Vettel verpasst Titel, das Team jubelt

Sport / 18.11.2012 • 22:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel – nach dem Zieleinlauf in Austin mit Platz drei für Fernando Alonso bleibt die WM bis zum letzten Lauf in São Paulo spannend. Foto: reuters
Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel – nach dem Zieleinlauf in Austin mit Platz drei für Fernando Alonso bleibt die WM bis zum letzten Lauf in São Paulo spannend. Foto: reuters

Lewis Hamilton gewann den USA-Grand-Prix in Austin vor dem Champion und Alonso.

formel 1. Den schwarzen Cowboy-Hut von den kichernden Grid-Girls nahm er auch nach der verpassten WM-Entscheidung mit einem breiten Grinsen entgegen: Trotz eines starken Ritts auf seinem „Roten Bullen“ hat Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel den Premieren-Sieg in Texas verpasst und muss im Kampf um seinen dritten WM-Titel bis zum Saisonfinale zittern. In dieses am kommenden Sonntag in São Paulo geht Vettel nach seinem zweiten Platz beim ersten Rennen in Austin mit 13 Punkten Vorsprung. Somit würde ihm in Brasilien bereits ein vierter Platz reichen, selbst wenn Rivale Fernando Alonso das Rennen gewinnen würde.

„Absolut glücklich“

Dass er sich nicht als Verlierer, sondern als zweiter Sieger fühlte, zeigte Vettel schon direkt nach der Zieleinfahrt, als er zufrieden winkte und über den Boxenfunk erklärte: „Ich bin absolut glücklich.“ Der Red-Bull-Pilot trotzte zwar allen Psychospielchen und Regeltricks von Alonso und dessen Team Ferrari, musste sich aber um 0,6 Sekunden dem starken Briten Lewis Hamilton im McLaren geschlagen geben. Alonso kam nach einer starken Aufholjagd von Startplatz sieben als Dritter aufs Podium und wahrte seine kleine Chance auf seinen dritten Titel. Auf den Deutschen hatte der Spanier 38,5 Sekunden Rückstand. „Absolut fantastisch“, funkte derweil McLaren an Hamilton nach dessen vorletztem Rennen vor dem Wechsel zu Mercedes.

Den ersten Titel-Hattrick haben Vettel und Red Bull aber schon sicher: In der Konstrukteurswertung liegen sie nach Vettels Triumph uneinholbar vorne. Dabei leistete Teamkollege Mark Webber wieder einmal nur geringe Schützenhilfe – diesmal aber unverschuldet. Wie bei Vettel in Valencia und Monza verweigerte die Lichtmaschine in der 17. Runde den Dienst. Der Australier Webber, der bis dahin auf Rang drei direkt vor Alonso gelegen hatte, musste sein Auto abstellen.

Ferrari hatte schon vor dem Start mit einer strittigen Aktion für Diskussionen gesorgt. Eine eigentlich als Bestrafung gedachte Regel des Automobil-Weltverbandes FIA machte sich die Scuderia nun zunutze, um Alonso in eine bessere Position zu bringen. Bei Felipe Massa wurde vor dem Rennen mutwillig das Siegel am Getriebe verletzt, was wie der Tausch des Getriebes eine Rückversetzung um fünf Plätze nach sich zieht. Somit startete der Brasilianer in Texas vom elften statt vom sechsten Startplatz – Alonso rückte vom achten auf den siebten Rang vor. Beim Start zeigte der Spanier auch noch seine ganze Klasse. Schon in der ersten Kurve war er an Nico Hülkenberg, Michael Schumacher und Kimi Räikkönen vorbeigezogen und hatte den vierten Platz erobert – das Mindestziel, um ein echtes Finale in Brasilien zu erzwingen.

Alonso mit Boxen-Problem

Der Weltmeister zeigte sich unbeeindruckt von dem, was hinter ihm passierte. Doch der künftige Mercedes-Pilot Hamilton setzte ihn bald kräftig unter Druck. Alonso verlor dahinter an Boden, zunächst durch einen kleinen Ausritt auf der Strecke, dann durch einen ungewöhnlichen langen Boxenstopp, den ein klemmendes rechtes Hinterrad verursacht hatte.

Hamilton mit KERS-Hilfe

Nach zwei Dritteln der Distanz zeigte Hamilton dann wieder, dass er sich noch nicht geschlagen geben wollte. In der 42. von 56 Runden zog Hamilton dann aber auf der langen Geraden mit der vollen Kraft von KERS und DRS vorbei. Vettel beschwerte sich im Funk, dass ihn ein Überrundeter kurz zuvor aufgehalten habe und er somit verlangsamen musste. „Bleib ruhig und konzen­triere dich“, antwortete sein Renningenieur. Ein Risiko ging Vettel aber nicht mehr ein, zumal Hamilton nur schwer zu bezwingen gewesen wäre.

Die Jungs dürfen sich heute ein Bier aufmachen. Und ich bin dabei.

sebastian vettel

Formel 1. Weltmeisterschaft 2012 im Überblick

Grand Prix von USA in Austin

Lewis Hamilton
Großbritannien

McLaren

1:35:55,269/193,219 km/h

Sebastian Vettel
Deutschland

Red Bull

+0,675

Fernando Alonso

Spanien

Ferrari

+39,229

Felipe Massa

Brasilien

Ferrari

+46,013

Jenson Button
Großbritannien

McLaren

+56,432

  6. Kimi Räikkönen +1:04,425
Finnland/Lotus

  7. Romain Grosjean +1:10,313
Frankreich/Lotus

  8. Nico Hülkenberg +1:13,792
Deutschland/Force India

  9. Pastor Maldonado +1:14,525
Venezuela/Williams

10. Bruno Senna +1:15,133
Brasilien/Williams

WM-Stand Punkte

 1. Sebastian Vettel 273
Deutschland/Red Bull

 2. Fernando Alonso 260
Spanien/Ferrari

 3. Kimi Räikkönen 206
Finnland/Lotus

 5. Lewis Hamilton 190
Großbritannien/McLaren

 4. Mark Webber 167
Australien/Red Bull

 6. Jenson Button 163
Großbritannien/McLaren

 7. Felipe Massa 107
Brasilien/Ferrari

 8. Romain Grosjean 96
Frankreich/Lotus

 9. Nico Rosberg 93
Deutschland/Mercedes

10. Sergio Pérez 66
Mexiko/Sauber

Konstrukteurs-WM Punkte

 1. Red Bull 440

 2. Ferrari 367

 3. McLaren 353

 4. Lotus 302

 5. Mercedes 136

 6. Sauber 124

 7. Force India 99

 8. Williams 76