Brau Union soll Brauerei Fohrenburg beflügeln

Spezial / 20.11.2019 • 20:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Vorarlberger Traditionsbrauerei wird Teil des Brau-Union-Konzerns. Regionale Verankerung soll weiter ausgebaut werden.

Bludenz, Linz „Für uns ist das eine große Chance“, freut sich Geschäftsführer Wolfgang Sila im Gespräch mit den VN über den neuen Haupteigentümer Brau Union, der für die Bludenzer kein Unbekannter ist. Seit Jahrzehnten arbeite man zusammen, schon bisher war die Brau Union, Österreichs größter Braukonzern, Elf-Prozent-Gesellschafter der vor 138 Jahren gegründeten Bludenzer Brauerei. „Wir können die Kapazität unserer Anlage, die nicht ausgelastet ist, besser ausnutzen, weil wir ab 2020 als erstes Gösser Radler für den deutschen Markt abfüllen.“

„Echte Vorarlberger Brauerei“

Ansonsten bleibe Fohrenburger eine echte Vorarlberger Brauerei, beteuert Sila, „wir werden an unsere Biere, z. B. das Biobier oder das Oberländer weiter anknüpfen“, verspricht er, der persönlich auch verkauft hat. Seinen Anteil hat er von bisher neun Prozent auf jetzt unter ein Prozent reduziert. Für ihn sei bei den Gesprächen die weitere Selbstständigkeit am Standort wichtig gewesen und die Sicherung bzw. der Ausbau der Arbeitsplätze in Bludenz. Die Katze ließen Geschäftsführer Sila und Brau-Union-Chef Magne Setnes am Mittwoch morgen bei einer Betriebsversammlung aus dem Sack. Immer wieder wurde in der Brauereibranche über einen Verkauf der Fohrenburger-Brauerei bzw. von Anteilen an eine internationale Brauerei spekuliert. Nun sind diese Spekulationen vorbei, die Brau Union, Österreichs größtes Brauerei-Unternehmen, das zum weltweit agierenden Heineken-Konzern gehört, übernimmt die Mehrheit der Anteile vom Fruchtsafthersteller Rauch. Weltweit ist Heineken die Nummer zwei in der Branche nach der belgischen AB InBev-Gruppe (siehe Grafik unten). Das bestätigten Wolfgang Sila, geschäftsführender Miteigentümer der Brauerei Fohrenburg, und Magne Setnes, Vorstandsvorsitzender der Brau Union AG und der Brau Union Österreich AG nach der Betriebsversammlung, bei der die Nachricht über die neuen Eigentumsverhältnisse von den Mitarbeitern, so Sila gegenüber den VN, sehr positiv aufgenommen wurde.

30 bis 45 Millionen Euro

Zum Kaufpreis wollten weder Käufer noch Verkäufer Angaben machen. Branchenkenner vermuten, dass für die 64 Prozent, die die Brau Union übernehmen will, ein Preis zwischen einem und eineinhalb Jahresumsätzen, also zwischen 30 und 45 Millionen Euro, fällig wird.

Noch steht die Zustimmung der Kartellbehörde (BWB) aus, wenn diese grünes Licht gibt, wird die Brau Union ihren Elf-Prozent-Anteil an der Fohrenburg Beteiligungs-AG auf 74 Prozent erhöhen. Die restlichen 26 Prozent bleiben bei Fruchtsafthersteller Rauch, bei Geschäftsführer Wolfgang Sila, der auch weiterhin die Geschäfte führen wird, und im Streubesitz. Braumeister Andreas Rosa hat das Unternehmen vor wenigen Wochen verlassen, für ihn wird derzeit ein Nachfolger gesucht. Die Firma Rauch hat mit der Brauerei ab 1998 eine enge Partnerschaft gepflegt und hat im Jahr 2000 das Ruder übernommen. „Wir werden uns vor dem Hintergrund der bisherigen Übernahmen regionaler Unternehmen durch die Brau Union die Übernahme sehr genau anschauen“, sagt dazu der oberste Wettbewerbshüter des Landes, Bundeswettbewerbsbehörden-Generaldirektor Theo Tanner im Gespräch mit den VN. Der Anteil der Brau Union am österreichischen Biermarkt würde sich, so die Argumentation von Brau Union und Fohrenburger, demnach um rund zwei Prozent erhöhen.

Für die Brau Union, die am Vorarlbergs Biermarkt bislang nur eine marginale Rolle spielt, ist die Übernahme nun der Eintritt in diesen Markt. Die Kooperation eröffne für Brau AG und Fohrenburger neue Möglichkeiten, nicht nur in der Produktion auch in der Logistik können Synergien realisiert werden. Sowohl der Standort als auch die Marke Fohrenburg bleiben erhalten. Dass der Brau Union daran liegt, zeigen die Übernahmen anderer regionaler Brauereien in den vergangenen Jahren. Der Personalstand wird nicht dezimiert, sondern, so die erhofften Chancen am Markt realisiert werden, sogar steigen. Über Betriebsabläufe und eventuelle Veränderungen soll 2020 entschieden werden, heißt es seitens Sila und Setnes.

Derzeit beschäftigt Fohrenburg 135 Mitarbeiter und machte zuletzt einen Jahresumsatz von 29 Millionen Euro. Am Vorarlberger Markt ist die Brauerei nach der Mohrenbrauerei die Nummer zwei. Standort-Bürgermeister Mandi Katzenmayer wurde „von dieser Entwicklung etwas überrascht. Die Fohrenburg bleibt erhalten, das Bier fließt in gewohnter Qualität weiter und die Arbeitsplätze sind gesichert. Ich hoffe, dass diese Aussagen auch nachhaltige Versprechen sind.“

„ Ein Ausbau und neue Arbeitsplätze in Bludenz würden mich natürlich sehr freuen.“