Dominant auf Jahre hinaus

Sport / 07.01.2013 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Titel verteidigt, Gregor Schlierenzauer hat dem großen Druck standgehalten. Foto: apa
Titel verteidigt, Gregor Schlierenzauer hat dem großen Druck standgehalten. Foto: apa

Gregor Schlierenzauer hat weiteren Schritt hin zur Skisprung-Legende gemacht.

ski nordisch. Es war schon kurz vor Mitternacht, als Gregor Schlierenzauer bei Schnitzel und Pommes endlich etwas Ruhe fand. So richtig verarbeitet hatte der ÖSV-Überflieger seinen zweiten Triumph bei der Vierschanzentournee aber auch beim Teamessen noch nicht. „Das ist ein sehr magischer Moment, es dauert ganz sicher eine gewisse Zeit, um das alles zu begreifen“, sagte Schlierenzauer, der es als erst achter Springer schaffte, den Titel auf den vier Schanzen erfolgreich zu verteidigen: „Jetzt wird erstmal gefeiert.“

Neue Ziele im Visier

Nur wenige Stunden zuvor hatten ihn Tausende Landsleute am Fuße der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen im strömenden Regen bejubelt, nachdem er den starken Norweger Anders Jacobsen auf Abstand gehalten und Österreich den fünften Tourneesieg in Folge beschert hatte. „Es war eine unglaublich tolle und schöne Tournee“, sagte Schlierenzauer, der erst mit den Emotionen kämpfte und dann in einen Party-Marathon startete – schließlich stand für den Ausnahmekönner gestern auch noch der 23. Geburtstag auf dem Programm.

„Unter Druck reifen die richtig großen Diamanten“, sagte der alte und neue König der Lüfte, der nun ein großes Nahziel vor Augen hat. Er will den Finnen Matti Nykänen als erfolgreichsten Athleten der Weltcupgeschichte ablösen. Die skandinavische Skandalnudel hat 46 Siege auf dem Konto, „Schlieri“ steht nach den Erfolgen in Innsbruck und Bischofshofen bei 45. „Wenn ich das in meinem Alter erreiche, dann ist das der absolute Wahnsinn“, sagt Schlierenzauer fast schon ehrfürchtig.

Einen Zweifel daran hat niemand. „Den Rekord von Matti Nykänen wird er locker überflügeln und in ungeahnte Höhen schrauben“, sagte der Deutsche Sven Hannawald, der die Tournee 2001/2002 mit Siegen in allen vier Springen gewonnen hatte, in seinem Blog bei eurosport.yahoo.de: „Schlierenzauer kann locker bis zu seinem 30. Lebensjahr springen. Ich denke, bis zum Ende seiner Laufbahn wird er 60 bis 70 Erfolge im Weltcup einfahren. Diese Marke wird nie mehr ein anderer Springer erreichen.“

Die Experten rechnen mit einer Dominanz, die über Jahre hinweg andauern wird. „Schlierenzauer drückt dem Skispringen seinen Stempel auf – das wird möglicherweise jahrzehntelang Bestand haben“, sagte Olympiasieger Toni Innauer. Der deutsche Bundestrainer Werner Schuster meinte: „Er wird der beste Skispringer aller Zeiten werden. Bei ihm passt einfach alles.“

Die Kirche im Dorf lassen

Seine Siegesserie und die große Erfahrung – schon mit 16 Jahren holte Schlierenzauer seinen ersten Weltcupsieg – haben den 1,77 m großen und 62 kg leichten Schlaks locker gemacht, von Druck will er nichts mehr wissen. „Ich bin entspannter geworden“, sagte der Team-Olympiasieger von 2010. Zu verlieren hat er ohnehin nichts mehr.

Selbstverständlich kamen schon kurz nach der Siegerehrung die Fragen nach dem nächsten Jahr und dem möglichen dritten Sieg in Folge. Dieses Kunststück hat bislang nur der Norweger Björn Wirkola von 1967 bis 1969 geschafft. „Man versucht sich immer weiter zu entwickeln“, sagte Schlierenzauer höflich, um dann jedoch energisch anzufügen: „Man muss die Kirche jetzt aber auch mal im Dorf lassen.“

Er wird der beste Skispringer aller Zeiten werden.

werner schuster