Das fängt ja gut an

Sport / 13.06.2014 • 23:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eine krasse Fehlentscheidung im ersten Spiel, in der zweiten Partie zwei reguläre Tore aberkannt – das fängt ja gut an. Gleich zu WM-Beginn stehen die Schiedsrichter mehr im Mittelpunkt, als ihnen lieb ist.

Im Fall eins, dem fragwürdiden Elfmeter für Brasilien im Spiel gegen Kroatien, kann die Antwort nur Schiedsrichter Yuichi Nishimura geben – und wahrscheinlich er selbst nicht. Ehrlich gesagt tut mir der Kollege leid, denn ich kann sehr gut nachempfinden, was nun in seinem Kopf vorgeht. So eine „blöde Situation“ habe ich in meiner Karriere selbst auch mitgemacht. Bei der EURO 2008 habe ich beim Spiel Schweiz gegen Portugal bei einem schweren Foul in meiner Nähe dem Schiedsrichter eine Gelbe Karte signalisiert. Bei der nachfolgenden Videoanalyse kam dann zum Vorschein, dass es für das Foul nur Rot hätte geben können. Was danach auf mich niedergeprasselt ist, war alles andere als lustig. Genau das passiert nun mit Nishimura, ich kann das gut nachempfinden.

Und Wilmar Roldan, der beim 1:0 von Mexiko gegen Kamerun zwei reguläre Treffer übersah? Zum Glück hatte es für die Südamerikaner keine Folgen. Diesmal waren es seine Assistenten, die den Schiedsrichter „schlecht beraten“ und ihm diese Fehlentscheidungen signalisiert haben.

Auf dem Spielfeld werden oft Fehlentscheidung nicht wirklich realisiert. Erst in der Kabine kommen – im verbalen Austausch mit den Assistenten – die ersten Zweifel. Knüppeldick kommt es, wenn man die Entscheidung im Video vorgesetzt bekommt. Unter der Dusche findet man Zeit, in sich zu gehen. Du spürst den Ärger über dich selbst – und auf die Kollegen an der Linie. Beim Abendessen ist der Hunger weg, immer wieder taucht die Frage nach dem Warum auf, du denkst an deine Familie, an deine Bekannten. Sie alle haben ja auch das Spiel gesehen.

Der Tag danach wird zum Spießrutenlauf. Ob beim Frühstück, wenn dir die Kollegen mitleidsvoll auf die Schulter klopfen, oder bei der Spielanalyse mit den Verantwortlichen der Schiedsrichterkommission. Da braucht jeder Referee dann gute Nerven – und eine Portion Selbstironie.

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