Das „Phantomtor“ wird nun Realität

Sport / 28.10.2013 • 22:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Leverkusen-Stürmer Stefan Kießling (M.) mit Sportdirektor Rudi Völler (r.) und Klub-Anwalt Michael Schade. Foto: Reuters
Leverkusen-Stürmer Stefan Kießling (M.) mit Sportdirektor Rudi Völler (r.) und Klub-Anwalt Michael Schade. Foto: Reuters

Rudi Völler fühlte sich nicht als Sieger, der Richter sah gar alle als Verlierer.

Fussball. Nachdem aus dem Phantomtor von Stefan Kießling ein realer Treffer ganz im Geiste des Regelwerks geworden war, suchte man vergeblich nach lachenden Gesichtern in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Als Richter wende ich nur die Gesetze an.“ Mit diesen Worten kommentierte der Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz sein eigenes Urteil.

Kurz zuvor hatte der 62-Jährige entschieden, dass das Bundesligaspiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer 04 Leverkusen (1:2) nicht wiederholt wird. Damit vermied das Gericht unter Leitung von Lorenz („In so einem Fall sehen alle schlecht aus – der Schiedsrichter, die Hoffenheimer, die Leverkusener, Stefan Kießling und die Sportgerichtsbarkeit“) nach einer 83 Minuten dauernden Verhandlung die Konfrontation mit dem Weltverband FIFA. „Die Frage ist nicht, ob uns das Urteil unter sportlichen Gesichtspunkten gefällt oder nicht. Unter rechtlichen Gesichtspunkten gibt es aber keine Alternative“, sagte Lorenz zur Begründung seines Richterspruchs: „Es gibt keine Grundlage für den Einspruch. Die Tatsachenentscheidung war zwar falsch, ist aber unumstößlich. Die falsche Tatsachenentscheidung gehört zum System.“

Das Gericht musste die Frage klären, ob es das Punktspiel vom 18. Oktober neu ansetzt oder nicht. Die Hoffenheimer hatten Einspruch gegen die Wertung der Partie eingelegt, weil der von SR Felix Brych anerkannte Treffer des Leverkuseners Kießling (70.) eigentlich keiner war. Der Kopfball des Angreifers war durch ein Loch im Netz ins Tor gegangen.

Die FIFA hatte im Vorfeld erklärt, dass für sie nach wie vor die Tatsachenentscheidung eines der höchsten Güter ist. Der Weltverband muss dem Sportgerichts-Urteil zustimmen, bevor es rechtskräftig wird. Hoffenheim will über eine Berufung beraten.

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