Mit Fuleco für den Naturschutz

Sport / 24.06.2014 • 21:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Flughafen von Natal: Christian Adam mit seinem neuen Freund Fuleco.
Am Flughafen von Natal: Christian Adam mit seinem neuen Freund Fuleco.

Natal. Mehr als eine Woche habe ich nun gesucht, endlich bin ich auch auf eines gestoßen. Als ob es auf mich gewartet hätte, quasi als „Empfangsdame“. Zurückhaltend, dennoch unübersehbar – und ich habe es sofort ins Herz geschlossen. Meine Suche hat sich gelohnt, steht es doch auf der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Die Rede ist von Fuleco, dem Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft. In Natal hat es mich schon erwartet.

In der Hauptstadt des Rio Grande do Norte aber empfingen mich noch ein paar Premieren. Erstmals regnet es, und die hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Gedanken an die Jahreszeit Winter völlig verschwinden. Nur die Farben des Atlantischen Ozeans vermitteln keine Wärme, dafür sorgt das Rauschen der Wellen unentwegt für ein wohltuendes Gefühl. Kein Wunder denke ich mir, bedeutet Natal auf portugiesisch doch Weihnachten.

Zurück zu meinem Gürteltier. Zum ersten Mal wirkt es so richtig gelöst, fühlt es sich wohl inmitten der tanzenden und singenden, in gelb gekleideten Brasilianer. Die Last einer ganzen Nation scheint nach dem Sieg über Kamerun von seinen Schultern abzufallen. Es hat den Anschein, als hätte es vergessen, dass der Bestand der eigenen Rasse – brasilianisches Dreibindengürteltier – in den vergangenen 15 Jahren um mehr als ein Drittel geschrumpft ist.

Ein echter Teenager

Die lebenden Vorbilder für den WM-Glücksbringer sind auf der von der Weltnaturschutzunion (IUCN) aktualisierten Roten Liste zwar nicht aktut vom Aussterben bedroht, Experten aber stufen die auch als Nördliches Kugelgürteltier bezeichnete Art als „verletzlich“. Hauptgrund ist der Mensch, der die Lebensräume dieser Tiere in der trockenen Buschlandschaft der Caatinga im Nordosten des Landes um 50 Prozent schrumpfen ließ. Caatinga ist ein indianisches Wort und bedeutet „weißer Wald“.

Mit der Entscheidung für das gefährdete Gürteltier als Maskottchen haben die WM-Organisatoren bewusst ein Zeichen für den Naturschutz gesetzt: Der Name Fuleco leitet sich ab aus Futebol (portugiesisch für Fußball) und Ecologia (Ökologie). Nichts, so scheint, wurde bei der „Schöpfung“ dem Zufall überlassen. Denn das Dreibindengürteltier kann sich bei Gefahr zu einer Kugel (wie ein Fußball) zusammenrollen. Mit seinem spitzbübischen Gesicht wirkt Fuleco wie ein Teenager. Kein Wunder, lese ich in seinem Facebook-Profil – www.facebook.com/2014fuleco – doch die Sätze: „Ich bin ein waschechter Brasilianer. Mein Geburtstag ist der 1. Jänner 2000.“ Mir bleibt die Hoffnung, dass mein neuer Freund eine unbeschwerte Jugend, sprich WM, erlebt und dass die Überlegungen für seine „Geburt“ nie vergessen werden.

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