Weg aus der Katar-Falle

Sport / 03.10.2013 • 22:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
FIFA-Chef Joseph S. Blatter mit Katars Fußball-Präsident Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed al-Thani. Bild unten: Michel Platini. Fotos: ap/2
FIFA-Chef Joseph S. Blatter mit Katars Fußball-Präsident Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed al-Thani. Bild unten: Michel Platini. Fotos: ap/2

Fußball-Weltverband FIFA diskutiert Konsequenzen nach neuen Enthüllungen aus dem WM-Gastgeberland.

Fussball. Schon oft musste Joseph S. Blatter als WM-Krisenmanager ran. Sein Projekt Südafrika 2010 brachte der FIFA-Präsident mit viel Einsatz gut über die Bühne. Für Brasilien 2014 muss sich der Schweizer nach den Unruhen beim Confed Cup auch wieder wappnen. Nichts dürfte aber so kompliziert sein wie die Lösung des Katar-Konflikts. Das extrem umstrittene Turnier 2022 am Golf beschäftigt das FIFA-Exekutivkomitee. Laut Tagesordnung geht es um die Terminfrage, sprich Sommer- oder Winter-WM. Die Probleme sind vielschichtiger und führen bis zur Frage, wie lange Blatter noch im Amt sein wird.

Verdacht: Als Joseph Blatter am 2. Dezember 2010 den Zettel mit der Aufschrift Katar aus dem Umschlag zog, war nicht nur der FIFA-Chef überrascht. 14 von 22 stimmberechtigten Exekutivmitgliedern hatten für den Golfstaat votiert, obwohl dieser vorab die schlechtesten Bewertungen bekommen hatte. Rasch wurde über Bestechung und Betrug spekuliert, steht der Name Katar im Weltfußball doch für scheinbar unerschöpfliche Geldquellen. Neun der 22 Exko-Mitglieder von damals sind nicht mehr im Amt, nur wenige verließen das Gremium wie Franz Beckenbauer freiwillig und ohne Korruptionsvorwürfe. Die Untersuchungen von FIFA-Chefermittler Michael Garcia laufen weiter. Sein Bericht verzögert sich mindestens bis ­April 2014.

Termin: Franz Beckenbauer war der Erste, der öffentlich warnte. Michel Platini zog wenig später nach. Blatter brauchte fast drei Jahre, um auf die Winter-Option einzuschwenken. Dabei waren die Probleme lange bekannt. „Sehr heiße, sonnige und trockene Sommer“, „Vorkehrungen sind zu treffen“, so stand es im Katar-Bericht der WM-Evaluierer vor der Abstimmung. Diese Warnungen wurden von der Mehrheit des FIFA-Exkos ignoriert, das Problem muss nun gelöst werden. Die Sommervariante ist wegen der hohen Temperaturen praktisch vom Tisch, auch wenn die WM-Organisatoren ihre Stadion-Kühltechnik später politisch korrekt für Ernährungs- und Wassernutzungsprogramme einsetzen wollen. Alle Wintertermine, ob nun im Jänner oder November/Dezember 2022, sind extrem umstritten. Blatter plädiert für Letzeren, um einen Konflikt mit dem IOC wegen der Olympischen Winterspiele 2022 zu vermeiden. Größter Winter-WM-Gegner ist England, das auf den traditionellen Spieltag am Boxing Day (26. Dezember) verzichten müsste.

Menschenrechte: Ein Bericht schockierte in der Vorwoche die Fußball-Welt. 44 nepalesische Gastarbeiter sollen auf Baustellen in Katar gestorben sein, nicht durch Unfälle, sondern wegen unzumutbarer Bedingungen in glühender Hitze, berichtete die englische Zeitung „The Guardian“. Selbstverständlich wurde schnell die Frage gestellt, ob ein Land, in dem ein Menschenleben wenig Wert zu haben scheint, der geeignete WM-Gastgeber sein kann. Internationale Gewerkschafter und Menschenrechtler protestierten heftig. Die FIFA gab sich bestürzt, wollte vor schnellen Reaktionen aber zwecks Aufklärung den Kontakt zu den Katarern suchen. Dem Weltverband bescheren die Berichte in jedem Fall schon wieder ein moralisches Problem.

Machtkampf: Krisen sind am besten zu lösen, wenn alle Protagonisten an einem Strang ziehen. Davon ist die FIFA weit entfernt. Bei allen Themen schwelt schon jetzt der Machtkampf zwischen Blatter und Platini um den FIFA-Präsidententhron. Amtsinhaber Blatter hat über die notwendigen Reformprozesse seine Ankündigung verdrängt, 2015 nicht mehr antreten zu wollen. Offenbar will er unbedingt seinen einstigen Kompagnon Platini im Amt verhindern. Kurz vor der WM 2014 will sich Blatter dazu äußern, Platini erst danach. Der Status quo führt zu teilweise skurrilen Situationen. So suggerierte Blatter kürzlich, dass es bei der Katar-Wahl politischen Einfluss gegeben habe, und beschädigte damit die WM weiter – aber vor allem Platini. Von dem UEFA-Chef ist bekannt, dass er kurz vor der Abstimmung vom damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in den Élysée-Palast geladen war. Mit am Tisch saß Scheich Hamad al-Thani, der Emir

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Katar.

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Platini über England

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