Christian Adam

Kommentar

Christian Adam

Ein Spiel, ein Gedanke und mehr

Sport / 17.06.2014 • 22:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Antônio Carlos Jobim war Sänger, Komponist – und ist Namensgeber des internationalen Flughafens von Rio de Janeiro. Dieser Tage ist dieser Ort fast ein wenig zur Heimat geworden. Die Gepäckabfertigungen, hilfsbereiten Menschen und überall die Bildschirme mit den WM-Spielen. Auf der „Durchreise“ sehe ich auch den ersten Auftritt von Deutschland.

Ein dicker Holztisch, ein wenig Bierhaus-Atmosphäre, allein die drei in brasilianischen T-Shirts gekleideten Sitznachbarn hindern mich im Gedanken, mitten in Bayern zu sitzen. Ein wenig schmunzeln muss ich dann aber doch, als sie immer wieder ihre Verachtung über „CR7“ zum Ausdruck bringen. Ablehnung für einen Portugiesen? Und das in Brasilien. Ich frage nach und höre ihren Ausführungen erstaunt zu.

Nein, sie stammen nicht aus Brasilien, vielmehr ist das Trio aus Palästina angereist. Sie heißen Kassem Bakri, Safi Abet und Abed Alslam Bakir – und sie sind gekommen, um Brasilien anzufeuern. Dafür war ihnen der Weg nicht zu weit, dafür haben sie auch viel Geld ausgegeben. Umgerechnet fast 2200 Euro hat jeder von ihnen für ein Ticket für das Eröffnungsspiel hingeblättert. Bereut haben sie es nicht, vielmehr die Zeit genossen. Denn für sie endet heute das WM-Abenteuer. Eine Woche in Brasilien, in São Paulo und in Rio – Fußball verbindet. Ganz im Sinne des Weltverbandes FIFA. Die Fußball-Familie heißt es so gerne. Zumindest rund um die Spiele wird diese Familie auch gelebt.

Darüber sprechen? Nein! Wir haben ja den Fußball – und Cristiano Ronaldo. „Go home, Ronaldo!“ Das Trio bejubelt jedes Tor der Deutschen. Fußball, ja das Leben kann so einfach sein. Und zuweilen auch doppelzüngig. Vielleicht aber behalten sie Recht und Ronaldo folgt ihnen bald. Während meine Reise in Brasilien weitergeht. Á Vista, auf Wiedersehen.

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