Kleiner, elitärer Favoritenkreis

Sport / 04.06.2014 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Schweizer Albert Schiess zählt auf seinem Kat „Holy Smoke“ zu den Favoriten bei der 64. Auflage der Rundum. Foto: jürg kaufmann
Der Schweizer Albert Schiess zählt auf seinem Kat „Holy Smoke“ zu den Favoriten bei der 64. Auflage der Rundum. Foto: jürg kaufmann

Eine Libera und drei Katamarane bei der 64. Rundum-Langstrecken-Regatta am Start.

segeln. (VN-HT) Zur 64. Auflage der Rundum-Langstreckenregatta am 20. Juni treten wiederum die üblichen Verdächtigen an. Obwohl Wettfahrtleiter Hubert Henzler ausdrücklich betont, dass dem veranstaltenden Lindauer Segler-Club die vielen Hobbysegler den wichtigsten Teil dieser Großregatta ausmachen, geht es doch darum, welches Schiff zuerst im Ziel ankommt und damit das Blaue Band gewinnt. Dieser Kreis ist sehr klein. Schade finden die Veranstalter, dass sich die Segelklassen immer mehr reduzieren. Die würdigen Pioniere wie die 75er bringen keine Gruppe mehr zusammen – erst ab fünf Meldungen kann nämlich eine Wertungsklasse gebildet werden.

Auch der Hype der vergangenen Jahre um die Liberas hat sich gelegt. Nur mehr die „Raffica“ aus Ungarn reist an, sie gewann 2009 das Blaue Band. Vorjahrssieger Ralph Schatz hat seine „Black Jack“ verkauft und segelt wieder auf einem konventionellen Schiff. Der Schweizer Albert Schiess, Sieger von 2011, wird alles versuchen, auf seinem Kat „Holy Smoke“ wieder zu gewinnen. In mehreren Regatten in diesem Frühjahr bewies er bereits als erstes Schiff im Ziel, dass er sehr schnell ist. Auch die Crew um Steuermann Michael Seifarth geht mit einem extrem schnellen Kat „Vitanas“ vom Bautyp SAY 30 ins Rennen. Ihnen ist ein Sieg genauso zuzutrauen wie dem Vorarlberger Fritz Trippolt, der im Vorjahr, klar in Führung liegend, nach Materialbruch schwer kenterte.

Verflixte Technik

Trippolt reparierte seine Skinfit wieder und tüftelt schon seit Wochen an der Form neuer Foils, deren Wirkung vor allem an den Americas Cuppern spektakulär zu beobachten war. Ab einem gewissen Tempo wird durch diese gebogen geformten Schwerter das ganze Schiff aus dem Wasser gehoben, was einen enormen Geschwindigkeitsschub auslöst. „Hydrodynamisch funktioniert unsere Konstruktion zwar schon, aber es mangelte an der Festigkeit“, berichtete Trippolt. Bei einer Richtungsänderung wirkt auf diese Teile großer Druck, dem sie bei einer Trainingsfahrt nicht standhielten. „Es bleibt uns nichts übrig, als mit üblichen Schwertern zu fahren, die Zeit reicht nicht mehr“, bedauert er. Aber auch damit ist einer der besten Kenner der Seeverhältnisse der Konkurrenz gefährlich.

Am Vortag zur Rundum läuft knapp am Ufer wieder das Speedrennen. Eine Strecke von ca. 500 Metern ist bei fliegendem Start zu durchfahren. Das schnellste Brot gewinnt 1000 Euro.

Trotz dem Festwirbel rund um den Hafen steigt aber am Freitagnachmittag die Spannung, die Mauern füllen sich mit Menschentrauben, wenn sich jeder Skipper im großen Starterfeld von annähernd 350 Schiffen um die beste Position bemüht, bis pünktlich um 19.30 Uhr auf der Hohentwiel der Startschuss fällt. Die vielen Beobachterboote bittet Wettfahrtleiter Hubert Henzler, vor allem von den Racern Abstand zu halten, deren Geschwindigkeitspotenzial immer wieder unterschätzt werde. In diesem Jahr führt der Kurs zuerst nach Romanshorn, dann über Eichhorn, Überlingen zurück nach Lindau.

Ein Drittel der Boote fährt nur um das Kleine Blaue Band und kann schon ab Eichhorn wieder Kurs auf den Heimathafen aufnehmen.

Hydrodynamisch funktioniert unsere Konstruktion zwar schon, aber es mangelte an der Festigkeit.

Fritz Trippolt

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