Die Formel 1 im Schwitzkasten

Sport / 21.03.2013 • 22:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das ist noch die leichteste Übung im heißen Sepang: Nico Rosberg und Lewis Hamilton schreiben Autogramme. Foto: ap
Das ist noch die leichteste Übung im heißen Sepang: Nico Rosberg und Lewis Hamilton schreiben Autogramme. Foto: ap

Tropensauna in Sepang ist eine der härtesten Bewährungsproben für die Formel-1-Fahrer.

sepang. Fernando Alonso schwitzt. Dunkle Flecken bilden sich auf seinem Ferrari-roten T-Shirt, unter der Sponsorenkappe klebt das Haar, die Klimaanlage ist chancenlos. Willkommen bei der Formel 1 in Malaysia, wo die Stars der Branche schon bei zehnminütigen PR-Terminen mächtig Schweiß vergießen. „Mach dir keinen Stress, du kannst der Hitze sowieso nicht entkommen“, rät Dreifach-Weltmeister Sebastian Vettel.

„Null frische Luft“

Der Kurz-Auftritt seines Titelrivalen Alonso bei der Fragestunde des Formel-1-Bremsenherstellers im Fahrerlager von Sepang liefert einen Vorgeschmack auf das, was die Piloten am zweiten Grand-Prix-Wochenende der Saison erwartet. Tropische Hitze mit Temperaturen von über 30 Grad und extreme Luftfeuchtigkeit machen das Rennen vor den Toren von Kuala Lumpur zu einem der härtesten des Jahres. „Du hast null frische Luft“, beschreibt Mercedes-Mann Nico Rosberg die Verhältnisse im Cockpit.

Die großen Risiken heißen Flüssigkeitsmangel und Überhitzung. Bis zu vier Litern Flüssigkeit verlieren die Fahrer während des Rennens. Der feuerfeste Anzug, der Helm und der dem Körper eng angepasste Sitz treiben den Schweiß aus allen Poren. Viel trinken ist deshalb das oberste Gebot.

Wer nicht genug trinkt, bekommt erst recht ein Problem. Wenn der Wasserhaushalt in Unordnung gerät und der Körper überhitzt, leiden Konzentration, Koordination und Reaktion. Das kann sich im Vollgas-Kreisverkehr niemand erlauben.

Wasser trinken allein aber genügt nicht. Elektrolytgetränke sollen den Verlust von Salz und Mineralstoffen ausgleichen. So mancher Fahrer setzt deshalb auf spezielle Cocktails mit Kalium, Magnesium und Kohlehydraten.

Zudem versuchen die Piloten sich in der kurzen Zeit nach der Ankunft aus Australien auf schnellstem Wege zu akklimatisieren. „Ich spiele ein, zwei Stunden Tennis in der prallen Sonne“, verrät Sauber-Neuzugang Nico Hülkenberg. Landsmann Rosberg meidet klimatisierte Räume und hält sich möglichst viel im Freien auf, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen.

Jeder hat einen eigenen Trick

Kurz vor dem Start hat dann jeder seinen eigenen Trick, um sich noch etwas Kühlung vor der knapp zweistündigen Fahrt durch die Tropensauna zu verschaffen. Trockeneis in den Handschuhen und Kühlwesten helfen für ein paar Minuten. Hülkenberg lässt ein nasses Hemd im Gefrierschrank vereisen und zieht es kurz vor der Abfahrt an. Jedes Grad zählt.

Das Rennen wird dann zur Grenzerfahrung, zum Extrem­test für die Fitness. Kurze Abkühlung verspricht nur der tropische Regenschauer, der ziemlich zuverlässig am Nachmittag hereinbricht. Dann wird der Sepang International Circuit zum Dampfbad. Ansonsten aber brennt buchstäblich der Asphalt – und die Piloten merken das hautnah. „Ich spüre mit meinem Hintern den Boden“, sagt Silberpfeil-Fahrer Rosberg. Keine angenehme Erfahrung bei einer Streckentemperatur von bis zu 50 Grad.

Kein Stress. Du kannst der Hitze sowieso nicht entkommen.

Sebastian vettel