Ecclestone setzt alles auf Vettel

Sport / 19.11.2012 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Durstige Formel-1-Cowboys: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Fernando Alonso bei der Siegesfeier in Austin. Foto: reuters
Durstige Formel-1-Cowboys: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Fernando Alonso bei der Siegesfeier in Austin. Foto: reuters

Der Red-Bull-Pilot ist noch nicht Weltmeister, aber er hat weiterhin alles in der Hand.

formel 1. Ein Bier genehmigte sich Sebastian Vettel auf den Gewinn der dritten Konstrukteurs-WM, dann richtete er seine Konzentration schnell wieder auf den Titel-Showdown in Brasilien. „Bei zwei oder drei Bier würde es schon problematisch, es geht ja direkt weiter“, sagte der 25-Jährige nach seinem zweiten Platz in Austin/Texas – direkt vor seinem Rivalen Fernando Alonso – den niemand so recht einzuordnen wusste.

Vettel muss sich keine großen Sorgen um seinen dritten Titel in Folge machen, glaubt Formel-1-Boss Bernie Eccle­stone. Er setzt vor dem Saisonfinale auf den Deutschen – und zwar aus voller Überzeugung. „Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Sebastian setzen“, sagte der Brite: „Wie viel? So viel sie wollen.“

Ein echtes Saisonfinale

Wer den Titel mehr verdient habe, wollte Ecclestone dagegen nicht endgültig beantworten. „Vielleicht hat es Sebastian ein bisschen mehr verdient aufgrund seiner Leistungen“, sagte der 82-Jährige und fügte dann an: „Aber Fernando hatte die meiste Zeit nicht das beste Auto. Deshalb hätte er es auch irgendwie verdient.“ In jedem Fall treiben die beiden Protagonisten den Titelkampf auf die Spitze. Die Entscheidung über den Titel fällt im letzten Rennen am Sonntag in Sao Paulo. Der Daily Telegraph blieb neutral: „Das war das perfekte Ergebnis für den Sport.“ Die Gazzetta dello Sport stellte fest: „Die WM ist noch offen, oder besser gesagt, sie ist noch nicht ganz geschlossen.“ Allerdings: Vettel und Red Bull seien schlagbar, „aber im Moment nicht von Alonso und Ferrari“.

So sahen es die meisten, auch Ecclestone, der sich „natürlich freute, dass wir ein echtes Saisonfinale haben“. Vettel hätte auf den ultimativen Kick zum Schluss sicher gerne verzichtet, doch vor allem nach 133 von 150 möglichen Punkten aus den letzten sechs Rennen wirken die 13 Zähler Vorsprung auf Alonso zunächst wie ein beruhigendes Polster. „Es gibt genügend Gründe, um zuversichtlich zu sein“, sagte Vettel und zählte auf: „Das Auto läuft fantastisch, das Team arbeitet gut und die Strecke in Brasilien liegt uns.“

Kämpfen bis zum Ende

Das behauptet aber auch Alonso, der sich aufgrund des unterlegenen Autos wohl moralisch im Vorteil fühlt und Tricks wie den Siegelbruch Ferraris bei Kollege Felipe Massa zur Verschiebung der Startaufstellung insgeheim als ausgleichende Gerechtigkeit ansieht. Und dieses Spielchen gefällt dem Spanier. „Dieses Podium ist wie ein Sieg für uns“, sagte er vergleichsweise zurückhaltend: „Wir haben noch die Chance, den Titel zu holen. Nur Sebastian hat eine noch bessere Ausgangslage als wir. Und nun kämpfen wir bis zum Ende.“

Auch bei Twitter hielt sich der Spanier zurück. „Das Spiel geht in sieben Tagen weiter. Und wir müssen uns verbessern“, schrieb er seinen 1,2 Millionen Followern: „Die Grenzen zwischen Gewinnen und Verlieren, zwischen Gutem und Magischem, Traum und Wirklichkeit sind sehr schmal. Damit haben wir ja schon einige Erfahrungen gemacht.“

Auf dem Papier sähen seine Chancen gering aus, „aber so gering sind sie gar nicht“, sagte Alonso. Doch selbst, wenn er gewinnen sollte, würde Vettel ein dritter Platz zum Titel reichen. Und schlechter war der Titelverteidiger nach Ende Juli nur bei seinem technischen Ausfall in Monza. „Wir sind in der bestmöglichen Situation“, sagte er deshalb. Und niemand widersprach.

Dieses Podium ist wie ein Sieg für unser Team.

fernando alonso