Dicke Fische im Stadel

28.03.2019 • 18:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Wolfgang Loretz züchtet Welse. Die Filetabschnitte kommen auch in Leberkäse und Würste.

Hörbranz Von außen wirkt der alte Stadel an der Allgäustraße in Hörbranz recht unscheinbar, doch im Inneren geht es mitunter ordentlich zur Sache: Beim Betreten ist zunächst nur das Rauschen von Wasser zu hören. Das Licht ist gedämpft. Man zählt zwölf größere und vier kleinere Becken. Um einen Blick in das Innere zu erhaschen, benötigt, man eine Leiter. Was sich darin befindet lässt sich allerdings nur schwer erahnen. „Jetzt kommen sie gleich raus“, kündigt Wolfgang Loretz an. Der 48-Jährige steht auf der Leiter und kippt mit einer Schaufel Futter in einen Behälter, der über dem Becken hängt. Wie aus dem Nichts tauchen die Beckenbewohner dicht gedrängt an der Oberfläche auf und schnappen nach einem Stab. Breites Maul, flacher Kopf, lange Bartfäden, kleine Augen. Im Wasser sprudelt und wuselt es nur so. „Wenn der Fisch etwas fressen will, muss er mit dem Kopf aus dem Wasser und an dem Pendel schütteln, erst dann kommt Futter raus“, erläutert der Herr des Hauses das Prinzip des Pendelfutterautomaten. 

Indoor-Aquakultur

Wolfgang Loretz hat das ehemalige Bauernhaus, das direkt an sein Wohnhaus grenzt, vor ein paar Jahren zu einer Indoor-Aquakultur-Fischzuchtanlage ausgebaut. Seither schwimmen in den Becken Afrikanische Welse. Aus dem Fleisch produziert der Hörbranzer nicht nur Frischfilets und heißgeräucherte Filets, sondern auch diverse Wurstprodukte. „Wels-Leberkäse, Wels-Wienerle, Wels-Extrawurst und Wels Bratwurst“, zählt er auf. „Es schmeckt wie das Original, nur besser.“ Ein Vorteil des überwiegend nachtaktiven Raubfisches sei, dass sein rötliches Fleisch relativ geschmacksneutral ist. „Die Wurstprodukte schmecken daher nicht nach Fisch“, ergänzt Loretz. Der Afrikanische Wels ist außerdem ein Meister im Anpassen. In ihrer ursprünglichen Heimat Afrika sammeln sich die Tiere in der Trockenzeit in großer Zahl in den verbleibenden Tümpeln. Das ist auch der Grund, warum sich in den Becken relativ viele Fische befinden. „Wenn die Gebiete überschwemmt sind, ist der Wels ein Einzelgänger, der sein Revier verteidigt. In dem Moment, in dem sie sich sammeln, verlieren sie schlagartig ihre Aggressivität. Das heißt, du musst den Fisch in einer gewissen Dichte halten, damit er friedlich ist“, führt der 48-Jährige aus.

Auf die Idee mit den Wurstprodukten ist er nicht zuletzt wegen des hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren gekommen. „Viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten Fisch essen, mögen den Geschmack aber nicht. Die sind jetzt voll happy, dass sie die Fisch-Wurstprodukte bekommen“, berichtet er. Produziert werden Wels-Extrawurst und Co. von der Metzgerei Dür in Hohenweiler, Wolfgang Loretz ist der Direktvermarkter. Dem Welsfarmbetreiber ist bewusst, dass die Aquakultur vielfach recht negativ behaftet ist. „Fakt ist aber, dass schon 50 Prozent des weltweiten Fischbedarfs aus Aquakulturen stammen. In den Meeren haben wir das große Thema mit Schwermetallen und Plastik“, merkt er an. Die Afrikanischen Welse aus dem Leiblachtal sind keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt, auch Antibiotika und andere Medikamente sind tabu. Möglich macht das die geschlossene Indoor-Aquakultur-Kreislaufanlage. Das Wasser wird in dem hauseigenen Bioturm ständig gereinigt, anschließend mit Sauerstoff angereichert und wiederverwertet. „Dadurch ist die Zucht auch sehr ressourcenschonend“, sagt Loretz.  Beweise, dass er auf dem richtigen Weg ist, sind für den 48-Jährigen unter anderem die Preise, die er unlängst auf der „Ab Hof“-Messe in Wieselburg abgeräumt hat. Für die Wels-Extrawurst gab es den „Fischkaiser“, für den Wels-Leberkäse eine Goldmedaille. VN-ger

Wolfgang Loretz züchtet in seiner Indoor-Aquakultur-Kreislaufanlage Afrikanische Welse: „Wenn du so schöne Fische hast, siehst du, dass alles passt“, sagt er über die hauptsächlich nachtaktiven Raubfische. VN/Stiplovsek
Wolfgang Loretz züchtet in seiner Indoor-Aquakultur-Kreislaufanlage Afrikanische Welse: „Wenn du so schöne Fische hast, siehst du, dass alles passt“, sagt er über die hauptsächlich nachtaktiven Raubfische. VN/Stiplovsek