Folgen des Phantomtors

Sport / 20.10.2013 • 22:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

19 Jahre nach dem Fall „Helmer“ hat ein Tor, das keines war, wieder für Aufregung gesorgt.

Fussball. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird sich mit dem Phantomtor von Stefan Kießling beschäftigen – und der Weltverband FIFA. Derweil er hitzt der Treffer des Leverkusen-Stürmers in Hoffenheim die Gemüter. Hoffenheim hat gegen die Wertung Protest eingelegt und fordert ein Wiederholungsspiel. Der Fall dürfte ein weiteres starkes Argument für die Torlinientechnik sein. Fragen und Antworten:

Was ist vorgefallen? In der 70. Minute köpfte Kießling den Ball ans Außennetz. Durch ein Loch im Netz gelangte der Ball aber ins Tor. SR Felix Brych entschied auf Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 für Bayer. Erst einige Minuten später, als die Hoffenheimer Ersatzspieler um Sebastian Rudy den Referee auf das Loch im Netz hingewiesen hatten, wurde Brych bewusst, dass der Ball nicht regelkonform im Tor gelandet war.

Hätte der Referee die Entscheidung im weiteren Verlauf revidieren können? Nein. Brych hätte seine Entscheidung nur bis zum Anstoß nach dem vermeintlichen Tor ändern können. Sobald das Spiel fortgesetzt wird, gilt die Tatsachenentscheidung. Das besagt Regel Nummer fünf aus dem Fußballregeln 2013/14: „Die Entscheidung des Schiedsrichters zu spielrelevanten Tatsachen ist endgültig.“

Was sagen die Beteiligten? Kießling bekräftigte, dass er die Situation nicht genau mitbekommen habe. Brych betonte nach dem Spiele, dass er in dieser Szene leichte Zweifel gehabt habe, ein kurzes Gespräch mit Kießling brachte ihn nicht weiter.

Wen trifft die Schuld? SR-Assistent Stefan Lupp hatte noch in der Halbzeit das Tornetz kontrolliert. Ihm war das Loch im Netz nicht aufgefallen. Grundsätzlich ist der gastgebende Verein für die korrekte Ausstattung des Spielfeldes zuständig. Der Platzwart war noch während des Spiels zum Tor geeilt und hatte nach dem Phantomtor einen Knoten an der Stelle gemacht – zu spät.

Gibt es ähnliche Fälle im deutschen Fußball? Das berühmteste Phantom-Tor erzielte Thomas Helmer am 23. April 1994. Beim Spiel des FC Bayern gegen Nürnberg (2:1) hatte er den Ball mit der Hacke am Tor vorbeigelenkt. Der SR entschied auf Tor für die Münchner. Nürnberg legte erfolgreich Einspruch ein, das Wiederholungsspiel gewannen die Münchner 5:0. Noch ähnlicher war der Fall beim Zweitliga-Match am 21. Oktober 1978 zwischen Neunkirchen und den Stuttgarter Kickers (4:3). Damals erkannte der Unparteiische auf ein Tor der Saarländer, obwohl der Ball durch ein Loch im Seitennetz in das Tor gelangt war. Nach dem Einspruch der Stuttgarter und der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht wurde der TV-Beweis zugelassen und das Spiel wiederholt.

Hätte die Torlinientechnik, die bei der WM 2014 zum Einsatz kommt, die Fehlentscheidung verhindert? Ja. Das System von GoalControl, das bereits beim Confederations Cup 2013 erfolgreich getestet worden war, beruht auf einer dreidimensionalen Kontrolle des Balls durch insgesamt 14 Kameras, die auf die beiden Tore gerichtet sind. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter. Dies wäre im Fall Kießling nicht erfolgt.

Wann wir die Torlinientechnik in Deutschland eingeführt? Frühestens, wenn überhaupt, 2014/15. UEFA-Präsident Michel Platini ist allerdings gegen die Torlinientechnologie und bevorzugt die Torrichter.

Gibt es ein Wiederholungsspiel? Hoffenheim hat Einspruch gegen die Wertung eingelegt. Das DFB-Sportgericht wird sich mit dem Fall beschäftigen. Eine Entscheidung steht aber unter dem Vorbehalt der Abstimmung mit dem Weltverband FIFA.

Können nur 22 Minuten in einem Wiederholungsspiel gespielt werden und kann Leverkusen dann mit einem 1:0-Vorsprung starten? In Italien und Spanien gab es solche Fälle schon, in der DFB-Satzung ist so etwas nicht vorgesehen.

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