Über den ewigen Kreislauf der Fleischspieße

Sport / 29.06.2014 • 19:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Horst Zangl und Christian Adam mit José (Mitte), dem Chef der „Churrascaria Nova Pampa“ in Campinas. Privat
Horst Zangl und Christian Adam mit José (Mitte), dem Chef der „Churrascaria Nova Pampa“ in Campinas. Privat

Rio de Janeiro. Die erste Begegnung war eine rein zufällige und liegt nun schon gut 14 Tage zurück. Es war in einer dieser lauen Winternächte in Rio, nur der Schnürlregen störte. Da bei mir gleichzeitig das Hungergefühl anklopfte, suchte ich nach einem Lokal. Dass ich dann beim ersten Versuch abgeblitzt bin, weil bei dem Wetter niemand draußen sitzen wollte, sollte sich später als Glücksfall herausstellen.

Eine Tür mit einer engelsgleichen Statue daneben hatte mich magisch angezogen. Davor standen Menschen in der Schlange. Selbst das hinderte mich nicht daran, ebenfalls anzustehen. Dabei wusste ich nicht einmal, was mich im Restaurant erwarten würde. Gut 20 Minuten dauerte die Wartezeit, ehe sich die Tür für mich öffnete. Dahinter befand sich ein großer Saal, in dem es hektisch zuging. Die Ober, oder sollte ich besser sagen die Grillmeister, eilten schnellen Schrittes von Tisch zu Tisch. In gekonnter Art und Weise schnitten sie das Fleisch mit einem scharfen Messer hauchdünn vom Spieß und ließen es kunstvoll auf den Teller gleiten. „Was ist denn hier los?“, dachte ich bei mir, als mich schon ein Kellner zu einem freien Tisch geleitete. Einmal Platz genommen, war seine folgende Erklärung kurz und bündig. Er zeigte mir den Weg zum Buffet und die Beilagenkarte, ansonsten, erklärte er mir im gebrochenen Englisch, sei Fleisch angesagt . . .

Das Abend- oder besser das nächtliche Essen sollte schließlich eine echte Prüfung für meinen Magen werden. Ich erlebte eine „neverending story“ in Sachen Grillerei und durfte feststellen, wie einfallsreich und vielfältig die Fleischauswahl auf einem Spieß sein kann. Denn in regelmäßigen Abständen kommt das Personal und bietet unterschiedliche Fleischsorten an. Die Spieße quasi im ewigen Kreislauf zwischen Feuer und Tisch.

Bei meinem Besuch bei Horst Zangl und seiner Familie wurde ich dann endgültig zum Fan dieser vor allem für Süd-Brasilien so traditionellen Restaurants. In Campinas erfuhr ich auch, dass diese „Churrascaria“ („Churrasco“ steht für „Fleisch“) heißen. Weiters dass jeder Gast oder Tisch eine Art persönliche „Fleisch-Ampel“ erhält – zumeist in der Form eines Bierdeckels, wobei die beiden Seiten rot oder grün gefärbt sind. Ist die grüne Seite aufgedeckt, wird weiterhin Fleisch angeboten. Die rote Seite signalisiert die vorübergehende Sättigung. Mit diesem Wissen hätte ich mir bei meinem ersten Essen in einer „Churrascaria“ wohl ein bisschen leichter getan. Dennoch fühlte ich mich in beiden Fällen wie ein König, kein Wunder, hieß das Restaurant in Rio doch „Churasscaria ­Palace“.

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