Druck als zusätzliche Belastung

Sport / 06.08.2014 • 21:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lustenaus Seifedin Chabbi (l.) scheitert an LASK-Keeper Pervan Pavao. Rechts: Shawn Maurice Barry. gepa
Lustenaus Seifedin Chabbi (l.) scheitert an LASK-Keeper Pervan Pavao. Rechts: Shawn Maurice Barry. gepa

Die Austria hat den Saisonstart gründlich verpatzt – der Präsident will nun Siege sehen.

Fussball. Die Aufarbeitung der Heimniederlage gegen den LASK stand gestern auf dem Programm der Austria. Vor allem das Verhalten von Mario Bolter, der innerhalb weniger Sekunden wegen Kritisierens zweimal Gelb sah, wurde intern besprochen. „Mario ist klar, dass er einen Fehler gemacht hat. Er hat sich bei der Mannschaft entschuldigt“, spricht Trainer Helgi Kolvidsson davon, dass solche Sachen aus der Emotion heraus eben passieren können. Weitere Konsequenzen wird es nicht geben, außer dass Bolter seine Sperre gegen Hartberg ohnehin absitzen muss.

Einem Spieler allein die Schuld an der Niederlage zu geben, wäre aber ohnehin unangebracht. Vielmehr ist die Reaktion auf dem Spielfeld auch als Zeichen dafür zu werten, dass sich der Druck des Siegenmüssens auf die Nerven schlecht auswirkt. Dazu passt auch, dass Aus­tria-Kotrainer Hakan Karaosman nach Spielschluss von Schiedsrichter Altmann angezeigt wurde. Der Grund dafür war eine verbale Auseinandersetzung mit einem LASK-Spieler. „Wir wurden aufgefordert, eine Stellungnahme zu diesem Vorfall abzugeben. Und das haben wir am Mittwoch auch getan“, rechnet Manager Daniel Ernemann mit keinen Konsequenzen. Sportlich bereitet die Situation – mit nur vier Punkten aus den ersten vier Spielen – weit mehr Kopfzerbrechen. So macht Präsident Hubert Nagel keinen Hehl daraus, dass ab jetzt nur noch Erfolge zählen. Aus der Reserve lässt sich der äußerlich noch relativ gelassen wirkende Aus­tria-Boss nicht locken. „Warten wir erst mal den Freitag ab“, so Nagel. Das Heimspiel gegen die ebenfalls in einer Krise steckenden Hartberger könnte also zum Schlüssel für die weitere Vorgehensweise des Vorstandes werden. Gewinnt die Austria wieder nicht, könnte es für Trainer Helgi Kolvidsson tatsächlich eng werden. Am Dienstag wurde sogar schon darüber spekuliert, dass im Falle eines weiteren Misserfolges eventuell Tamas Tiefenbach auf die Chefposition nachrücken könnte. „Ich kann nur alles dafür tun, dass die Mannschaft bestmöglich vorbereitet in ein Spiel geht. Ich kann den Ball weder selbst ins Tor schießen noch bringt es etwas, jedem eine Pistole an den Kopf zu halten und zu sagen, ihr müsst gewinnen“, will sich Kolvidsson auf irgendwelche Spekulationen um seine Person erst gar nicht einlassen.

Nicht in Panik verfallen

Er appelliert vielmehr dafür, gelassener zu agieren und nicht gleich in Panik zu verfallen. „Das ganze Muss bringt nichts. Fakt ist, dass erst vier Runden gespielt sind und noch 96 Punkte zu vergeben sind.“ Tatsache ist jedoch auch, dass sich die Austria gerade in ihrer Jubiläumssaison viel vorgenommen und den Kader in der Sommerpause entsprechend verbreitert hat. Die Ansprüche wurden nach oben geschraubt. Das Ziel heißt ganz oben mitzuspielen und letztendlich auf aufzusteigen. Dass gegen den vermeintlichen Titelmitfavoriten LASK nur 2600 Besucher kamen, zeigt jedoch, dass das letzte Vertrauen der Fans fehlt. Dabei war das Spiel gegen den Aufsteiger die bis dato sicher beste Vorstellung der Austria in der noch jungen Saison.

Was jedoch fehlt, ist zum einen die Effizienz und zum anderen das druckvolle Spiel in der Mitte. Denn noch immer laufen fast alle Angriffe über die Außenbahnen und ruhen die Hoffnungen darauf, dass Jailsons Flanken einen Abnehmer finden. Trotz der Verpflichtung von Daniel Wolf und Manuel Romay scheint das Zentrum nicht optimal besetzt zu sein. Der Spanier, dem übrigens gegen den LASK sein erster Treffer im Austria-Dress gelang, ist körperlich noch nicht so weit, um ein Spiel über 90 Minuten gestalten zu können, und Wolf, der am Dienstag nur auf der Bank saß, kam bisher über durchschnittliche Leistungen nicht hinaus. Auch Kolvidsson scheint noch in der Experimentierphase zu sein. Denn in den bisherigen vier Partien begann die Austria nie in derselben Formation. Und vorne fehlt momentan ganz einfach die Kaltschnäuzigkeit, um aus den Chancen genügend Kapital zu schlagen. Nicht einmal ein Treffer wurde bisher im Durchschnitt pro Spiel erzielt.

Warten wir doch erst mal das Spiel am Freitag ab.

Hubert Nagel

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