Neue Ideen sind gefragt in Österreichs Radsport

Sport / 29.03.2013 • 20:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Matthias Brändle hofft weiter auf eine Austragung der Österreich-Rundfahrt 2013.Foto: privat
Matthias Brändle hofft weiter auf eine Austragung der Österreich-Rundfahrt 2013.
Foto: privat

Ländle-Radsportler nehmen zur möglichen Absage der Österreich-Rundfahrt Stellung.

rad. (VN-akp) Die Krise im internationalen Radsport greift auf Österreich über. Die Organisatoren der Österreich-Rundfahrt klagen über massive Schwierigkeiten, Sponsoren zu finden. Ein weiteres Problem sind die kostspieligen behördlichen Auflagen einzelner Bundesländer in Bezug auf die Absperrungs- und Sicherheitsauflagen. Nun wird eine Verkürzung des bisher achttägigen Etappenrennens auf fünf Tage in Betracht gezogen. Im schlimmsten Fall droht eine Absage der 65. Austragung vom 30. Juni bis 7. Juli.

Chance für heimische Teams

Die traditionsreichste heimische Radsportveranstaltung bot den rot-weiß-roten Mannschaften eine der wenigen Möglichkeiten, sich in einem Etappenrennen mit internationalen Teams zu messen und ihre Sponsoren auf einer großen Bühne zu präsentieren. „Vor heimischem Publikum auf österreichischen Straßen zu fahren ist jährlich ein Höhepunkt. Eine Absage würde ich sehr bedauern“, sagt der Hohenemser Radprofi Matthias Brändle, der im Vorjahr einen dritten Etappenrang verbuchte. „Wenn man daran denkt, wie viele Menschen beim Auftakt der Österreich-Rundfahrt in den Jahren 2009 bis 2011 alleine in Vorarlberg am Streckenrand gestanden sind, ist das beinahe unverständlich. Der Radsport vereint Fans aus aller Welt, die friedlich ein riesiges Sportfest feiern. Unser Sport hat in Österreich viel zu wenig Lobby“, bedauert Brändle.

Kostensparende Maßnahmen

Team-Vorarlberg-Manager Thomas Kofler hat von den Problemen der Österreich-Rundfahrt aus den Medien erfahren: „Wir wurden quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich denke, es wäre sinnvoll, dass die Organisatoren gemeinsam mit den Mannschaften ein neues Konzept entwickeln. Um Kosten zu sparen, könnte man von der Hors Kategorie auf 2.1 heruntergehen“, schlägt er vor. Die Strecke müsste dadurch nicht verändert werden und es würden weniger Start- und Preisgelder anfallen. „Ein weiterer zu überdenkender Kostenpunkt sind die zahlreichen Einladungen an ProTour-Teams. Vielleicht sollte man die Konzentration wieder stärker auf die heimischen Mannschaften legen.“

Aber gerade bei den internationalen Teams ist die Rundfahrt aufgrund der perfekten Organisation, der hochwertigen Hotels und nicht zuletzt aufgrund des guten Essens sehr beliebt. Der Termin in der ersten Juliwoche lockte schon zahlreiche Spitzenfahrer nach Österreich, die bei der gleichzeitig startenden Frankreich-Rundfahrt nicht zum Zug kamen. Klingende Namen wie die Tour-de-France-Sieger Cadel Evans (Aus) oder Carlos Sastre (Esp), Giro-d’Italia-Gewinner Denis Menchov (Rus) oder Sprint-Ass André Greipel (Ger) standen bei der Ö-Tour bereits am Start. Das herausfordernde Streckenprofil mit der legendären Bergankunft am Kitzbüheler Horn oder die Glockneretappe bieten den Profis eine ideale Vorbereitung für die Rundfahrten im Sommer und die Spanien-Rundfahrt im August.

Für die Touristiker ist die Österreich-Rundfahrt ein wichtiges Medium, Impressionen über die Landschaft und die Kultur in die Welt hinaus zu transportieren. „Ich denke schon, dass es in Österreich Radsport-interessierte Unternehmen gibt, die der Tour unter die Arme greifen wollen“, glaubt Kofler.

Die Entscheidung, ob die 65. Österreich-Rundfahrt wie geplant vom 30. Juni bis 7. Juli ausgetragen wird, fällt am 4. April in der Vorstandssitzung des österreichischen Radsportverbands in Wien.

Unser Sport hat in Österreich einfach viel zu wenig Lobby.

Matthias Brändle