Millionenpleite! 300.000 Euro fehlen für weiteren Spielbetrieb

Sport / 20.03.2013 • 21:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Klaus Grubhofer ist Masseverwalter. GePa/2, Hofmeister, Steurer
Dr. Klaus Grubhofer ist Masseverwalter. GePa/2, Hofmeister, Steurer

Insolvenzverfahren gegen FC Lustenau eröffnet – Schulden in Höhe von 1,092 Mill. Euro.

Fussball. Die Schuldenlast ist erdrückend und hat nun dazu geführt, dass am Landesgericht Feldkirch das Insolvenz-verfahren eingeleitet wurde. Beantragt sowohl vom Rechtsbeistand des Vereins, Dr. Karl Rümmele, als auch von einem Gläubiger (Gebietskrankenkasse). Die Schulden belaufen sich laut Creditreform Austria auf 1,092 Mill. Euro. Dem stehen Aktiva in Höhe von 27.603 Euro gegenüber. Betroffen sind 20 Dienstnehmer, darunter 14 Profifußballer, und rund 84 Gläubiger. Als Insolvenzverwalter wurde der erfahrene Dornbirner Rechtsanwalt Dr. Klaus Grubhofer bestellt. Ein in Fußballkreisen bestens bekannter Ex-Funktionär, der in den 80er-Jahren die IG Bregenz/Dornbirn in Rechtsfragen beraten hat.

Grubhofer führte bereits gestern ein erstes, längeres Gespräch mit Rümmele und meinte dann gegenüber den VN: „Wenn es so ist, wie es dargestellt wird, dann sind noch Fördergelder seitens der Bundesliga, des Landes und der Gemeinde zu erwarten.“ Das stimmt den Anwalt, nach einer ersten Sichtnahme, ein wenig zuversichtlich. Gleichzeitig betonte Grubhofer, dass er erst alle Unterlagen, die er brauche, sichten wolle. Dafür hat er zehn Tage Zeit. Bis dann nämlich muss der Masseverwalter die Entscheidung hinsichtlich Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis zur Berichttag- bzw. Prüfungstagsatzung am 23. Mai gefällt haben. Die Meisterschaft in der „Heute für Morgen“ Erste Liga endet am 24. Mai. Was die zu erwartenden Gelder betrifft, so macht Grubhofer deutlich, dass es ohne schriftliche Garantien für die Beträge seitens der Geldgeber keinen weiteren Spielbetrieb geben wird. Allerdings könnten die Mittel auch von „dritter Stelle“ garantiert bzw. beigestellt werden.

Ohne Garantie läuft gar nichts

Beim Gespräch der beiden Anwälte wurde auch bekannt, dass es seitens des Vereins noch keinen Sanierungsplan gibt. Ein solcher soll erst dann erstellt werden, wenn alle Forderungen der Gläubiger eingegangen sind. Die Anmeldung der Erhebungen läuft bis zum 13. Mai, zehn Tage vor der ersten Gläubigerversammlung. Die Rechtssprechung verlangt eine Insolvenzquote – prozentualer Anteil, den die Insolvenzgläubiger nach Abschluss des Verfahrens aus der Insolvenzmasse erhalten – in der Höhe von zumindest 20 Prozent. FCL-Präsident Mag. Dieter Sperger hatte bereits vor Tagen in einem VN-Gespräch von einer Quote zwischen 20 und 30 Prozent gesprochen. „Die Alternative“, so Grubhofer, „wäre, dass ich den Betrieb schließe. Dann fließen keine Gelder und ich hätte noch eine Büroeinrichtung und einen alten Toyotabus zu verkaufen. Mit diesen Einnahmen könnten die Gläubiger kaum zufriedengestellt werden.“

Einer ersten Hochrechnung zufolge dürfte sich eine sportliche Beendigung der Saison auf rund 300.000 Euro belaufen. Darin enthalten sind nicht nur die Spielergehälter, für die ab sofort der Masseverwalter aufzukommen hat, sondern auch alle anderen Ausgaben. Die Einnahmenseite – „Budgetvorschau“ – würde sich folgendermaßen zusammensetzen: rund 135.000 Euro seitens der Liga (TV-Gelder, Österreicher-Topf), gut 100.000 Euro seitens des Landes aus dem Spitzensportförderungstopf, 35.000 Euro seitens der Gemeinde (Spitzensportförderung), die Höhe der Eintrittsgelder aus den ausstehenden Heimspielen ist mit 15.000 Euro kalkuliert und der Umsatz bei den Spielen mit 10.000 Euro. Nach einem ersten Telefonat mit Mag. Reinhard Herovits, der bei der Bundesliga für Finanzen und Lizenzierung zuständig ist, gibt es laut Grubhofer positive Signale in Richtung Fortsetzung des Spielbetriebs.

Gefordert ist in weiterer Folge auch wieder Trainer Daniel Madlener, der die Spieler davon überzeugen muss, die Saison sportlich fair zu Ende zu spielen. Diesen Ratschlag gab es für die Kicker auch vonseiten der Gewerkschaft, für die Didi Berchtold vor Ort Gespräche führte. Was die Löhne betrifft, so deckt der Insolvenzfonds den Zeitraum der letzten sechs Monate bis zum Tag der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ab. Mit einem Austritt würde sich jeder Spieler aber aus der „Auslage“ nehmen.

Eine Büroeinrichtung und ein alter Toyotabus – mehr gibt es nicht.

Dr. Klaus Grubhofer

Im Interesse aller ist es vordringlich die Saison fertig zu spielen. Wenn mehr Geld kommt als fehlt.

Dr. Karl Rümmele
Daniel Madlener (l.) und Huschi Armut können es nicht fassen.
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FCL-Torhüter Filip Gacevski zählt zu den großen Talenten im Team.
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FCL-Präsident Dieter Sperger will geordneten Rückzug.
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