Partystimmung trotz Dauerregen in Recife

Sport / 26.06.2014 • 21:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im US-Partybus zum Spiel USA gegen Deutschland: Christian Adam.  privat
Im US-Partybus zum Spiel USA gegen Deutschland: Christian Adam. privat

fussball. 6.45 Uhr: Tagwache. Noch verschlafen wage ich einen ersten Blick aus dem Hotelzimmer. Was ich sehe, macht mich wach. Es regnet in Strömen, nein vielmehr, es gießt aus Kübeln. Und ich sage mir: „So früh wie möglich ein Stadion-Shuttle erwischen, wer weiß, was noch passiert.“

Dass es eine Menge werden sollte, konnte ich bei meinen ersten Schritten in den vom Regen überfluteten Straßen nicht ahnen. So sollten selbst die rund 400 m von meinem Hotel zum „Golden Tulip“, dem Quartier des US-Teams, genügen, um ein erstes Mal völlig nass zu werden. Dort erwies sich der Media-Shuttle als Transportbus für die TV-Leute. Guter Rat war nun teuer. Der Himmel aber schickte mir einen Engel in Person von Glaiza Cabuénas. Die Philippinin, die in Recife für die ansässige Firma „Walk Abroad“ arbeitet, bot mir Hilfe an. Ein Kleinbus, exklusiv für wenige Karteninhaber. Und irgendwo dazwischen werde ich wohl einen Platz erwischen. Die 50 Real (ca. 18 Euro) sind gut investiert, ich befand mich gleich in bester US-Gesellschaft.

Feiern schon vor dem Spiel

Aus dem Bus-Lautsprecher dröhnte meine Musik, Bruce Springsteen („Born in the USA), Tom Petty, Survivor („Eye of the tiger“) usw. – natürlich wurde lauthals mitgesungen und am frühen Morgen schon die ersten Bierdosen geköpft. Diese Partystimmung war angesichts des sich von Minute zu Minute verschlimmernden Chaos auf den Straßen auch dringend notwendig. Wobei Straßen in diesem Zusammenhang wohl ein nobler Ausdruck ist. Denn zwischen den Schlaglöchern der Hauptverkehrsadern von Recife sammelte sich das Regenwasser zu kleinen Seen, zumal es von den Nebenstraßen reichlich Zufluss gab. „Das schaffen wir nie“, sagte ich bei mir, angesichts dessen, dass wir für den ersten Kilometer gut eine halbe Stunde benötigten. Wohl wissend, dass das neue Stadion gut 30 km außerhalb des Stadtzentrums liegt und nur rund um die Arena die Infrastruktur im Vorfeld der WM fertiggestellt wurde. Diesbezüglich gleichen sich die Stadt- bzw. Stadionbilder in Brasilien und machen so die Anreise für die Fans und die Medien-Schaffenden stets zu einem neuen Abenteuer.

Im Bus aber hatte sich meine innere Unruhe keineswegs auf die Reisegesellschaft übertragen. Im Gegenteil: Glaiza fand immer die richtigen Worte und die US-Boys feierten ihre ganz spezielle WM-Party. Es ging weiter, mal schneller, mal langsamer. Der Bus suchte seinen Weg, während es für meine Ohren „Livemusik“ gab. ich fühlte mich wie in einem Film, dessen Ende ich mir während der Fahrt auszumalen versuchte.

Durchnässt, aber glücklich

Es sollte ein Happy End werden, denn eine Stunde vor Anpfiff parkte der Bus vor dem Stadion. Normalerweise zu spät für das Medien-Ticket. Völlig durchnässt stand ich dann endlich vor dem Ticket-Desk, wo mich ein freundlicher FIFA-Delegierter beruhigte. „Das Ticket ist da.“ Dankend nahm ich das Ticket entgegen und glücklich machte ich mich auf die Platzsuche. Eine Leistung, die heute nicht alle schafften.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.