„Ich mache mir keinen Druck“

Sport / 21.03.2013 • 18:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ramazan Özcan war diese Woche immer ein begehrter Interviewpartner. Foto: gepa
Ramazan Özcan war diese Woche immer ein begehrter Interviewpartner. Foto: gepa

Özcan will mit Leistung überzeugen und so fixer Bestandteil des Nationalteams werden.

Fussball. Sein Spitzname ist „Rambo“, doch im Nationalteam zeigt Ramazan Özcan eine ganz andere Seite. Der Ingolstadt-Keeper ist ein absoluter Teamplayer, der mit Leistung überzeugen will.

Wie war das Gefühl, wieder zum Nationalteam zu gehören?

Ramazan Özcan: Echt gut, auch wenn ich anfangs wirklich gemischte Gefühle verspürte. Es war irgendwie komisch, weil ja doch fast fünf Jahre vergangen sind. Ich habe wirklich nicht gewusst, wie ich dran bin, als ich von der Nachnominierung erfahren habe. Dann allerdings war alles ganz einfach. Trainer und Mannschaft haben mich super aufgenommen. Ich war echt überrascht, wie gut die Harmonie im Team ist. Für mich kann ich nur sagen, dass ich mich pudelwohl fühle. Nicht nur, dass ich mich mit allen verstehe, einige kenne ich ja noch von der U-21-Zeit oder von der Europameisterschaft, es ist ein echter Teamgeist spürbar.

Sie hatten also auch keine Berührungsangst mit Tormanntrainer Otto Konrad? Zumal oft die Rede davon war, dass die Chemie zwischen ihnen beiden nicht unbedingt stimmt.

Özcan: Absolut nicht. Ich versuche, allen offen entgegenzutreten und dieses Gefühl vermitteln auch die Trainer. Wir trainieren wirklich gut und hart. Das Training hat ein hohes Niveau und es macht richtig Spaß. Dass ich keinen Bock darauf habe, wieder ins fünfte Glied zurückzugehen, wenn Robert Almer wieder fit ist, ist doch verständlich. Ich will die Zeit nutzen und mich für weitere Aufgaben empfehen. Deswegen setze ich mich aber nicht unter Druck. Ich weiß, was ich kann.

Der Teamchef lässt sich in Sachen Aufstellung nicht gerne in die Karten blicken. Wissen Sie, wer heute im Tor stehen wird?

Özcan: Nein, aber sollte ich es sein, dann würde es mich freuen. Ist doch klar, dass ich ein gewisses Kribbeln nach der langen Abwesenheit verspüre. Aber wie schon gesagt: Ich lasse mich auch nicht durch Aufstellungsfragen verrückt machen. Ich bin hier, um einen Grundstein für die Zukunft zu legen. Ich habe ja auch schon schwierige Zeiten durchlebt. Dank meiner Sturheit und meines Willens habe ich es geschafft wieder aufzustehen.

Sie sprechen überaus positiv über das Klima innerhalb der Mannschaft?

Özcan: Das ist richtig, es ist bestens. Otto Konrad unterstützt uns Torhüter sehr gut, vom Teamchef gibt es für jeden Einzelnen immer wieder Feedbacks. Aber es hat mich auch überrascht, wie einzelne Spieler meinen Werdegang mitverfolgt haben. Martin Harnik hat mir zu den Leistungen gratuliert.

Wie haben Sie in all den Tagen Teamchef Marcel Koller kennengelernt?

Özcan: Als sehr zielstrebigen Trainer und sehr sympathischen Menschen. Ich habe ihn ja bislang nicht gekannt, hatte nur einmal Kontakt, als ich mit Hoffenheim gegen Bochum spielte, wo Marcel Koller Trainer war. Mir gefällt, dass er keine Alibi-Floskeln verwendet, sondern seine Anweisungen sind exakt und klar.

Auch bezüglich der Aufstellung? Wissen Sie, ob Sie dabei sind?

Özcan: Jeder Spieler, der zum Nationalteam kommt, will spielen. Ansonsten könnten wir gleich in den Urlaub fahren. Aber ich bin nicht so verbissen, dass ich jetzt das Tor niederreißen will. Ich habe mir das Ziel gesetzt, wieder Teil dieser Nationalmannschaft zu werden. Das hat nichts damit zu tun, ob ich gegen die Färöer spiele oder nicht. Ich habe mir vorgenommen durch Leistung zu überzeugen, mich zu zeigen und keinesfalls ein Jammerlappen zu sein. Ich denke, die Leidenszeit in Hoffenheim hat mich in dieser Hinsicht sehr geprägt. Da lernt man auch zu schätzen, wenn einem Respekt entgegengebracht wird. Ich werde einfach in der Zeit beim Team Gas geben.

Was die Zielsetzung gegen Färöer und Irland betrifft, so sind sechs Punkte fast Pflicht, will man die Chancen für die WM-Qualifikation wahren?

Özcan: Ich sage so: Spielen wir einmal gegen die Färöer und reden wir dann. So viel ich weiß, hat Österreich ja auch schon gegen die Färöer verloren. Aber wir wissen die Spiele schon richtig einzuschätzen. Ich denke, dass wir sechs Punkte machen können. Dafür müssen wir aber auch richtig hart arbeiten.

Noch eine persönliche Frage: Wie geht es Ihnen, wenn Sie nach all der langen Zeit wieder den Adler auf der Brust tragen?

Özcan: Als ich von der Einberufung erfuhr, habe ich mich für einen Moment einfach hingesetzt und mich gefreut. Ich denke, das ist auch erlaubt. Denn ich fühlte mich bestätigt, dass sich harte Arbeit auch lohnt. In meiner Karriere habe ich erlebt, was es heißt: Hochkommen ist richtig schwer, aber oben zu bleiben ist noch viel schwerer.