„Rennsport hat sich verändert“

Sport / 27.06.2014 • 18:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eines der letzteren Rennen von Rudi Lins: mit dem Porsche 917 in der Steilkurve von Daytona 1971. Fotos: noger
Eines der letzteren Rennen von Rudi Lins: mit dem Porsche 917 in der Steilkurve von Daytona 1971. Fotos: noger

Die Ländle-Rennfahrerlegende Rudi Lins wird heute 70 Jahre alt. Die VN gratulieren.

motorsport. Der gebürtige Bludenzer Rudi Lins zählte von 1965 bis zu seinem Ausstieg 1971 aus dem Rennsport international zu den führenden Automobil-Rennfahrern bei Berg-, Flugplatz- und Langstreckenrennen. 1967 holte sich der Porsche-Werkspilot in der Sportwagen-Wertung den Titel in der damals populären Berg-Europameisterschaft, 1970 wurde er – zusammen mit Dr. Helmut Marko – Klassensieger beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans und großartiger Gesamt-Dritter. Nach seiner Zeit als Rennfahrer widmete sich Lins mit der gleichen Akribie seinem Autohaus in Nüziders. Heute wird der Jubilar immer wieder von Porsche zu Klassik-Rennen eingeladen.

Seit Ihrem Karriererücktritt 1971 sind mittlerweile über 40 Jahre vergangen. War die rennlose Zeit danach dennoch spannend genug?

Lins: An Spannung hat es die letzten Jahre nicht gefehlt, sowohl privat als auch geschäftlich. Bis 1986 habe ich jedes Jahr noch einige Testfahrten mit Gerhard Plattner auf Porsche, Audi und VW durchgeführt. So sind wir zusammen z. B. zwei Mal rund um die Welt gefahren oder von der nördlichsten Stadt der Welt, Hammerfest, zur südlichsten Stadt der Welt, Ushuaia auf Feuerland, oder haben diverse Sahara-Durchquerungen absolviert. Zudem nahm mich die Führung unseres Familienunternehmens, das die letzten Jahre stetig gewachsen ist, sehr stark in Anspruch.

Sie werden von Porsche noch heute zu Klassik-Rennveranstaltungen eingeladen. Welche Events sind dies und wie viel Spaß bereiten Ihnen noch heute diese Fahrten?

Lins: Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen, wie zuletzt der Gaisberg-Classic in Salzburg, dem Roßfeld-Bergpreis in Berchtesgaden oder in den USA die Rennsport-Reunion in Daytona und Laguna Seca, konnte bzw. darf ich noch Museumsrennwagen von Porsche fahren, was nach so vielen Jahren wieder ein tolles Erlebnis war und ist.

Haben Sie selbst noch ein Original-Rennfahrzeug aus Ihrer aktiven Zeit in Ihrem Besitz?

Lins: Leider nicht. So ein Original-Bolide wäre heute ein kleines Vermögen wert.

Zwei Wochen vor Ihrem Geburtstag ging die 82. Auflage des Le-Mans-Rennens über die Bühne. Können Sie sich noch an Ihre drei Le-Mans-Einsätze erinnern? Welcher ist am nachdrücklichsten in Erinnerung geblieben?

Lins: An meine drei Renneinsätze in Le Mans kann ich mich noch sehr gut erinnern. Am nachdrücklichsten ist natürlich das Rennen von 1970 in Erinnerung geblieben, als Porsche mit Hans Herrmann/Richard Attwood erstmals den Gesamtsieg errang und Helmut Marko und ich im Gesamtklassement Dritte wurden und die Prototypen-Indexwertung gewannen. Bei diesem Rennen war die besondere Herausforderung der stundenlange, extrem starke Regen. Wenn man ein Auto überholen wollte, musste man erst in die volle Gischt eintauchen. Man hat nicht sehen können, ob davor nicht noch ein Auto, ein langsameres, fuhr. Unser Porsche 908 war offen. Wir waren am Ende des Turns komplett nass. Im Training erreichten wir auf der Hunaudières-Geraden 370 km/h. Das Auto ist richtig unruhig geworden, wenn man es geschafft hatte, aus dem Windschatten des Vordermannes rauszukommen. Ich war damals 26, noch ziemlich unerschrocken.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Automobilrennsport in den letzten vier Jahrzehnten verändert?

Lins: Außer dass es sich immer noch um Autorennen handelt, ist so ziemlich alles anders. Die Rennstrecken wurden wesentlich sicherer, ebenso die Fahrzeuge. Durch die Hybridtechnik hat sich aktuell alles ganz wesentlich verändert. Es geht nicht mehr nur um Geschwindigkeit und Rundenbestzeiten, sondern im Wesentlichen auch um Verbrauch. Sicherheitsgurte bekamen wir erst ab 1969. Auch die Aerodynamik der Fahrzeuge war weit von dem entfernt, was heute Stand der Technik ist. Physiotherapeuten kannten wir nicht, wir hatten uns in den 60ern und 70ern körperlich nicht arg auf die Rennen vorbereitet . . .

Gibt es private Ziele und Wünsche für die nächsten zehn Jahre?

Lins: Für die nächsten Jahre wünsche ich meiner Familie und mir besonders Gesundheit und eine erfolgreiche Weiterführung unseres Unternehmens.

Heute ist Rudi Lins oft Gast von Porsche bei Klassik-Rennen.
Heute ist Rudi Lins oft Gast von Porsche bei Klassik-Rennen.
1967 wurde Rudi Lins Berg-Europameister.
1967 wurde Rudi Lins Berg-Europameister.

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