„Ich bin das schwarze Schaf“

Sport / 24.03.2013 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mark Webber trinkt lieber alleine. Der Red-Bull-Pilot ging nach dem Eklat in Sepang auf Distanz zu seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. Foto: ap
Mark Webber trinkt lieber alleine. Der Red-Bull-Pilot ging nach dem Eklat in Sepang auf Distanz zu seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. Foto: ap

Sebastian Vettel gab sich nach seinem Sieg beim Malaysia-Grand-Prix zerknirscht.

formel 1. Neue Eiszeit bei Red Bull: Ein ziemlich zerknirschter Sebastian Vettel hat für seinen ersten Saisonsieg einen hohen Preis bezahlt. Nach dem brutalen Überholmanöver gegen seinen Teamkollegen Mark Webber schmeckte der Sieg des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters beim Großen Preis von Malaysia sehr bitter. „Ich bin jetzt das schwarze Schaf“, sagte Vettel und wurde auf Englisch noch deutlicher: „Ich habe es versaut.“

Auf der Pressekonferenz schickte Webber seinem Kontrahenten immer wieder böse Blicke rüber, auch wenn Vettel versuchte, sich zu erklären. „Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen“, sagte Vettel. „Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen. Ich bin ein großes Risiko eingegangen, um ihn zu überholen.“

Entschuldigung bei Rosberg

Dass der drittplatzierte Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton sich bei seinem Teamkollegen Nico Rosberg dafür entschuldigte, dass er per Teamorder seinen Podestplatz gegen den deutlich schnelleren Kumpel behalten durfte, passte ins Bild eines unter Hochspannung stehenden Rennens, das weder vom letztlich ausgebliebenen Regen noch vom befürchteten Reifen-Roulette bestimmt wurde.

„Wenn zwei solche Alphatiere Rad an Rad fahren, hören sie auf keinen Funkspruch und gar nichts“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko. Weit weniger Verständnis hatte RTL-Experte und Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda: „Er hat mit aller Gewalt gewinnen wollen – gegen die Logik des Teams. Das war ein schwerer Fehler. Seine Entschuldigung hätte er gradliniger rüberbringen können.“

Vor allem auf Red-Bull-Teamchef Christian Horner kommt eine Menge Arbeit zu. „Sebastian hat die Dinge in die eigenen Hände genommen. Es ist sein unbedingter Wunsch gewesen, zu gewinnen. Aber manchmal ist der Wunsch des Fahrers ein anderer als der des Teams, nämlich die maximale Anzahl an Punkten zu gewinnen“, sagte Horner und kündigte an: „Das werden wir sicher noch diskutieren.“

Webber jedenfalls akzeptierte die Entschuldigung von Vettel nicht. Auf Nachfrage sagte der Australier, der in der Vergangenheit immer wieder mit Vettel aneinandergeraten war: „Ich habe in den letzten Runden über vieles nachgedacht.“ Jetzt werde er erstmal surfen gehen.

Vettel, der zum 38. Mal in seiner Karriere auf der Poleposition gestanden hatte, ging bereits in der sechsten Runde an die Box, um die Reifen zu wechseln. Ein bisschen zu früh, denn wenig später funkte Red Bull Webber an, noch ein bisschen länger draußen zu bleiben, weil die Strecke noch zu viele nasse Stellen hatte. Der Australier profitierte davon und setzte sich vor Vettel an die Spitze.

Nach dem zweiten Boxenstopp fuhr Vettel bis auf wenige Zehntelsekunden auf Webber auf und funkte: „Mark ist zu langsam. Schafft ihn mir aus dem Weg.“ Die Antwort folgte prompt: „Bleib geduldig, Sebastian. Wir haben erst Halbzeit.“

„Sei nicht verrückt“

Mit der Geduld von Vettel war es aber nach dem vierten Reifenwechsel vorbei. Nach einem harten Zweikampf am Rande der Legalität zog er in der 47. Runde vorbei. Red Bulls Design-Guru Adrian Newey raufte sich am Kommandostand die nicht vorhandenen Haare angesichts des Kampfes auf Messers Schneide. „Sei nicht verrückt“, bekam Vettel über Funk zu hören. Er „gehorchte“ und fuhr das Rennen cool nach Hause. Dann brach ein Sturm der Entrüstung über ihn herein.

Es tut mir leid. Ich werde heute nicht leicht einschlafen.

sebastian vettel

Formel 1: Weltmeisterschaft 2013 im Überblick

Sebastian Vettel
Deutschland

Red Bull

1:38:56,681/188,231 km/h

Mark Webber
Australien

Red Bull

+ 4,298

Lewis Hamilton
Großbritannien

Mercedes

+ 12,181

Nico Rosberg
Deutschland

Mercedes

+ 12,640

Felipe Massa
Brasilien

Ferrari

+ 25,648

 6. Romain Grosjean + 35,564
Frankreich/Lotus

 7. Kimi Räikkönen + 48,479
Finnland/Lotus

 8. Nico Hülkenberg + 53,044

Deutschland/Sauber

 9. Sergio Perez + 1:12,357
Mexiko/McLaren

10. Jean-Eric Vergne + 1:27,124
Frankreich/Toro Rosso