Ein geschenkter Sieg für Wittmann

Sport / 03.08.2014 • 22:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach dem Start führte noch Mercedes-Mann Robert Wickens, ehe ihn fehlende Boxen-Kommunikation um ein gutes Resultat brachten. Foto: noger
Nach dem Start führte noch Mercedes-Mann Robert Wickens, ehe ihn fehlende Boxen-Kommunikation um ein gutes Resultat brachten. Foto: noger

Chaos bei Audi und Mercedes spielten BMW beim Spielberg-Rennen in die Karten.

motorsport. (VN-dg) Der sechste Saisonlauf der DTM in Spielberg entwickelte sich zu einem turbulenten und sehr kurzweiligen Rennen. Mit dem Trainingsschnellsten Robert Wickens hätte durchaus ein Mercedes-Pilot oder mit Jamie Green eventuell auch ein Audi-Fahrer das Rennen gewinnen können, doch am Ende standen mit Marco Wittmann, Augusto Farfus und Timo Glock gleich drei BMW-Fahrer auf dem Siegerpodest, weil verheerende Teamleitungsfehler sowohl bei Mercedes-Benz, als auch bei Audi ihre jeweiligen Speerspitzen um den möglichen Sieg brachten.

Audi verzockte sich

So ließen die Audi-Verantwortlichen Jamie Green zu Beginn des Rennens um eine Runde zu lange mit den weichen Reifen draußen, während alle Fahrer, die auf den weichen Pneus starteten, in der 24. Runde auf die härteren Pneus wechselten. Das Regelwerk besagt, dass die Optionsreifen maximal 50 Prozent der Renndauer verwendet werden dürfen. Da in Spielberg mit 47 Runden eine ungerade Rundenanzahl als Renndauer angesetzt war, durfte man maximal 23 Runden draußen bleiben. Jamie Green, kurzfristig in Führung, bekam für den Fauxpas umgehend die Strafe in Form einer Boxen-Durchfahrtsstrafe und fiel zurück.

Totale Verwirrung bei Mercedes

Absolutes Kopfschütteln sorgte eine Runde zuvor auch die Aktion von Mercedes-Benz, als der Rennleader Robert Wickens beim Reifenwechsel-Boxenstopp vom Lolipop-Mann trotz heranbrausenden Timo Glock auf die Boxengerade herausgewunken wurde. Hätte Glock nicht geistesgegenwärtig abgebremst, wäre es zur Kollision gekommen. Die Rennleitung ahndete den Zwischenfall als „Unsafe release“ (Gefährdung beim Verlassen der Box) und bestrafte dafür den schuldlosen Wickens mit einer Boxen-Durchfahrtsstrafe, die der Kanadier innert drei Runden absolvieren hätte müssen. Doch der ahnungslose Mercedes-Pilot steuerte auch nach diesen drei Runden nicht die Boxengasse an, überholte sogar in der Zwischenzeit noch den führenden Augusto Farfus und lag wieder in Führung, bis er plötzlich die schwarze Flagge der Rennleitung für die Disqualifikation (!) gezeigt bekam. Das Unglaubliche: Wickens hatte von der aufgebrummten Durchfahrtsstrafe nichts mitbekommen, weil ihn der Kommandostand nicht informierte. Mercedes-DTM-Pressechef Wolfgang Schattling fragte telefonisch bei Mercedes-Rennsportboss Toto Wolff nach, was zu tun sei. Und gab sich hinterher selbstbewusst: „Die Rennkommissare haben hier die größte Fehlentscheidung der DTM-Geschichte gefällt, das wird ein Nachspiel haben.“ Der Sprecher der Renn­stewarts, Michael Kramp, zeigte sich völlig unbeeindruckt: „Es war eine Gefährdung! Das Ignorieren musste mit der Disqualifikation geahndet werden. Ein Protest ist zwecklos, das Ergebnis wird so bleiben.“

Diese „Selbstverstümmelungsaktionen“ spielten BMW in die Karten. Augusto Farfus führte vor Timo Glock und dem Meisterschaftsführenden Marco Wittmann. Letzterer wurde in der Schlussphase des Rennens von seinen beiden Teamkollegen vorbeigelassen, wodurch der 23-Jährige seinen dritten Saisonsieg feiern konnte und sich in der Meisterschaft nochmals um 19 Punkte gegenüber Mathias Ekström (Siebenter in Spielberg) absetzen konnte und nunmehr sein Polster auf beinahe uneinholbare 39 Zähler ausbaute. Durch Martin Tomczyk gab es sogar einen Vierfach-Triumph der Bayern, wodurch BMW jetzt auch die Führung vor Audi in der Herstellerwertung übernommen hat.

Gutes Ergebnis für die Lochauer

Nach einem miesen Trainingsergebnis (nur Platz 15 für Timo Scheider und Rang 20 für Adrien Tambay) gab es für die beiden Wahl-­Lochauer noch sehr respektable Ergebnisse: Scheider wurde mit nur knapp sieben Sekunden Rückstand auf Sieger Wittmann Fünfter (wodurch er nach dem vierten Platz von Oschersleben sein zweitbestes Saisonergebnis einfuhr) und Tambay holte sich mit Rang sechs wieder seinen fünften Platz im Championat zurück.

Ein Protest ist zwecklos, das Ergebnis wird so bleiben.

Michael Kramp, DTM-sprecher
Lupenreines BMW-Siegerpodest: Augusto Farfus, Sieger und Tabellenleader Marco Wittmann sowie Timo Glock (v. l.). Foto: noger
Lupenreines BMW-Siegerpodest: Augusto Farfus, Sieger und Tabellenleader Marco Wittmann sowie Timo Glock (v. l.). Foto: noger

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