„Das Skispringen ist immer meine Leidenschaft geblieben“

Sport / 26.11.2012 • 21:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Skisprungexperten unter sich: Karlheinz Dorner (rechts) und Gerhard Schallert. Foto: gepa
Vorarlberger Skisprungexperten unter sich: Karlheinz Dorner (rechts) und Gerhard Schallert. Foto: gepa

Der ehemalige Skispringer Karlheinz Dorner blieb in seinem Beruf dem Sport treu.

lillehammer. Im Alter von 24 Jahren beendete Karlheinz Dorner seine Profikarriere als Skispringer. Der dreifache Medaillengewinner bei Junioren-Weltmeisterschaften und ehemalige Weltcupstarter ist aber dem nordischen Skisport erhalten geblieben. Beim Saisonauftakt der Skispringer in Lillehammer war er als Sponsoren-Betreuer im Einsatz.

Bereuen Sie es heute, dass Sie mit 24 Jahren ihre Skisprung-Karriere beendet haben?

dorner: Jein. Im Nachhinein kann man immer sagen, dies oder jenes hätte ich besser machen können. Im Endeffekt hat es zum damaligen Zeitpunkt nicht gereicht. Die Umstände waren anders als heute. Es gab zum Beispiel keine Gewichtsregel und auch der ÖSV war anders strukturiert. Fakt ist, dass ich den Durchbruch nicht schaffen konnte. Auch wenn ich verbissen gekämpft habe, irgendwann muss man sich entscheiden, in welche Richtung es geht. Ich habe dann in Innsbruck mein Betriebswirtschafts-Studium begonnen. Trotzdem hatte ich eine schöne Karriere, habe viel erlebt und auch Sachen erreicht, auf die ich stolz bin. Daher passt es für mich, wie es gekommen ist.

Was machen Sie heute?

dorner: Nach meinem Studium habe ich direkt bei Harti Weirathers Agentur WWP mit der Arbeit begonnen. Heute betreue ich Kunden wie Volksbank und OMV bei den verschiedenen nordischen Sport-Veranstaltungen, strategisch, konzeptionell und in der Umsetzung. Es war mein Berufswunsch, in die Schnittstelle zwischen Sport und Wirtschaft zu kommen. Dass es sich so ergeben hat, dass ich wieder beim Skispringen gelandet bin, ist natürlich ein Traum und ein Riesenglück. Hier kann ich mein Know-how und mein Netzwerk, das ich jahrelang aufgebaut habe, bestens einbringen.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Vorarlberger Skisprung-sports?

dorner: Das Skispringen hat sich in den letzten 15, 20 Jahren enorm entwickelt, sowohl die Sportart an sich als auch ihr Umfeld. Aus meiner Sicht ist es für Kinder in Vorarlberg in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, „einfach“ Ski springen zu gehen. Dass im Montafon und im Bregenzerwald neue Schanzen entstehen ist sehr erfreulich und ein wichtiger Schritt. Allerdings ist die Infrastruktur nur ein Baustein von mehreren.

Was meinen Sie damit?

Dorner: Ein Beispiel: Was machen Sie als Elternteil, wenn Ihr Kind sagt, Papa/Mama, ich würde gerne Ski springen! Bei Sportarten wie Skifahren, Fußball oder Tennis können Sie selbst als Elternteil die ersten Versuche mit ihrem Kind unternehmen. Beim Skispringen ist das schwieriger. Dort braucht es einen direkten Ansprechpartner, der die Ausrüstung zur Verfügung stellt, die ersten Schritte erklärt bzw. vorzeigt und Vertrauen auf-, bzw. Ängste abbaut.

Wie würde so eine Aufbauarbeit aus Ihrer Sicht aussehen?

dorner: Es wäre unfair den handelnden Personen gegenüber, an dieser Stelle irgendwelche Empfehlungen oder Ratschläge abzugeben. Dem Stützpunktsystem des ÖSV kann ich aber einiges abgewinnen. Umgemünzt auf Vorarlberg heißt das, wieder eine breite Basis von Kindern in den örtlichen Vereinen zu fördern, um daraus einen leistungsorientierten Landeskader formen zu können.

Grundsätzlich braucht es Menschen, die den Kindern die Freude dieser Sportart vermitteln. Ich kann mich noch an meine Zeit erinnern. Wir sind damals mit unserem Trainer Jos Bär nicht zum Training gegangen, weil es primär um Leistung ging, sondern weil es uns Spaß gemacht hat.

Wie machen das dann andere Bundesländer wie Tirol oder Kärnten, die Topathleten wie Schlierenzauer, Kofler oder Morgenstern herausbringen?

dorner: Die Systeme, aus denen zum Beispiel ein Gregor Schlierenzauer oder ein Andreas Kofler herauskommen, sind gewachsen. Dahinter steckt eine jahrelange Aufbauarbeit. Daher heißt es auch in Vorarlberg: step by step. Die Möglichkeiten müssen vor allem in den einzelnen Regionen gesucht werden.

Wäre das etwas für Sie, an der Basis mitzuhelfen?

dorner: Klar, warum nicht?

Mit Ulrich Wohlgenannt hat Vorarlberg eine große Nachwuchshoffnung. Was trauen Sie ihm zu?

dorner: Ich kenne ihn zu wenig um die Prognose abzugeben, ob er es schafft oder nicht. Wie ich aus der Ferne mitbekommen habe, hat er bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht und es geht für ihn in Richtung Kontinentalcup. Da ist es dann wichtig, dass er sich etabliert. Wenn er das über einen längeren Zeitraum schafft, wird er früher oder später auch im Weltcup seine Chance bekommen. Die Geduld ist hier ein wichtiger Faktor, um seine Ziele verwirklichen zu können.##Dieter Alge##

Man muss den Kindern den Spaß an dieser Sportart vermitteln.

karlheinz dorner