Genialer Fußballer oder doch ein Krawallbruder

Sport / 09.10.2013 • 22:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nicht nur Fußballer wie Zlatan Ibrahimovic, sondern viele verdiente Sportler hat die Stadt Malmö im „Walk of Fame“ verewigt.Adam/3, aps
Nicht nur Fußballer wie Zlatan Ibrahimovic, sondern viele verdiente Sportler hat die Stadt Malmö im „Walk of Fame“ verewigt.
Adam/3, aps

Es gibt kaum einen Schweden, der so polarisiert wie Zlatan Ibrahimovic.

Fussball. Sein Konterfei ziert die einschlägigen Sportzeitungen, seine Zitate beschäftigen die TV-Kommentatoren – er ist die Hoffnung einer gesamten Fußball-Nation. Im Gegensatz zum rot-weiß-roten Kollektiv ist Schwedens Fußball-Elf ganz und gar von seinem Starspieler abhängig. Zlatan Ibrahimovic ist im Vorfeld der Partie am Freitag gegen Österreich allgegenwärtig.

In Gesprächen in Stockholm wird deutlich: Egal, ob man ihn mag oder nicht, Ibrahimovic polarisiert. Der Schwede mit bosnischen Wurzeln, der vor sieben Tagen seinen 32. Geburtstag gefeiert hat, ist alles, nur nicht Mittelmaß. „Man sagt normalerweise, dass man vor seinem Tod nicht zu einer Legende werden kann. Aber ich bin eine lebende Legende, zumindest in Malmö“, ließ der Stürmer alle wissen, als sein Name vor der „Swedbank“-Arena in Malmö in den „Walk of Fame“ gemeißelt wurde. Und seine Landsleute haben kapiert. Für ihren Traum – WM in Brasilien – führt kein Weg an ihm vorbei.

Als Fußballer gilt Ibrahimovic noch heute gleichermaßen als genial und zugleich link. Der Stürmer hat in seiner Jugend gelernt, sich durchzuboxen. Das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sohn einer Einwandererfamilie aus dem ehemaligen Jugoslawien hat nicht nur mit Boxhandschuhen zugeschlagen, sondern jugendliche Konflikte schon mal mit den Fäusten ausgetragen. Seine ehemalige Schulleiterin soll seine Zukunft als nicht rosig vorausgesagt haben. Sie bezeichnete ihn als typischen „Krawallbruder“.

Sein Vater Sefik aber hatte da schon andere Pläne im Kopf. Er war es, der den jungen „Ibro“ zum Fußballspielen brachte, er hat an ihn geglaubt – und nach dem Wechsel des Sohnes von Malmö nach Amsterdam ist er zu jedem Heimspiel von Ajax gefahren: Mit dem Auto von Schweden in die Niederlande. Das war vor zwölf Jahren – und die Rechnung des ehmaligen Hausmeisters ist aufgegangen: Sein Sohn schoss Tor um Tor und stieg in die Weltelite des Fußballs und gar zum bestbezahlten Kicker auf.

Gepflegt hat Ibrahimovic in all den Jahren bei Großklubs wie Ajax, Juventus, Inter, Barcelona, Milan und Paris SG weiterhin sein Ego und zuweilen auch sein rüpelhaftes Benehmen. Davon können auch Schwedens Fußball-Funktionäre ein Lied singen. Der Verband sperrte seinen Star kurzfristig im Jahr 2006, nachdem er zusammen mit zwei Teamkollegen – u. a. Olof Mellberg, der nun mit Georg Margreitter beim FC Kopenhagen spielt – vor dem EM-Quali-Spiel in Liechtenstein das Hotel verließ und einen Nachtklub besuchte. Daraufhin waren die Spieler nach Hause geschickt worden. Sie akzeptierten diese Strafe, nur Ibrahimovic fühlte sich ungerecht behandelt. Erst 2007 wurde er wieder dem Team, mit dem Spitznamen „blågult“ einverleibt. Seine Worte „Ihr könnt mich mit niemanden vergleichen“ haben damit eine doppelte ­Bedeutung. Als Fußballer aber hat er einer Generation junger Migranten Hoffnung gegeben. „Ibro“ ist für viele ein Vorbild. Nicht zuletzt auch für Österreichs Marko Arnautovic, der als Jugendlicher nicht selten mit dem heißblütigen Schweden verglichen wurde. „Das ist nicht zulässig“, sagt der 24-jährige ÖFB-Stürmer, verrät allerdings, sich einiges von Ibrahimovic abgeschaut zu haben. Was? Das bleibt sein Geheimnis.

Zumindest nie langweilig

In Schweden indes, im Land mit der großen Solidar­gemeinschaft, tun sich viele nicht leicht mit dem Exzentriker. Wohl wissend, dass das fußballerische Glück morgen von „Zlatan den Großen“ abhängt. Egal wie, das ­Großmaul wird unabhängig des Ergebnisses nicht kleinlaut werden. Denn Langeweile gibt es mit Ibrahimovic nicht.

„Deshalb gewinnen wir“ titelt der schwedische „Expressen“.
„Deshalb gewinnen wir“ titelt der schwedische „Expressen“.
Blaue Streifen weisen den Weg beim „Walk of Fame“ in Malmö.
Blaue Streifen weisen den Weg beim „Walk of Fame“ in Malmö.

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