Abschiedstour beginnt zu Hause

03.02.2014 • 19:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bernd Friede wird am Saisonende seine aktive Karriere beenden. Foto: gepa
Bernd Friede wird am Saisonende seine aktive Karriere beenden. Foto: gepa

Alpla-HC-Hard-Urgestein Bernd Friede beendet am Saisonende seine aktive Karriere.

Handball. (VN-jd) Wenn die Spieler des Alpla HC Hard heute (19 Uhr) in der Ballsporthalle in Klagenfurt-Viktring aufs Parkett laufen, steht ein Akteur besonders im Rampenlicht. Bernd Friede startet mit der ÖHB-Cup-Viertelfinalpartie gegen seinen Stammverein seine Abschiedstour. Ende der Saison wird der am 18. Februar 34 Jahre alt Werdende die Handballschuhe an den Nagel hängen.

Vor 15 Jahren, im Sommer 1999, war der Kärntner Bua aufgebrochen, um die große Handballbühne zu erobern. Eigentlich wollte der gebürtige Klagenfurter aus Studiengründen zu St. Pölten wechseln. Nachdem die Niederösterreicher aber im letzten Moment Konkurs anmelden mussten, verschlug es Friede nach Hard. „Rückblickend betrachtet war das Aus in St. Pölten ein absoluter Glücksfall für mich“, so Friede, der nach eigenen Angaben eigentlich nur ein bis zwei Saisonen in Hard spielen wollte. In der Zwischenzeit ist er seit 15 Jahren im Ländle und Hard ist mehr als nur eine zweite Heimat für den Klagenfurter geworden.

Parallel zu seinem sportlichen Werdegang bei den „Roten Teufeln“ vom Bodensee hat Friede, der im Jänner 2000 sein Debüt im Männerteam feierte, aber seine berufliche Ausbildung nie außer Acht gelassen. Friede wollte sich nie ausschließlich auf seine Qualitäten im Handball verlassen und schloss im Herbst 2005 sein Studium für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Innsbruck erfolgreich ab.

Parallel zum Studienabschluss erfolgte der Einstieg ins Berufsleben. Sieben Jahre leitete Friede die Abteilung Rechnungswesen Österreich bei Hard-Sponsor Alpla. Wie wertvoll eine fundierte Ausbildung für einen Sportler ist, zeigte sich im Mai 2007. Eine Thrombose der Arterie an der rechten Wurfhand zwang „Pax“ zu einer achtmonatigen Pause und hinter dem sportlichen Werdegang stand ein großes Fragezeichen. „Diese Zeit war aus psychischer Sicht sicher die schwierigste Phase meines Lebens. Der Gedanke, den Zeitpunkt des Endes meiner aktiven Karriere nicht selbst bestimmen zu können, hat ordentlich an meinem Ego gekratzt.“

Comeback im Nationalteam

Die Doppelbelastung von Sport und Beruf war für Friede nie ein echte Belastung und nach konstant starken Leistungen kam es, dass ihn ÖHB-Teamchef Dagur Sigurdsson in Blickrichtung Heim-EM 2010 vier Jahre nach seinem letzten Länderspiel zu einem Comeback überzeugen konnte. „Eine Teilnahme an einer EM- bzw. WM-Endrunde war immer ein sportlicher Traum von mir. Für Österreich zu spielen, war stets eine große Ehre und deshalb habe ich zugesagt.“

Nach der Heim-EM 2010 bzw. der WM-Endrunde in Schweden 2011 war dann aber Schluss. „Obwohl ich keine Sekunde im Team missen möchte, war letzten Endes der Aufwand zu enorm. Mein Dank gebührt meinem damaligen Arbeitgeber, der mir diese Chance ermöglicht hat.“

Glücksmomente am Fließband

2012 war dann aus emotionaler Sicht das Jahr der Superlative. Zunächst der Gewinn des zweiten HLA-Titels nach 2003 im Trikot der „Roten Teufel“, anschließend nach zehn Jahren wilder Ehe die Hochzeit und dann die Wahl zum Handballer des Jahres. „So viele Glücksmomente innert weniger Wochen sind für jeden Menschen schon etwas ganz Besonderes.“

In den letzten vier Monaten seiner aktiven Karriere will der Rechtshänder noch einmal alle Kräfte mobilisieren und würde sich gerne mit einem Titel in die „Sportpension“ verabschieden. „Es wird sicher kein einfaches Unterfangen, doch ich werde alles dafür geben.“ Gewaltigen Respekt zeigt Friede vor dem Moment des Endes: „Der Handballsport hat mein Leben über viele Jahre geprägt und war ein Teil von mir. Die Entscheidung, aufzuhören ist in den Weihnachtsfeiertagen in mir gereift. Meine Frau wollte es zu Beginn gar nicht glauben. Doch ich freue mich auf die Zeit, in der ich nicht mehr jeden Morgen die Sporttasche packen muss. Es erwartet mich ein spannender Lebensabschnitt, in dem ich Dinge tun kann, die in den letzten Jahren nicht möglich waren oder zu kurz gekommen sind.“

Für mich war immer wichtig, den Zeitpunkt des Karriereendes selbst bestimmen zu können.

Bernd Friede
„Pax“ bei einem seiner ersten Spiele in Hard.
„Pax“ bei einem seiner ersten Spiele in Hard.

Zur Person

Bernd Friede

Ist mit 193 Derby- und 175 Europacuptreffern der erfolgreichste Harder Torschütze.

Geboren: 18. Februar 1980

Familie: verheiratet mit Lisi (August 2012)

Ausbildung: Matura, Studium Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Uni Innsbruck

Beruf: Leiter Finanz- und Rechnungswesen Firma Weirather Wenzel & Partner (WWP)

Sportliche Erfolge: HLA-Meister 2003, 2012 und 2013 (mit dem Alpla HC Hard),
9. Rang EM 2010, 18. Rang WM 2011

Länderspiele: Insgesamt 62 A-Länderspiele und 114 Tore; Debüt am 12. Jänner 2000 in Varna (Bulgarien – Österreich 23:23), letztes Spiel am 8. Juni 2011 in Innsbruck (Österreich – Deutschland 20:28)

Stationen als Spieler: bis 1999 HC Kärnten, 1999 bis 2008 Alpla HC Hard, 2008 bis 2010 TSV Otmar St. Gallen, seit 2010 wieder Alpla HC Hard