Das Trumpf-Ass ist der Trainer

Sport / 24.03.2013 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Emotion pur bei Giovanni Trapattoni. Foto: ap
Emotion pur bei Giovanni Trapattoni. Foto: ap

Irland-Coach Giovanni Trapattoni verspürt weiter den ungestillten Hunger nach Erfolgen.

Fussball. Rastlos wandert Giovanni Trapattoni beim Training immer wieder um den ganzen Platz, seine wachen Augen verfolgen jeden Spielzug seiner „grünen Jungs“. Doch sein oft lustig anmutender Sprach-Mix aus Italienisch, Englisch und Deutsch bringt nicht nur seine Spieler, sondern auch die irischen Journalisten fast zur Verzweiflung. Möglicherweise aber lieben die Fans den 74-jährigen Italiener wegen seiner Zwiegespräche mit Medienvertretern. Oder auch deshalb, weil „Trap“ seinen Geburtstag am St. Patrick’s Day (17. März) feiert.

Das Alter jedenfalls spielt für Trapattoni keine Rolle: „Ich bin immer hungrig auf Erfolge. Ich schaue mir jedes Fußballspiel an und überlege immer, welche Dinge ich verbessern könnte.“ Ans Aufhören denkt der fast auf der ganzen Welt bekannte und beliebte Trainer noch lange nicht, wie er kürzlich betonte: „Zum Aufhören müssen sie mich prügeln.“ Immerhin hat er im Vorjahr bei der EM-Endrunde 2012 Otto Baric (71 Jahre und 2 Tage) als dienstältesten EM-Trainer (73 Jahre und 85 Tage) abgelöst.

Nur zu den Spielen nach Irland

Der Trainer lebt in Mailand, reist nur zu den Team-Zusammenkünften nach Irland – und verzichtet auf Sprachunterricht, weshalb bei Pressekonferenzen neben dem Star-Trainer regelmäßig eine Dolmetscherin Platz nimmt, die die Fragen ins Italienische übersetzt. Somit hätte er die Möglichkeit, auf Italienisch zu antworten und die Dolmetscherin den Rest erledigen zu lassen. Dennoch repliziert er zumeist in (gebrochenem) Englisch und sorgt regelmäßig für skurrile Satzkonstrukte, so etwa mit „The cat is in the sack, but the sack is not closed“, als er mit Irland kurz vor dem EM-2012-Teilnahme stand.

In der Vorbereitung auf das Turnier im vergangenen Juni löste der ehemalige Salzburg-Trainer neuerlich Verblüffung unter den Reportern aus. Angesprochen darauf, dass er mit Irland noch nie gegen Italien verloren habe, meinte der „Maestro“ in englischer Sprache: „Entschuldige, aber ich drehe mich jetzt lieber um, weil ich mir die Eier kraulen muss.“ Diese Redewendung bedeutet auf Italienisch so viel wie „auf Holz klopfen“. Kurz darauf verabschiedete er sich von den verdutzten Journalisten mit folgenden Worten: „Jetzt lasst mich gehen, ich bin wie eine Kuh, die 15 Liter Milch gibt. Diesmal habt ihr mir 20 Liter abgenommen.“ Mittlerweile hat sich in Irland für Trapattonis Englisch die Bezeichnung „Trappish“ eingebürgert.

Doch nicht nur die Journalisten, auch die Spieler leiden unter Trapattonis mangelnden Englisch-Kenntnissen. In den vergangenen Monaten lag der Italiener im Clinch mit Darron Gibson (Everton), James McCarthy (Wigan), James McClean (Sunderland), Kevin Foley (Wolverhampton) oder Stephen Kelley (Reading), die sich allesamt über die schlechten Kommunikatinsmöglichkeit mit dem Nationaltrainer beschwerten.

Einer, der „Il Tedesco“ (der Deutsche) gut kennt, ist der jetzige Horn-Trainer Michael Streiter. „Ein Sir vom Scheitel bis zur Sohle“, sagt der 47-Jährige über den Italiener. In bester Erinnerung ist dem Tiroler, wie Trapattoni nach dem 1:1 mit Altach in Salzburg (2. Dezember 2006) spontan gratulierte. Später war Streiter selbst ein Mitglied des Trainerstabs in Salzburg. Eine lehrreiche Zeit, wie er heute sagt: „Die Art, wie er mit den Spielern umgeht, das hat Stil.“

Ich bin nicht Gott, spreche nicht gut englisch, selbst italienisch nicht besonders, und ich mache Fehler.

Giovanni Trapattoni