Blatter kündigt Kandidatur an

Sport / 11.06.2014 • 22:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter aus der Schweiz kündigte seine Wiederkandidatur an. reuters
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter aus der Schweiz kündigte seine Wiederkandidatur an. reuters

FIFA-Funktionäre bestätigen alle Klischees und lehnen ein Alters­limit und eine Amtszeitbeschränkung ab.

fussball. Bei ihrer Dauersitzung in São Paulo haben die 209 Delegierten des Fußball-Weltverbandes FIFA die letzte Stufe der viel diskutierten Demokratiereform gekippt. Auch künftig wird es für die Funktionäre damit weder ein Alterslimit noch eine Beschränkung der Amtszeiten im höchsten Fußballgremium geben. Ein angedachtes Modell mit drei Amtszeiten à vier Jahren fand keine Mehrheit.

Keine Veränderung

Der Wille zur Veränderung oder externen Kontrolle bleibt in der FIFA äußerst begrenzt. Kurz vor der heiklen Abstimmung hatten sich die Funktionäre eine Rede von Chefermittler Michael Garcia anhören müssen. Und der Amerikaner hatte Neuigkeiten parat. Bei seiner Untersuchung der Korruptionsvorwürfe um die Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat er auch Zugriff auf die Dokumente der „Sunday Times“. „Die große Mehrheit dieses Materials stand uns zur Verfügung. Es wurde und wird untersucht. Wir haben die Quelle kontaktiert und sind zuversichtlich, vollständigen Zugang zum kompletten Daten-Set zu bekommen“, sagte der Amerikaner in seiner Gastrede. Die Zeitung hatte zuletzt mit Enthüllungen über angebliche Bestechung von FIFA-Funktionären durch den Katarer Mohamed bin Hammam für Aufsehen gesorgt.

Aussagen über konkrete Ermittlungsergebnisse oder Verdachtsmomente gegen FIFA-Funktionäre machte Garcia nicht. Eine der Sunday Times-Autorinnen twitterte unter Berufung auf Informationen aus dem Garcia-Umfeld, dass angeblich alle WM-Bewerber für 2018 und 2022 die Regeln in kleinerem oder größeren Ausmaß gebrochen hätten. Garcia hatte den Bericht am Montag abschließen wollen, sprach aber nun davon, dass es noch weitere Informationen geben könnte.

Joseph S. Blatter indes will es noch einmal wissen: Ungeachtet des Widerstands aus Europa und der gravierenden Probleme im Fußball-Weltverband hat der 78-Jährige seine erneute Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft angekündigt. Am 29. Mai 2015 will er sich in seine dann fünfte Amtszeit wählen lassen. Das bestätigte der streitbare Schweizer auf dem 64. FIFA-Kongress in São Paulo.„Ich bin bereit“, rief Blatter den Vertretern der 209 FIFA-Mitgliedsverbände zu und erntete Applaus: „Meine Mission ist noch nicht vorbei: Zusammen werden wir die neue FIFA aufbauen.“

Ob Blatter bei der Wahl im kommenden Jahr überhaupt noch einen Gegner hat, erscheint höchst fraglich. Vor Blatter hatte bislang nur der 55-jährige Franzose Jérôme Champagne seine Kandidatur bekannt gegeben, UEFA-Chef Michel Platini (58) will sich erst im September entscheiden. Allerdings hatte Champagne bereits eingeräumt, gegen Blatter wohl keine Chance zu haben.

Bei Platini verdichten sich die Vorzeichen, dass der Franzose lieber weiter an der UEFA-Spitze die Rolle einer starken Opposition gegen Blatter behält. Wird Blatter bei der Wahl durch den FIFA-Kongress 2015 bestätigt, darf er bis 2019 weitermachen. Damit würde auch die WM-Vergabe an den Ausrichter 2026 erneut in die Legislaturperiode des Schweizers fallen.

Finanzstarker Weltverband

Beim Kongress wurde auch bekannt, dass die FIFA weiter beste Finanzzahlen vorweisen kann und das Jahr 2013 mit einem Gewinn von 53 Mill. Euro abschließen wird. Vor dem WM-Start in Brasilien verfügt der Weltverband damit über Reserven von 1,05 Milliarden Euro. Für den Turnus 2015 bis 2018 plant die FIFA mit einem Budget von 3,68 Mrd. Euro.

Zusammen werden wir die neue FIFA aufbauen.

Joseph S. Blatter

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.