Der Motor-Virus ist geblieben

02.03.2014 • 19:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Bild aus vergangenen Tagen. So kannten die Vorarlberger die Rennfahrerin Osmunde Dolischka. Foto: Noger
Ein Bild aus vergangenen Tagen. So kannten die Vorarlberger die Rennfahrerin Osmunde Dolischka. Foto: Noger

Ex-Motorsportlerin Osmunde Dolischka betreibt heute u. a. eine Kart-Firma.

Motorsport. Kurz vor Christian Klien war die ebenfalls aus Hohenems stammende Osmunde Dolischka Vorarlbergs Aushängeschild in Sachen Motorsport. Die „Rennlady“ war nicht nur attraktiv, sondern auch noch verdammt schnell, ein wirklicher „Männerschreck“: 1993 deklassierte sie im Kart sämtliche männlichen Gegner und wurde als erste und bislang einzige Frau Vorarlberger Kart-Landesmeister! Zwei Jahre später schrieb die damals mit Abstand schnellste Frau im österreichischen Motorsport erneut Geschichte: In Zeltweg gewann sie auf dem Österreichring gleich das Saisonauftaktrennen in der nationalen Formel-Ford-Rennwagenmeisterschaft! Am Ö-Ring hatte noch nie zuvor eine Frau mit einem Formel-Rennwagen gewonnen. Den wohl größten Erfolg feierte das „Gas-Girl“ 1998, als sie Gesamtdritte im Austria-Formel-3-Cup wurde.

Kontakt mit Peter Sauber

Osmunde Dolischka rückblickend: „Damals hatte es nach dieser tollen Saison einen losen Kontakt mit Formel-1-Teamchef Peter Sauber gegeben und ich bekam ein Angebot von einem Formel-3000-Team. Mein damaliger Sponsor Fujitsu-Siemens wollte richtig Geld in die Hand nehmen, doch das hat sich dann leider alles zerschlagen, weil eine Gegnerin (die Niederösterreicherin Claudia Steffek, Anm. d. Red.) dazwischengefunkt hat. Das war damals eine richtig ungute Situation.“

Osmunde bestritt dann 1999 noch einige Rennen im VW-Beetle-Cup und in einem Porsche 993 einige GT3-Langstreckenrennen. Als ihr Sponsor-Chef tödlich verunglückte, hängte sie den Rennhelm aber an den Nagel.

„Parkgebühr“ im Garten Eden

Erst 2007 konnte sie einer Versuchung nicht wiederstehen: Dolischka gab ein Comeback, jedoch nicht auf der Rundstrecke, sondern im Rallyesport. Ihre erste ÖM-Rallye blieb aber ihre letzte: Bei der Ostarrichi-Rallye verunfallte sie samt Beifahrerin mit ihrem Golf TDI aus dem VW-Rallye-Team-Austria

gleich in der ersten Sonderprüfung schwer. Osmunde rutschte über einen Kanaldeckel, rasierte einen Gartenzaun nieder und stellte ihren Boliden im Vorgarten eines kleinen Hauses der Familie Eden (Paradies) im gepflegten Gartenrasen ab … „Da ich damals eine dreijährige Tochter hatte und ich durch den Unfall sofort verstand, dass der Rallyesport nicht mein Ding war, habe ich endgültig einen Schlussstrich unter meine aktive Karriere gezogen.“

Heute mehrere Standbeine

Was ist heute aus der schnellen Rennamazone geworden? Vor gut einem Jahrzehnt übersiedelte Dolischka nach Wien, jobbte als ÖAMTC-Fahrinstruktorin in Teesdorf. In Wien lernte sie ihren heutigen Lebenspartner Martin Müllner kennen. 2004 kam Tochter Jorden auf die Welt. Schon im Jahr 2000 konnte Osmunde ihren Partner überreden, gemeinsam eine eigene Kart-Firma – die „Kart-Division Müllner KEG“ – zu gründen. Osmunde: „Wir vermieten Leihkarts an ­Firmen, organisieren die Team-Kart-Staatsmeisterschaft im Sommer und veranstalten Kartrennen in diversen Indoor-Karthallen in Wien im Winter.“ Hauptberuflich arbeitet Osmunde im Autohaus MVC-Motors in Wien als Kundenberaterin. Als drittes Standbein hat sich die seit ihrer aktiven Karriere in ihrem Äusseren kaum veränderte – dafür aber mittlerweile mit einem leichten Wiener Akzent sprechende – Dolischka als OSK-Sportkommissarin bei Kartrennen abgesichert.

Renngene vom Opa geerbt

Hat Osmunde Heimweh? „Doch, ja sehr sogar“, gesteht die mittlerweile bald 41-Jährige. „Jede Ferien und alle Urlaube komme ich nach Hohenems. Über Weihnachten und Neujahr sowieso, dann ist auch Skifahren angesagt.“

Im Vorjahr begann Tochter Jorden in der Kategorie Micro erfolgreich mit Kart-Rennen. Schon Opa Josef Dolischka war ein Tourenwagen-Rennfahrer. Wen wundert es also, dass die neunjährige Jorden ebenfalls Benzin im Blut hat? Osmunde: „Papa war schon früher mein Coach und bei fast jedem Rennen mit dabei. Er reist für die Rennen von Jorden extra aus dem Ländle an, stellt das Kart ein, zeigt ihr alle Tricks, fiebert mit. Es ist beinahe so wie zu meiner aktiven Zeit . . .“

Durch die Rennen meiner Tochter und unsere Kart-Firma bleibe ich dem Motorsport erhalten.

Osmunde Dolischka
Osmunde Dolischka mit ihrer Tochter Jorden. Foto: Noger
Osmunde Dolischka mit ihrer Tochter Jorden. Foto: Noger

Zur Person

Osmunde Dolischka

Schon Opa Josef Dolischka war als Tourenwagen-Rennfahrer im Motorsport tätig.

Geboren: 13. Jänner 1973 in Hohenems

Wohnort: Wien

Familienstand: In Partnerschaft, eine Tochter (Jorden)

Beruf: Autohaus-Kundenberaterin, Kauffrau und OSK-Sportkommissarin

Hobbys: Lesen, Skifahren, Inlineskaten, Tennis