„Fährt der noch mit dem alten Ski?“

Sport / 28.10.2012 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit vollem Risiko zum Sieg im Riesentorlauf von Sölden: Ted Ligety. Foto: apa
Mit vollem Risiko zum Sieg im Riesentorlauf von Sölden: Ted Ligety. Foto: apa

Ted Ligety deklassiert in Sölden die Konkurrenz – Hirscher auf Platz drei.

ski alpin. Rang drei, 60 Weltcup-Punkte und zum zehnten Mal in Serie im Riesentorlauf unter den Top 6 – Marcel Hirscher durfte mit der Ausbeute beim Ski-Weltcupauftakt in Sölden mehr als zufrieden sein. Beim Blick auf den Rückstand auf Sieger Ted Ligety verschlug es dem amtierenden Gesamt- und Riesentorlauf-Weltcup-Sieger aus Salzburg aber fast die Sprache. „Drei Sekunden, da kann ich nicht einmal neidig oder böse sein. Da kann man nur den Hut ziehen, das war einfach nur gut und unglaublich“, meinte der 23-Jährige, der 3,12 Sekunden Rückstand aufriss. „Meine erste Frage war: ‚Fährt der noch mit den alten Ski?‘. Drei Sekunden, die geben uns wirklich zu denken“, sagte Hirscher, der sich in die Reihe der staunenden Bewunderer von Ligety einreihte.

Voll am Limit

Der Dominator selbst konnte es ebenfalls kaum glauben. „Ich bin unglaublich überrascht. So etwas gelingt wohl nur einmal im Leben. Das ist phänomenal“, erklärte der 28-jährige Head-Fahrer. „Ich war im zweiten Durchgang voll am Limit. Mehr Risiko war nicht mehr möglich, das war eigentlich fast schon dumm. Aber ich habe es mit viel Glück ins Ziel geschafft“, berichtete Ligety, der ironischerweise der schärfste Kritiker des neuen Materials gewesen war.

Die neuen Ski und die an Hirscher verlorene Riesentorlauf-Kugel haben Ligety zu einer Umstellung des Trainingsplans veranlasst. Der US-Boy war noch deutlich öfter als bisher im Fitnessstudio und fühlt sich fitter denn je. „Man braucht mit den neuen Ski noch mehr Kraft und Ausdauer als bisher.“ Für Hirscher hat Ligety dem Skisport mit seiner Demons­tration einen großen Gefallen getan. „Man muss ihm dankbar sein. Denn Ligety hat seine eigene Theorie widerlegt, dass die neuen Ski unfahrbar sind.“

Die schwierigen Bedingungen auf dem Gletscher im Ötztal mit Nebel und Schneefall sind für Hirscher keine Ausrede und auch keine Erklärung. „Ligety hatte eine genauso schlechte Piste und eine genauso schlechte Sicht. Der Einzige, den es wirklich erwischt hat, war der Schörgi (Philipp Schörghofer, Anm.). Das war inakzeptabel und eine bodenlose Frechheit“, so Hirscher. Bis zum nächsten Riesentorlauf in Beaver Creek heißt es nun für Hirscher und Co. hart arbeiten.

Mathis ist zufrieden

„Wir müssen schauen, dass wir noch besser werden und vielleicht einen Schritt auf Ligety aufholen“, forderte Hirscher, der natürlich die Fahrten von Ligety analysieren wird. „Jetzt heißt’s recherchieren und forschen. Und das alles mit Vollschub.“

Marcel Mathis (20) bestätigte mit Platz 12, dass er sich unter den besten 15 der Welt etabliert hat. „Die Piste war ganz gut, die Sicht aber schwierig“, meinte der Hohenemser, der im zweiten Lauf mit der fünftbesten Zeit aufzeigte. „Das Ergebnis passt schon, ist aber verbesserungswürdig. Ich bin mit dem ersten Rennen zufrieden.“

Der Rückstand ist so eine Watschn, dass du es normalerweise gleich lassen musst.

marcel hirscher
Marcel Hirscher (r.) gratuliert Sieger Ted Ligety: „Es gibt nur eine Welt-spitze und die heißt Ligety, dann kommt der Rest der Welt.“ Foto: ap
Marcel Hirscher (r.) gratuliert Sieger Ted Ligety: „Es gibt nur eine Welt-spitze und die heißt Ligety, dann kommt der Rest der Welt.“ Foto: ap
Skeptischer Blick auf die Zeittafel: Marcel Mathis. Foto: gepa
Skeptischer Blick auf die Zeittafel: Marcel Mathis. Foto: gepa