Rassismus-Skandal: Özcan und Teamkollege da Costa beleidigt

Sport / 19.08.2013 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mitspieler Gunesch ­hatte nach dem 1860- Spiel die Vorwürfe öffentlich gemacht.

Fussball. Im Zuge der nun bekannt gewordenen rassistischen Beleidigungen gegen Ingolstadt-Spieler Danny da Costa am Sonntag beim Spiel in München gegen 1860 (0:1) wurde auch bekannt, dass Torhüter Ramazan Özcan beschimpft wurde. „Es ist ja nicht das erste Mal“, sagte der 29-jährige Vorarlberger auf Anfrage der VN. In München war es aber heftig, wie er selbst zugab: „Ich bin übelst beschimpft worden. Wir dürfen diesen Leuten aber einfach keine Plattform geben.“ Der Götzner mit türkischen Wurzeln, der seit fünf Jahren in Deutschland spielt, hat eigentlich seine eigene Art, mit solchen Anfeindungen fertig zu werden. „Ich hänge das nicht an die große Glocke. Ich versuche mich während der 90 Minuten voll auf das Spiel zu konzentrieren und die Leute nicht zu provozieren.“

Für Özcan ist Rassismus allerdings weit mehr als ein Kavaliersdelikt. Deshalb fordert er harte Konsequenzen gegen die Übeltäter, sofern diese ausgeforscht werden können. „Rassismus braucht weder der Fußball noch brauchen wir das in unserem täglichen Leben“, hat der ÖFB-Torhüter diesbezüglich eine klare Meinung. Und er wird noch präziser: „Für fünf Minuten Falschparken bezahle ich sofort ein Bußgeld, für das Treten von Menschenrechten wird höchstens einmal ein Stadionverbot ausgesprochen. Hierin sehe ich ein absolutes Ungleichgewicht.“

Wirklich glücklich ist „Rambo“ dennoch nicht, dass die Sache nun öffentlich ist. Zumal er als Torhüter, noch dazu mit ausländischen Wurzeln den Fans hinter dem Tor „ausgeliefert“ ist. Sein Mitspieler Ralph Gunesch hat die Vorwürfe via ­Facebook veröffentlich. „Natürlich reden wir in der Kabine über diese Sachen, vor allem, wenn es so heftig ist, wie es in München war.“ Gunesch hatte im Social Media Network geschrieben, dass ein dunkelhäutiger Mitspieler permanent mit „Scheiß N . . .“ und „Zurück in den Busch“ beschimpft worden sei. Gemeint hat er damit Ingolstadt-Verteidiger Danny da Costa. Dabei ist der Sohn eines Angolaners und einer Kongolesin in Neuss am Rhein geboren, er ist in Deutschland aufgewachsen und spielt für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. Doch am Sonntag in München zählte das für einige Zuschauer, die der Profi wütend „Vollidioten“ und „Schwachmaten“ nennt, nicht. Da ist er während des Spiels auf das Übelste rassistisch beleidigt worden.

„Mehrere Leute meinten, bei Einwürfen oder Ballkontakten Sachen wie ,Nigger‘ oder ,Schwarzes Schwein‘ in meine Richtung rufen zu müssen. Immer, wenn der Ball in meine Nähe kam, gab es Affenlaute. Das war ein Scheißgefühl“, sagte der 20-Jährige. Angesichts seiner Auftritte im deutschen Trikot zeigte er sich ganz besonders entsetzt. „Vor Kurzem habe ich noch für die U 21 auf dem Platz gestanden und die deutsche Nationalhymne gesungen – und nun muss ich mich aufs Übelste beschimpfen lassen.“

Tatverdächtiger ausgeforscht

FCI-Trainer Marco Kurz nannte die Vorfälle „Wahnsinn“ und meinte: „Das hat hier nichts zu suchen. Da müssen die Antennen hochgehen. Wir kennen die Zustände in Südeuropa, da ist es bedenklich, wenn so was passiert.“ Und die Antennen sind hochgegangen. Erste Meldungen sprechen davon, dass der Ordnungsdienst im Stadion den Tatverdächtigen dingfest gemacht hat. Er soll vom Klub 1860 München angezeigt worden sein. Ein Stadionverbot soll umgehend folgen. Zudem hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ermittlungen eingeleitet. „Löwen“-Geschäftsführer Robert Schäfer hat sich derweil schon bei da Costa entschuldigt und zugleich betont: „Bei diesem Thema haben wir null Toleranz und verurteilen das auf das Schärfste.“