Celtic feiert und weint, Barça verzweifelt

Sport / 08.11.2012 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der erst 18-jährige Tony Watt erzielte den zweiten Treffer für Celtic. Foto: reuters
Der erst 18-jährige Tony Watt erzielte den zweiten Treffer für Celtic. Foto: reuters

Nach dem Coup über den FC Barcelona brechen bei Celtic Glasgow alle Dämme.

fußball. Der Schlusspfiff ging bereits im Jubelsturm der Celtic-Fans unter, da brachen auch bei Edel-Fan Rod Stewart alle Dämme. Hemmungslos weinte das Pop-Idol auf der Tribüne des Celtic Parks, um ihn herum tauchte der schottische Fußballmeister Celtic Glasgow in eine magische Champions-League-Nacht ein. „Helden“ nannte Trainer Neil Lennon seine Spieler nach dem 2:1 über den FC Barcelona. Und während die „Bhoys“ ausgelassen ihren Coup zum 125. Vereinsjubiläum feierten, knabberte Barcelona erneut an seinem „Chelsea-Komplex“.

„Wir konnten nichts machen. Wir haben alles versucht. Sie sind zweimal vor unser Tor gekommen und haben zweimal getroffen. Und bei uns wollte der Ball einfach nicht reingehen“, klagte Weltfußballer Lionel Messi nach der ersten Auswärtsniederlage in einem Champions-League-Gruppenspiel seit 2006. Die Erklärung des Argentiniers klang ebenso einleuchtend wie altbekannt.

Überlegenheit nicht genutzt

Denn wieder einmal war Barcelona haushoch überlegen, belagerte ein gegnerisches Tor über 90 Minuten. Doch einreißen konnten die Ballvirtuosen aus Katalonien die „schottische Mauer“ (Zeitung „Sport“) nicht. Nach Gegentreffern von Victor Wanyama (21.) und Champions-League-Debütant Tony Watt (83.) reichte es nur noch zum späten Anschlusstreffer (90.) durch Messi. „So ein Spiel“, sagte Barcelonas Trainer Tito Vilanova ernüchtert, „haben wir schon einige Male gesehen.“ Wohl wahr. In besonders schmerzhafter Erinnerung ist der Übermannschaft der letzten Jahre noch das Vorjahres-Aus im Halbfinale der Champions League gegen den ultradefensiven FC Chelsea. Spätestens seitdem ist die Rede vom „Chelsea-Komplex“.

Viele dachten, Barcelona sei in dieser Saison abgeklärter, weniger verspielt und zielstrebiger als in den vergangenen Jahren unter Pep Guardiola. In der Liga stellte der Vizemeister unter Vilanova den Klub-Startrekord ein, Erzrivale Real Madrid wurde früh distanziert. In der Champions League fehlte nach zuvor drei Siegen ein magerer Punkt noch zum vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. In Glasgow aber zeigte sich, dass Barcelona auch unter Vilanova nicht immer ein Mittel gegen den Chelsea-Komplex findet.

„Wir müssen genau so weiterspielen. Das ist meine Schlussfolgerung“, sagte Vilanova, der einzig die geringere Körpergröße seiner Spieler bei Standards als Problem erkannt hatte: „Wir könnten größere Spieler verpflichten, aber ich möchte Spaß haben auf der Bank. Und wir spielen eben unseren Stil“, fuhr der 44-Jährige fort. Alles in allem aber sah man im Barça-Lager keinen Grund zur Sorge. „Wir bleiben ruhig“, sagte Messi.

Mit neun Punkten bleibt Barcelona Gruppenerster, zwei Zähler dahinter rangiert Celtic. Und da beide Mannschaften auf Achtelfinal-Kurs liegen, beschäftigten sich Sieger und Besiegte auch lieber mit der außergewöhnlichen Stimmung im Celtic Park. 55.283 Zuschauer hatten für eine Gänsehautstimmung gesorgt. Matchwinner Watt meinte: „Die Zuschauer waren wie ein 12. Mann. So etwas habe ich noch nie gehört. Das Stadion hat gerockt.“