – muss mich dazu aufraffen. Und zwar jetzt. Vorbereitet sein ist alles. Denn im Fall des Falles müsste ein vorgefasster Plan  automatisch ablaufen. Sicher würde ich mich zuerst zur Ruhe zwingen. „Fenster schließen und Radio hören“, wie es immer wieder heißt, wäre wohl zu wenig.

Welche Maßnahmen würden Sie treffen?

Damit „dann“ nicht lähmende Ratlosigkeit um sich greift, muss jetzt vorgesorgt werden. Bestimmte Abläufe für die verschiedenen behördlichen Institutionen müssen festgelegt werden. Das sollten sie längst sein, denn die Zeitbomben um uns herum ticken schon lange. Und Bundes- und Landesregierungen können nicht oft genug die Nachbarländer an ihre sofortige Informationspflicht erinnern. Da hapert es schwer.

Woran hapert es konkret?

Nach wie vor wird vertuscht, verdrängt, kleingeredet. Aber durch die modernen Medien kommt mehr Realität zum Vorschein. So wurden etwa in Japan die Grenzwerte um das 20-Fache (!) schamlos hinaufgesetzt, um nicht die totale Unbeherrschbarkeit der Fukushima-Folgen zugeben zu müssen. Aber auch hier bei uns werden nachträglich zugegebene „kritische Zustände“ bei den Brennstäben mit Reaktor-Schnellabschaltungen, wie in Leibstadt oder Gundremmingen, gehäuft bekannt.

Was raten Sie den Bürgern?

Mein eindringlicher Vorschlag lautet, in jedem Haushalt einen kleinen Notvorrat anzulegen. Reines Wasser zum Beispiel. Auch in einer Zeit, in der man jederzeit alles aus dem Supermarkt holen kann, ist das keine Panikmache.

Wie und wohin sollten die Bewohner evakuiert werden?

Wir leben in einem der dichtest besiedelten Gebiete Mitteleuropas. In einer Zeit, in der jetzt schon eine populistisch geschürte Abwehr gegen Flüchtende herrscht, stellt sich die Frage: Wo würden verstrahlte Menschen aufgenommen? Abgesehen von der logistischen Mammutaufgabe. Das Chaos wäre unvorstellbar. Hoffen wir darauf, verschont zu bleiben.

Wie sollte der Staat mit der Gefahr umgehen?

Das AKW-freie Österreich könnte mit einem Ausstieg aus dem Atomfördervertrag EURATOM ein starkes Zeichen setzen. Das wäre rechtlich machbar. Wir Bürger sind mündige Menschen und könnten den Atomausstieg selber machen: Umsteigen auf Ökostrom.