Eingeständnis der Schuld

Sport / 11.08.2014 • 19:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wettbetrüger Dominique Taboga im Landgericht in Graz. Er bekennt sich schuldig. Foto: gepa
Wettbetrüger Dominique Taboga im Landgericht in Graz. Er bekennt sich schuldig. Foto: gepa

Zweiter Prozesstag im größten österreichischen Wettskandal. Taboga gesteht alles.

fussball. Im Grazer Straflandesgericht ist der Prozess rund um den bisher größten österreichischen Wettskandal fortgesetzt worden. Für den zweiten Prozesstag war die Befragung von Dominique Taboga angesetzt. Er bekannte sich in vollem Umfang schuldig. Richterin Elisabeth Juschitz besprach jedes der angeblich manipulierten Spiele mit dem Beschuldigten. 2005 war ein jetzt ebenfalls angeklagter Kollege an ihn herangetreten und hatte erstmals eine Beeinflussung des Spiels vorgeschlagen. „Ich sollte an einer Niederlage des DSV Leoben gegen SV Ried mitwirken“, schilderte der Fußballer. Er willigte ein, „weil so ein Spiel eh meistens verloren geht“, so der Angeklagte.

„Er kennt mein Gesicht“

„Sie gehen mit einer derartigen Motivation aufs Spielfeld?“, wunderte sich die Richterin. „Als Spieler kann man das abschätzen, bei einem derartigen Übergegner“, meinte Taboga. „Wie hätte die Manipulation stattfinden sollen? Sie hätten nicht die volle Leistung gebracht?“, fragte Juschitz. „Ja, es hätte nicht auffallen sollen.“ „Also wären Sie einfach ein paar Schritte langsamer geworden?“, so die Richterin. „Ich war sowieso nie der Schnellste“, antwortete der Wettbetrüger trocken.

Taboga, auf dessen Angaben große Teile der Anklage basieren, hat detailliert zu jedem der von ihm zumindest versuchsweise manipulierten Spiele Stellung genommen. Er schilderte, wie es Absprachen mit Kollegen gab, wie er nach einem fehlgeschlagenen Manipulationsversuch bedroht wurde und sich mit einem „gut gekleideten Ausländer“ zu weiteren Absprachen traf.

Ein schwarzer Monitor

Taboga hatte die ersten Male 7000 Euro dafür bekommen, „weniger Leistung zu bringen, wenn es nötig geworden wäre“. Mehr Geld wurde dann für einen Sieg von Rapid über den SV Kapfenberg, bei dem er zu diesem Zeitpunkt unter Vertrag war, in Aussicht gestellt. Kapfenberg war damals gerade aufgestiegen und „sowieso schlecht gestartet“, also war das mit dem Verlieren kein großes Problem, meinte Taboga.

Er wurde immer wieder vom selben Kollegen angesprochen, dieser war spielsüchtig, und zwar nicht in Bezug auf Fußball, sondern bei Automaten und Internetwetten. Bei einer Partie gegen Red Bull Salzburg klappte die Beeinflussung nicht, das Ergebnis war anders, als ausgemacht worden war. Taboga beschrieb, wie er daraufhin vor einen Computer zitiert wurde und über Skype­ mit einem Unbekannten telefonieren musste. Dieser hatte seinen Bildschirm ausgeschaltet, also sprach der Fußballer mit einem schwarzen Monitor. „Er hat gesagt, er kennt jetzt mein Gesicht und er hat überall Leute, die auf mich aufpassen würden“, schilderte Taboga. „Und Sie haben befürchtet, dass Sie verprügelt werden?“, fragte die Richterin. „Oder noch mehr“, so der Angeklagte.

Vor einem Spiel habe es dann ein Treffen mit einem „gut gekleideten Ausländer“ gegeben, um weitere Spielausgänge zu besprechen. Meistens habe er allerdings nicht mehr viel dazu beitragen müssen, dass der SV Kapfenberg die Partie verloren habe, erzählt Taboga freimütig weiter.

Er hat gesagt, er kennt jetzt mein Gesicht und hat überall Leute, die auf mich aufpassen würden.

dominique taboga

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