Der „Mister Radball“ tritt von der großen Bühne ab

Sport / 07.01.2013 • 21:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
radball_didi_4.JPG@dc5_dc1-5mybfh6sxltgy4dl9b9.jpg
radball_didi_4.JPG@dc5_dc1-5mybfh6sxltgy4dl9b9.jpg

Mit Dietmar Schneider beendet Österreichs erfolgreichster Radballer seine aktive Karriere.

Radball. „Ich habe mir 2011 meinen großen sportlichen Traum erfüllt und an der Seite von Patrick Schnetzer als erstes rot-weiß-rotes Team den langersehnten Weltmeistertitel geholt. Zusätzlich bin ich vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Sieger beim Weltcupfinale geworden. Mehr gibt es in unserer Sportart nicht zu gewinnen.“ Mit Dietmar Schneider hat der erfolgreichste Radballer Österreichs nun seinen Rücktritt erklärt. Der Abschied von der großen Bühne ist dem 38-Jährigen scheinbar gar nicht so schwer gefallen, wie es in der Szene vermutet wurde. Schneider: „Nach dem Gewinn der Silbermedaille im November bei der WM in Aschaffenburg und dem Triumph beim Weltcupfinale in Sangershausen gab es viele Gespräche im Verein. Dabei ist der Gedanke an ein Karriereende immer mehr in mir gereift. Ich bin jetzt 38 Jahre alt, habe sportlich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe, und möchte jetzt einfach die Zeit neben meiner Arbeit für andere Dinge nutzen“, so der gelernte Koch.

Ein Blick auf die Erfolgsstatistik unterstreicht die Aussage. Der „Mister Radball“ war zwischen 1998 und 2012 insgesamt zwölf Mal bei Weltmeisterschaften im Einsatz und brachte dabei das Kunststück, von allen Championaten mit einer Medaille ins Ländle zurückzukehren. Neben der Goldmedaille 2011 holte Schneider noch drei Silber- und acht Bronze­medaillen. Bei Finalturnieren des UCI-Weltcups stehen bei acht Starts vier Podestplätze (2/1/1) zu Buche. Im Europacup der Elite gab es vier erste, drei zweite und einen dritten Rang und auf ­nationaler ­Ebene sicherte sich der Höchster in den letzten 15 Jahren elf Staatsmeistertitel.

Erstes Rad vom „Osterhasen“

Die Liebe zum Radball wurde dem Höchster praktisch in die Wiege gelegt. Vater Othmar und Onkel Franz waren als Trainer im Verein tätig und so kam „Didi“ in frühester Kindheit mit dem Radball in Kontakt. Da auch die beiden Cousins Reinhard und Manfred spielten, war er früh vom Spiel mit dem 600 Gramm schweren Ball aus Elch- oder Rosshaar begeistert. „Mein erstes Rad habe ich mit acht Jahren vom Osterhasen bekommen. Von da an war klar, dass ich auch

Radballer werde.“ Die Tatsache, dass man in unserem Sport kaum Geld verdienen kann, war für Schneider nie ein Grund, eine andere Sportart auszuüben. „Für mich stand immer die Freude am Sport und die Kameradschaft im Team an vorderster Stelle. Deshalb werde ich in Zukunft auch hin und wieder beim Training vorbeischauen und falls gewünscht Ratschläge geben“, erklärt Schneider.

Für die „neu“ gewonnene Freizeit hat der „Mister Radball“ bereits Pläne geschmiedet. Er will sich intensiver der vor einigen Jahren begonnenen Haflingerzucht widmen, seine Kenntnisse im Tauchen auffrischen, die Zeit mit seiner Freundin Anna genießen und Reisen unternehmen. „In den letzten 20 Jahren habe ich praktisch meinen gesamten Urlaub für Radballturniere verbraucht. Dies soll sich nun ändern“, erklärt der Höchster. Ein großes Vorhaben hat sich der zwölffache WM-Medaillengewinner zudem gesetzt: Gemeinsam mit seinem Vater einen Fischerurlaub verbringen. „Davon reden wir schon seit ich 18 Jahre bin und jetzt habe ich hoffentlich auch einmal Zeit dafür.“

Didi Schneider mit Langzeitpartner Marco Schallert (l.) und Cousin Reinhard Schneider (r.).
Didi Schneider mit Langzeitpartner Marco Schallert (l.) und Cousin Reinhard Schneider (r.).
Weltmeister 2011: Patrick Schnetzer (l.) und Dietmar Schneider.
Weltmeister 2011: Patrick Schnetzer (l.) und Dietmar Schneider.
Mit Simon König holte Schneider fünf Mal WM-Bronze.
Mit Simon König holte Schneider fünf Mal WM-Bronze.
Mit Schallert holte Schneider zwei Mal WM-Silber und -Bronze.
Mit Schallert holte Schneider zwei Mal WM-Silber und -Bronze.

Zur Person

Dietmar „Didi“ Schneider

Im Alter von 38 Jahren beendet der erfolgreichste Radballer Österreichs seine Karriere.

Geboren: 7. Dezember 1974

Beruf: Koch im Gasthaus Schwanen

Familie: Vater Othmar, Mutter Doris, Schwestern Ursula, Katharina und Maria

Wohnort: Höchst

Verein: ÖAMTC RV Mazda Hagspiel Höchst

Hobbys: bis jetzt Radball, Pferde (Haflingerzucht), Tauchen

Radball

Die Erfolgsstatistik von Dietmar Schneider

» Weltmeisterschaften

1. Platz (1): 2011 (mit Patrick Schnetzer)

2. Plätze (3): 2012 (mit Patrick Schnetzer), 2001, 1999 (mit Marco Schallert)

3. Plätze (8): 2010 (mit Patrick Schnetzer), 2009, 2008, 2006, 2005, 2004 (mit Simon König), 2000, 1998 (mit Marco Schallert)

» Weltcupfinale (seit 2002)

1. Platz (2): 2012 (mit Patrick Schnetzer), 2005 (mit Simon König)

2. Plätze (1): 2011 (mit Patrick Schnetzer)

3. Plätze (1): 2008 (mit Simon König)

4. Platz (2): 2010 (mit Patrick Schnetzer), 2006 (mit Simon König)

5. Platz (1): 2004 (mit Simon König)

7. Platz (1): 2007 (mit Simon König)

» Europacup Elite

1. Platz (4): 2009, 2008 (mit Simon König), 2001, 2000 (mit Marco Schallert)

2. Plätze (3): 2006 (mit Simon König) 1999, 1998 (mit Marco Schallert)

3. Platz (1): 2012 (mit Patrick Schnetzer)

» Europameisterschaften (U 19/Junioren)

3. Platz (1): 1990 (mit Gerhard Küng)

» Staatsmeisterschaften

1. Platz (11): 2012, 2011 (mit Patrick Schnetzer), 2009, 2008, 2006, 2005, 2004 (mit Simon König)

2001, 2000, 1999, 1998 (mit Marco Schallert)

2. Platz (4): 2010 (mit Patrick Schnetzer), 2007, 2003 (mit Simon König), 2002 (mit Manfred Schneider)