Alle alten Daten sind wertlos

Sport / 18.06.2014 • 21:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alle alten Daten sind wertlos

Die Formel-1-Teams müssen den Österreich-GP wie ein neues Rennen angehen.

formel 1. (VN-dg) Seit 2003 fand kein Formel-1-Rennen mehr in Österreich statt. Obwohl sich das Streckenlayout in Spielberg nicht groß verändert hat, jedoch die Rennautos mit ihrer heutigen Technik, Aerodynamik und den Motoren, gehen die Teams das kommende Wochenende beinahe wie einen komplett neuen Grand Prix an. Dieser Umstand stellt insbesondere für die Ingenieure interessante Herausforderungen dar. Dabei haben jene Mannschaften einen entscheidenden Vorteil, die besonders versiert bei der Rennvorbereitung im Simulator sind und sich dynamisch mittels Live-Daten am Rennwochenende anpassen können. Die Abstände zwischen den Teams dürften größer als normalerweise sein, ganz besonders zu Beginn des Rennwochenendes.

Nur noch drei Fahrer von früher

Aus dem Starterfeld von 2003 sind heute übrigens nur mehr Kimi Räikkönen, Fernando Alonso und Jenson Button noch aktiv in der Formel 1 dabei und nur eine Handvoll weiterer Fahrer kennt den Red-Bull-Ring aus verschiedenen anderen Rennserien. Ähnlich wie in Monaco, wo Streckenkenntnisse ein entscheidender Vorteil sein können, werden auch in Spielberg die routinierten Piloten einen kleinen Vorteil haben. Es werden sich insbesonders jene Fahrer am meisten auszeichnen können, die ein natürliches Gefühl für die Abstimmung des Autos besitzen.

Die Herangehensweise an eine relativ unbekannte Strecke wie jene in der Steiermark verlangt nach ausgiebigen Simulationsarbeiten. Die Zeit im Fahrsimulator ist entscheidend, um so genaue Daten wie möglich zu liefern, auf denen die Teams ihre Arbeit bis zum ersten Training aufbauen können. Bis zu acht Stunden pro Tag trainieren manche Piloten heute im Simulator. Montreal-Sieger Daniel Ricciardo hat sich z. B. bis ins letzte Detail in Milton Keynes virtuell mit dem 4,3 km langen Kurs vertraut gemacht. Die Simulationen sind heute derart realistisch, dass Neulinge sogar seekrank werden. Die Fahrer nehmen in einem originalen Monocoque Platz, die Rennstrecke wird mit drei Beamern auf ein 180-Grad-Panorama projiziert.

Dennoch gibt es einige Feinheiten, die im Simulator nicht berücksichtigt werden können. Erst im Laufe der Fahraktivitäten sammeln die Teams Informationen darüber, wie alt der Asphalt, wie unterschiedlich der Grip an verschiedenen Stellen der Strecke ist und wie sich die Oberfläche und die Balance im Verlauf des Wochenendes sowie des Rennens verändern. Dies dürfte höchstwahrscheinlich zu mehr Fahrbetrieb als sonst in den Trainings führen.

Knifflige erste Kurve

Ähnlich wie das letzte Rennen in Montreal ist auch der RB-Ring eine Strecke mit relativ wenigen Kurven und mehreren Geraden, sodass erneut die Leistung gefragt ist. So spielt auch die Bremsstabilität eine entscheidende Rolle. Von den zehn Kurven der Strecke sind sieben als Bremsmanöver ausgewiesen, drei davon werden als stark bewertet. Die erste Kurve nach Start und Ziel ist wohl die schwierigste. Der Anstieg mag im Fernsehen nicht allzu groß wirken, aber in der Realität ist es eine knifflige, blinde Rechtskurve, die stark bergauf geht. Drei Mal erreichen die Boliden knapp 300 km/h, vor der Remus-Spitzkehre wird bis in den ersten Gang zurückgeschaltet und es werden Belastungen von bis zu 2,9 g erreicht.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.