Steiermarks vierter GP-Anlauf

Sport / 17.06.2014 • 22:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vor genau 30 Jahren (1984) gab Gerhard Berger auf dem Ö-Ring auf einem ATS-BMW sein F-1-Debüt. Im Bild hinter Berger der Wiener Jo Gartner im Osella. Foto: manfred noger
Vor genau 30 Jahren (1984) gab Gerhard Berger auf dem Ö-Ring auf einem ATS-BMW sein F-1-Debüt. Im Bild hinter Berger der Wiener Jo Gartner im Osella. Foto: manfred noger

Vom Flugplatzrennen bis zum ersten F-1-Lauf auf dem Red-Bull-Ring vergingen 50 Jahre.

formel 1. 1964 gastierte der Formel-1-Tross erstmals in der Steiermark, aber der erste GP von Österreich auf dem Militärflugplatz von Zeltweg (Sieger Lorenzo Bandini) war eine große Pleite, weil auf den holprigen Landepisten die Boliden förmlich zerbrachen. Die Buckelpiste hatte die damals filigranen 1,5-Liter Rennwagen regelrecht verschrottet. Dieser Umstand führte bei den Verantwortlichen zum Bau einer permanenten Rennstrecke. Nur wenige Kilometer vom Militärflugplatz entfernt wurde hierzu ein Gelände in der Gemeinde Spielberg bei Knittelfeld sondiert. Beflügelt durch Jochen Rindts unaufhaltsamen Aufstieg zur Weltklasse, gab es in Österreich sowieso eine ungeheure Aufbruchstimmung. Dr. Gustav Tiroch, der Präsident des STMSC Knittelfeld, gab den Bau des Österreich-Rings in Auftrag. Seine Maxime lautete, dass der 5,9 km lange Ö-Ring „Europas schnellste Rennstrecke werden muss.“ Am 27. Juli 1969 eröffnete Landeshauptmann Josef Krainer die Rennpiste. Mit einem Rennen für Sportprototypen (Sieger Jo Siffert) wurde der Ö-Ring offiziell eingeweiht. Die Rennfahrer waren sich einig: „Das ist die schönste Rennstrecke der Welt.“

Vom Ö- zum A1- und RB-Ring

Am 16. August 1970 hatte Österreich seinen F-1-WM-Lauf wieder. Mehr als 100.000 Menschen strömten ins Aichfeld. Leider rollte Lokalmatador Jochen Rindt in seinem Lotus 72 nach 22 Runden aus: Der Siegermotor von Hockenheim starb an einem Kolbenreiber. 1975 verunglückte der Amerikaner Mark Donahue mit seinem Penske-March schwer: Nach einem Reifenplatzer flog er gegen ein Rohrgerüst, erlag drei Tage später seinen Kopfverletzungen. 1984 holte Niki Lauda als bislang einziger Lokalmatador im Grand Prix von Österreich einen Heimsieg. Die beiden spektakulären Startkarambolagen mit Millionenschrott 1987 nahm F-1-Capo Bernie Ecclestone dann zum Anlass, Österreich aus dem F-1-Kalender zu eliminieren.

Nach jahrelangem Lobbying bei Ecclestone durch den ÖAMTC und das Land Steiermark sowie der Präsentation neuer Pläne, stellte der F-1-Boss jedoch bald wieder GP-Rennen in Aussicht. Nach nur 280 Umbau-Arbeitstagen wurde die neue Strecke, jetzt auf 4,3 km verkürzt und auf A1-Ring umgetauft, im August 1996 mit einem Rennen zur Motorrad-WM wieder eröffnet. Ecclestone hatte sich 1997 zu einem Sechs-Jahres-Vertrag erweichen lassen, der 2002 ins letzte Jahr ging, aber bereits vor Ablauf bis 2006 verlängert wurde. Trotzdem war mit dem 2003er-GP (Sieger Michael Schumacher) bereits zum dritten Mal vorübergehend Schluss, denn mit 1. Oktober 2003 übernahm Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz die Renn-Anlage und ließ sofort den Start- und Zielbereich von Baggern einebnen. Aus seiner hochfliegenden Vision einer hypermodernen Rennstrecke mit Rennfahrer- und Flugpilotenakademie wurde wegen politischer Querelen nichts. So ließ er den alten Zustand wieder herrichten und eröffnete am 14. Mai 2011 den Red-Bull-Ring.

„GP von Fuschl“ bis 2020

Nach absolut geheimen Verhandlungen zwischen Ecclestone und Mateschitz sickerte erstmals im Herbst 2013 durch, dass heuer am dritten Juni-Wochenende – also nach elf Jahren Pause – die Formel 1 abermals nach Spielberg kommt. Mateschitz und Ecclestone haben sich vorerst über einen Kontrakt bis 2020 geeinigt. Die letzten Monate investierte der Getränke-Milliardär nochmals viel Geld, um neue Tribünen sowie ein neues Pressezentrum bauen zu lassen. Am Wochenende wird alles auf Hochglanz poliert sein und die Formel-1-verliebten Österreicher können sich auf ihren „GP von Fuschl“ freuen.

Der Ö-Ring im Jahre 1978: Minimal-Boxenanlage, keine Boxenmauer und eine mickrige Tribüne bei Start und Ziel. Foto: noger
Der Ö-Ring im Jahre 1978: Minimal-Boxenanlage, keine Boxenmauer und eine mickrige Tribüne bei Start und Ziel. Foto: noger

Formel 1

Die bisherigen Sieger des GP von Österreich:

» Militärflugplatz Zeltweg:

1964: Lorenzo Bandini (Ita) Ferrrai

» Österreichring:

1970: Jacky Ickx (Bel) Ferrari

1971: Jo Siffert (Sui) BRM

1972: Emerson Fittipaldi (Bra) Lotus

1973: Ronnie Peterson (Swe) Lotus

1974: Carlos Reutemann (Arg) Brabham

1975: Vittorio Brambilla (Ita) March

1976: John Watson (Gbr) Penske

1977: Alan Jones (Aus) Shadow

1978: Ronnie Peterson (Swe) Lotus

1979: Alan Jones (Aus) Williams

1980: Jean-Pierre Jabouille (Fra) Renault

1981 : Jacques Laffite (Fra) Ligier

1982 : Elio de Angelis (Ita) Lotus

1983 : Alain Prost (Fra) Renault

1984 : Niki Lauda (Aut) McLaren

1985: Alain Prost (Fra) McLaren

1986: Alain Prost (Fra) McLaren

1987: Nigel Mansell (Gbr) Williams

» A-1-Ring

1997: Jacques Villeneuve (Can) Williams

1998: Mika Häkkinen (Fin) McLaren

1999: Eddie Irvine (Gbr) Ferrari

2000: Mika Häkkinen (Fin) McLaren

2001: David Coulthard (Gbr) McLaren

2002: Michael Schumacher (Ger) Ferrari

2003: Michael Schumacher (Ger) Ferrari

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