Team-Therapie für Vettel

Sport / 25.03.2013 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sieger sehen anders aus: Mark Webber und Sebastian Vettel hatten nach dem Grand Prix in Sepang nichts zu feiern. Foto: ap
Sieger sehen anders aus: Mark Webber und Sebastian Vettel hatten nach dem Grand Prix in Sepang nichts zu feiern. Foto: ap

Nach dem Sieg-Klau in Malaysia gibt es heftige Kritik am Formel-1-Weltmeister.

formel 1. In tiefer Reue will sich Sünder Sebastian Vettel nach seinem Ego-Trip von Malaysia in die Team-Therapie begeben. „Es wird bestimmt noch jede Menge Gespräche geben, denen ich mich auch stellen werde“, beteuerte der Red-Bull-Pilot, beschämt über seinen Sieg-Klau in Sepang. Mit seinem beinharten Überholmanöver gegen Stallkollegen Mark Webber hat er alte Wunden aufgerissen, die nur schwer wieder zu heilen sein werden.

Webber fühlt sich betrogen

Nach dem 27. Grand-Prix-Sieg seiner Blitzkarriere stand Vettel als Verlierer da. Und es drohen schmerzhafte Nachwirkungen. Ein Vorteil im Titelrennen ist es sicher nicht, wenn das eigene Team sein Vertrauen missbraucht sieht und der Kollege zum Intimfeind wird. Hilfe von Webber kann der WM-Spitzenreiter in den verbleibenden 17 Rennen kaum erwarten – im Gegenteil. Der 36-Jährige dürfte im letzten Vertragsjahr bei Red Bull mehr denn je seine eigene Agenda verfolgen, ohne Rücksicht auf Vettel.

Webber fühlt sich betrogen und nicht zum ersten Mal übervorteilt von seinem jungen Kollegen. „Wir haben schon eine gewisse Geschichte. Aber ich sollte jetzt lieber nichts mehr sagen“, meinte der Australier schmallippig. Seit ihrem Crash 2010 in der Türkei hat sich das Verhältnis der Red-Bull-Stars nie wieder normalisiert. Webber machte mehrfach seinem Unmut darüber Luft, dass Vettel angeblich intern bevorzugt wird.

Diesmal sprach sein Vater Alan für ihn: „Red Bull ist natürlich ein europäisches Unternehmen, sie wollen vermutlich mit einem europäischen Jungen kämpfen.“ Webber selbst hatte schon auf dem Podium geätzt, das Team werde Vettel auch diesmal schützen.

Entsetzen beim Teamchef

Ganz so einfach dürfte der Deutsche aber wohl nicht davonkommen. „Sebastian weiß, dass es falsch war. Er hat sich entschuldigt, aber wir werden uns hinsetzen und darüber reden“, sagte Teamchef Christian Horner. Noch lange war ihm das Entsetzen darüber ins Gesicht geschrieben, wie rücksichtslos sich Vettel dem Überholverbot widersetzt hatte. „Er hat sich entschieden, das zu hören, was er hören will“, erklärte Horner.

Nicht wenige fühlen sich bereits an Michael Schumacher erinnert, der auf seinem Weg zu sieben Titeln des Öfteren die guten Manieren vergaß und einmal sogar seinen Bruder Ralf Richtung Boxenmauer drängte. Siegen um jeden Preis. Gerade mal drei Wochen bleiben Vettel und Red Bull vor dem nächsten Gastspiel in China, die gewaltigen Risse zumindest notdürftig zu kitten. „Sie sind sicher keine Busenfreunde, aber die beiden haben Respekt vor einander. Mit etwas Abstand werden sie das hinter sich lassen“, fleht Horner.

Das Geschehen kann man in einem Satz umschreiben: Kasperle-Theater auf Weltniveau.

Hans-Joachim Stuck