„Ein Trainer im Judo darf kein Stubenhocker sein“

Sport / 10.06.2014 • 20:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Landestrainer Patrick Rusch (l.) in seinem letzten Kampf als Aktiver, bei dem er 2011 ÖM-Bronze in der Klasse bis 100 kg holte . Foto: Privat
Landestrainer Patrick Rusch (l.) in seinem letzten Kampf als Aktiver, bei dem er 2011 ÖM-Bronze in der Klasse bis 100 kg holte . Foto: Privat

Patrick Rusch lebt 365 Tage im Jahr für seinen Job als Judo-Landestrainer.

sportservice. (VN-jd) „Burn- out gibt es nicht, so etwas redet man sich ein.“ Patrick Rusch ist eine Kämpfernatur, und sich auf die faule Haut zu legen, gibt es für den 34-Jährigen nicht. Dies war schon zu seiner aktiven Zeit so. Rusch war stets ein Judoka, der sich nie vor einem Gegner versteckte, und nie einem harten, aber fairen Zweikampf aus dem Weg ging. Seine größten Erfolge waren der Gewinn der Bronzemedaille bei der Junioren-EM 1999 und der dritte Rang beim Weltcupturnier 2002 in Sofia. Daneben stehen vier ÖJV-Mannschaftsmeistertitel als Leihkämpfer bei Bischofs­hofen und Straßwalchen zu Buche sowie zahlreiche Einzelerfolge als Legionär in der Deutschen und Schweizer Bundesliga. Nachdem sein großes sportliches Ziel, sich für die Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen zu qualifizieren, aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Verband in der Qualifikationsphase jäh geplatzt war, entschloss sich der Bregenzer, die Trainerlaufbahn einzuschlagen. „Dass ich einmal mein Hobby zu meinem Beruf machen würde, war nicht geplant. Was damals passiert ist, war nicht in Ordnung. Das soll meinen Kämpfern erspart bleiben“, betont Rusch.

Judoka zu Olympia bringen

Dem Vorhaben, in den nächsten sechs Jahren erstmals einem Vorarlberger Judoka zu olympischen Ehren zu verhelfen, widmet der Landestrainer jede verfügbare Minute. Knapp 200 Tage im Jahr ist er wegen Trainingslehrgängen und Turnieren unterwegs und bringt es auf rund 80.000 Kilometer im Jahr im Auto. Zweimal pro Woche sammelt er seine Paradekämpfer ein und fährt zum Training in das Leistungszentrum München-Großhadern und einmal in der Woche steht ein Randori in St. Gallen auf dem Wochenplan. Dazu kommen drei Trainingseinheiten an den Vormittagen mit den Schülern des Sportgymnasiums. Falls kein geeigneter Trainingspartner zur Verfügung steht, scheut sich das 110-kg-Kraftpaket nicht davor, selbst als Gegner auf die Matte zu fungieren. „Zum Glück kommt dies aber nicht mehr so oft vor, weil ich mich lieber auf meine Arbeit als Trainer konzentriere.“

Die Zeit zwischen den Trainingseinheiten wird für die Erstellung von Trainingsplänen bzw. die Vorbereitung von Lehrgängen und Turnieren genützt. „Natürlich fragt man sich oft am Abend, woher man die Kraft dafür nimmt. Doch es gibt keine halben Sachen für mich und Trainer im Judo ist kein Job für einen Stubenhocker. Viele meiner Athleten bringen es auf 20 Stunden Training pro Woche neben Beruf oder Schule. Um im Judo an die Spitze zu kommen, muss man über Jahre hinweg täglich hart arbeiten. Diese Maxime lebe ich als Trainer vor und verlange sie von den Athleten.“

Neben der Anstellung als Landestrainer beim Sportservice war es auch das klare Bekenntnis zum Spitzensport im Fachverband, die Rusch als wesentlichen Erfolgsfaktor bezeichnet. „Seit Emanuel Schinnerl im Herbst 2012 das Präsidentenamt übernahm, wurde beim Ländle-Fachverband kräftig an der Qualitätsschraube justiert. Bei der Zusammenarbeit mit den Vereinen ist ein klarer Aufwärtstrend erkennbar, die Strukturen werden von den Klubs angenommen und es ist eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen. Wir sind auf einem sehr guten Weg, haben aber noch nicht in allen Belangen jenen Leistungsstandard erreicht, den wir uns als Ziel gesetzt haben.“

Zur Person

Patrick Rusch

Der 34-jährige Bregenzer ist einer der erfolgreichsten Judokas in Vorarlberg, ist seit 2004 Trainer des Landesverbands und seit 2010 als Landestrainer beim Sportservice Vorarlberg tätig.

Geboren: 12. März 1980 in Bregenz

Wohnort: Bregenz

Familie: ledig, ein Sohn

Beruf: Maurerlehre

Ausbildung: Lehrwarteausbildung 2004

Werdegang: seit 2004 Landesverbandstrainer Vorarlberg, seit 2010 Landestrainer Judo beim Sportservice Vorarlberg

Sportliche Erfolge: Bronzemedaille Junioren-EM 1999, Dritter Weltcupturnier 2002 in Sofia, EM-Teilnehmer 1998, 1999 und 2001, fünfmaliger Teilnehmer Militär-WM (bei allen Teilnahmen Medaillengewinner im Team), Österreichischer Mannschaftsmeister 1996 bis 1999 mit Bischofshofen bzw. Straßwalchen, Bronze 2004 mit dem ULZ Hohenems

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