Kampf der Giganten in Le Mans

Sport / 12.06.2014 • 21:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
54 Autos und über 150 Piloten: Das Le-Mans-Starterfeld ist wieder gigantisch. Vorne die LMP1-Renner von Porsche, Audi, Toyota und dem Rebellion-Privatteam. Foto: wec
54 Autos und über 150 Piloten: Das Le-Mans-Starterfeld ist wieder gigantisch. Vorne die LMP1-Renner von Porsche, Audi, Toyota und dem Rebellion-Privatteam. Foto: wec

Die 24 Stunden von Le Mans stehen im Zeichen neuer Regeln und Porsches Comeback.

motorsport. Es ist das größte Langstrecken-Rennen der Welt mit den meisten Zuschauern und der doppelten WEC-Punktzahl. Die Vorbereitung darauf ist intensiver als bei jedem anderen Rennen: Le Mans ist das Rennen mit der unbändigen Faszination. Nirgendwo sind die Fans leidenschaftlicher als hier, nirgendwo spürt man deutlicher, wie die Boliden bei 340 km/h durch die Luftverdrängung die Dreifachleitplanken zum Zittern bringen. Heuer, bei der 82. Auflage, erwarten viele Beobachter eines der spannendsten Rennen der Geschichte.

Technisch komplexe Autos

In der Sportwagen-WM und für die 24 Stunden von Le Mans gilt seit heuer, speziell in der Topklasse der LMP1-Sportprototypen, ein völlig neues, revolutionäres Technik-Regelwerk, das Energie-Effizienz belohnt. Hybridtechnik ist das große Schlagwort. Die Regeln sind ein äußerst kompliziertes Paragrafenwerk mit unzähligen Fachbegriffen. Die Wahl des Hybridsystems und die Art der Zwischenspeicherung der wiedergewonnenen Energie stellen die Regelmacher ebenso frei wie Motorkonzept und Hubraum. Je leistungsstärker das Hybrid-Rückgewinnungssystem, desto weniger Kraftstoff darf verbrannt werden. Trotz ebenbürtiger Fahrleistungen sank die zulässige Energiemenge im Vergleich zum Vorjahr um gut 30 Prozent. Jedes Auto der LMP1-Hybrid-Klasse ist mit einem Ultraschallsensor ausgerüstet, der den Volumenstrom exakt misst. Die Daten laufen in Echtzeit bei der Rennleitung ein. Auch die Teams sehen den Verbrauch permanent an ihren Überwachungssystemen, die Fahrer bekommen ihn aufbereitet aufs Lenkrad-Display geschickt. Überschießt ein Fahrer seinen Verbrauch, flackert ein Warnlämpchen. Der Pilot hat dann zwei Runden Zeit, sich wieder in seinen Normverbrauch zurückzusparen. Tut er das nicht, setzt es eine Stopp & Go-Strafe. In manchen Cockpits hält eine Balkengrafik die Fahrer permanent über den Energieverbrauch pro Runde auf dem Laufenden. Toyota-Pilot Alexander Wurz: „Da gibt es bis zu zehn Updates pro Runde, die dir zeigen, ob du im Verbrauch bist. Wenn nicht, dann musst du schweren Herzens vom Gas und lupfen.“ In den Cockpits der modernen LMP-1-Sportwagen geht’s also mehr und mehr zu wie in einem Jumbo-Jet.

Angriff der Konzerntochter

In der LMP1-Kategorie wird es heuer zu einem gigantischen Dreikampf zwischen den Herstellern Audi, Toyota und Porsche kommen. Obwohl Audi seit 1999 in der Sportwagen-Szene und speziell in Le Mans tonangebend ist, werden die Ingolstädter heuer wohl vor einer ungemein schwierigen Aufgabe stehen, denn mit der Volkswagen-Konzerntochter-Marke Porsche kehrt der erfolgreichste Hersteller in der Le-Mans-Geschichte (16 Siege) in die Topkategorie zurück und zwar mit dem technisch aufwendigsten Auto des ganzen Feldes. Die Schwaben setzen beim Porsche 919 Hybrid als einzige auf zwei unterschiedliche Energie-Rückgewinnungssysteme: Vorn wird die verpuffende Kraft der Bremsen abgefischt, hinten der Druck aus den Abgasen vom einzigen Turbolader. Sämtliche Energie wird als Strom in Akku-Batterien gespeichert, die die Fahrer dann an die Vorderachse in den Beschleunigungsphasen zuschalten, wodurch der Bolide vorübergehend zu einem Allradler wird. Toyota hat beide WM-Läufe vor Le Mans gewonnen und bisher offenbar alles richtig gemacht. Beim Toyota TS 040 addiert sich die Systemleistung kurzfristig auf atemberaubende 1000 PS. Die Japaner können die Gegner umkurven wie Slalomstangen. Aber sie müssen eben auch früher wieder vom Gas gehen, um im erlaubten Maximal-Energieverbrauch pro Runde zu bleiben, wenn der Hybridspeicher wieder leer ist.

Während Porsche und To­yota nur zwei Autos einsetzen, bringt Audi gleich drei Boliden an den Start. Bei Technikproblemen der Widersacher könnte die zahlenmäßige Übermacht der entscheidende Vorteil sein.

Motorsport

Fahrer und Teams der LMP1-Hybrid-Klasse für die 24-Stunden von Le Mans

1 Lucas Di Grassi/Marc Gene/Tom Kristensen Audi (R 18 e-tron quattro)

2 André Lotterer/Marcel Fässler/Benoit Treluyer Audi (R 18 e-tron quattro)

3 Filipe Albuquerque/Marco Bonanomi/Oliver Jarvis Audi (R 18 e-tron quattro)

7 Alex Wurz/Stéphane Sarrazin/Kazuki Nakajima Toyota (TS 040)

8 Anthony Davidson/Nicolas Lapierre/Sébastien Buemi Toyota (TS 040)

14 Romain Dumas/Neel Jani/Marc Lieb Porsche (919-Hybrid)

20 Timo Bernhard/Mark Webber/Brendon Hartley Porsche (919-Hybrid)

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