„Musi“ spielt im Ländle

Sport / 23.10.2013 • 21:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Torjubel einmal anders: „Da legst dich nieder“ – Felix Roth und Andreas Lienhart (vorne) bejubeln Altachs dritten Treffer gegen St. Pölten: GEPA
Torjubel einmal anders: „Da legst dich nieder“ – Felix Roth und Andreas Lienhart (vorne) bejubeln Altachs dritten Treffer gegen St. Pölten: GEPA

Die Doppelführung durch Altach und Aus­tria basiert für Orie klar auf dem Faktor Zeit.

Fußball. Er war Vorarlbergs Trainer des Jahres 2007, war Coach des Jahres in Liechtenstein (2010) und ist Besitzer der UEFA-Pro-Lizenz. Für die VN analysiert Eric Orie die laufende Erste-Liga-Saison, angesichts der Doppelführung von Cashpoint Altach vor Austria Lustenau eine angenehme Sache. „Die Musi spielt im Ländle“, schmunzelt deshalb der 45-Jährige. So einfach es sich vielleicht anhören mag, so akribisch genau geht der Niederländer den Ursachen auf den Grund. Dass er von den Serien der Austria – elf Ligaspiele unbesiegt – und Altach (seit einem Jahr ohne Heimniederlage) beeindruckt ist, verhehlt er nicht. Wichtigste Punkte für Orie sind diesbezüglich der Zeitfaktor und das Vertrauen in die eigene Arbeit. Sein Urteil:

„Was in Altach schon im Winter begonnen hat, wurde in Lustenau über den Sommer hinweg schnell umgesetzt. Für mich doch ein wenig überraschend schnell und positiv. Altach hatte in Sachen Teambuildung schon ein halbes Jahr Vorsprung. Mit der Verpflichtung von Damir Canadi als Trainer im Winter ist der Grundstein zu einer neuen Einheit gelegt worden. Das Team steht bei ihm an erster Stelle, der Zusammenhalt ist ihm genauso wichtig wie die Erkenntnis für die Spieler, dass der Konkurrenzkampf etwas Belebendes sein kann. Canadi hat im Frühjahr die ersten Zeichen gesetzt und zusammen mit Sportchef Georg Zellhofer im Sommer auch in der Kaderplanung die richtigen Schritte unternommen.

In Lustenau war das anders. Nach dem Frühjahr kam der Schnitt: Spieler kamen, wurden getestet, gingen – oder blieben. Zuletzt in Horn standen nur noch drei Akteure der Vorsaison – Christoph Stückler, Patrick Salomon und Thiago – in der Anfangself. Deshalb kann die Arbeit des Trainerteams nicht genug gewürdigt werden. In dieser kurzen Zeit die Mannschaft zu einer solchen Einheit zu formen, ist bemerkenswert. Zeit ist noch immer der wichtigste Faktor für einen Trainer, doch gerade damit haben viele Klubchefs ihre Probleme. Auch Helgi Kolvidsson musste viel Kritik einstecken. In meinen Gesprächen mit ihm habe ich aber auch bemerkt, dass ihn die schwere Zeit geformt und weitergebracht hat. Er hat die richtigen Schlüsse gezogen und die notwendigen Schritte eingeleitet.

Eine zentrale Figur bei der Austria ist für mich diesbezüglich Thiago de Lima Silva. Nicht nur als Torjäger ist der Brasilianer unersetzlich, auch seine soziale Komponente ist extrem wichtig für das Team. Thiago war es, der sich eines Jailson oder eines Galvão angenommen hat. Er spielt bei der Integration der Ausländer eine wirklich wichtige Rolle. Ich kenne das aus meiner Zeit beim FC Lustenau. Wir hatten ebenfalls immer viele Brasilianer in der Mannschaft. Hervorragende Einzelspieler, doch der wichtigste war für mich immer Marquinhos. Er war derjenige, der die Kollegen unterstützt hat, der sich um sie gekümmert hat, ihnen geholfen hat, sich zu integrieren. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Gerade für Spieler aus Brasilien ist das Umfeld wichtig. Diesbezüglich ist Thiago unersetzbar. Er kennt die brasilianische Gemeinde im Ländle, er trägt viel zum Wohlbefinden der Kollegen bei. Und man hat gesehen: Funktionieren die Ausländer, dann funktioniert die Austria.

Lustenau also hat schnell gelernt und Boden gutgemacht. Für die Fans und mich als Beobachter der Liga konnte nichts Besseres passieren. Ein Titelduell zwischen Altach und der Austria ist das Beste, was dem heimischen Fußball passieren kann. Dass ich noch immer leichte Vorteile bei Alt-ach sehe, hat vor allem damit zu tun, dass der Kader des Tabellenführers in der Breite ausgeglichener ist als jener der Austria. Die Hauptsache aber ist doch: Die Musi spielt im Ländle.“

Trainer Helgi Kolvidsson (r.) mit Thiago de Lima Silva. Foto: Steurer
Trainer Helgi Kolvidsson (r.) mit Thiago de Lima Silva. Foto: Steurer

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