Es brodelt bei Kolvidsson

Sport / 21.08.2014 • 19:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Austria-Neuzugang Alexander Aschauer (r.) soll im Angriff zusammen mit Dario Dadic für Tore sorgen. Foto: gepa
Austria-Neuzugang Alexander Aschauer (r.) soll im Angriff zusammen mit Dario Dadic für Tore sorgen. Foto: gepa

Der isländische Coach fordert, dass die Sticheleien aus dem Umfeld endlich aufhören.

fussball. Unter den Tausenden Tonnen Eis und Schnee des isländischen Vatnajökull-Gletschers brodelt es derzeit gewaltig. Der Vulkan Bárdarbunga lässt die Erde auf der Insel seit Tagen erzittern. Die Angst, dass der glühende Koloss Feuer speit, ist groß. Eine Sperrzone wurde bereits eingerichtet. In einer ähnlichen Gemütslage wie der Vulkan befindet sich momentan auch Austria-Trainer Helgi Kolvidsson. Auch im Inneren des Isländers kocht und rumort es, scheint sich der ganze Ärger wie heißes Magma zu entladen. „Ich verstehe nicht, warum man uns nicht einfach in Ruhe arbeiten lässt“, will der Chefcoach die ständigen Sticheleien aus dem Umfeld des Vereins nicht mehr hinnehmen. Nicht nur seine Person sei dabei betroffen, sondern auch Präsident Hubert Nagel muss sich – wohl angesichts eines nicht idealen Meisterschaftsstarts – Kritik gefallen lassen. Verständlich, dass sich da Mannschaft wie Trainerteam – was die Untergriffe betrifft – ebenfalls gerne eine Sperrzone herbeisehnen würden. „Ich denke, dass es am Sinnvollsten wäre, dass alle, die etwas zu kritisieren haben, Klartext reden würden. Entweder man geht einen gemeinsamen Weg oder man trifft eine Entscheidung“, findet der Trainer für ihn untypisch scharfe Worte. Doch die notorischen Nörgler haben bei der Austria eben schon eine genauso lange Tradition wie der Verein.

Ihren Unmut äußerten auch die Fans von der Nordtribüne im Austria-Forum. „Der 100er wäre eigentlich der perfekte Zeitpunkt gewesen, nochmal alles herauszuholen und voll durchzustarten“, machte sich nach der Niederlage in Mattersburg die Enttäuschung im harten Austria-Fan-Kern breit. So heißt es in einem Kommentar unter anderem: „Ein Fortschritt ist nicht sichtbar, zudem fehlt es an vielen Ecken und Enden. So bleibt am Ende des Tages die Erkenntnis, dass die Austria nicht mehr das ist, was sie einmal war und außerdem die Frage, was den Verein eigentlich momentan ausmacht?“ Da passt es, dass die Austria die Auflagen der Bundesliga nur bedingt erfüllt und wegen fehlender Medienplätze, die im Kameraturm integriert werden, kein Live-Spiel austragen kann.

Im Stadion soll es beben

Ganz nach dem Vorbild des isländischen Vulkans scheint im Moment der beste Zeitpunkt zu sein, um die Erde rund um das Reichshofstadion richtig beben zu lassen. Aus sportlicher Sicht kann das nur heißen, den Blick nach vorne zu richten und das heutige Heimspiel gegen den achtplatzierten SV Horn mit einem Sieg zu meistern. Deshalb will der Trainer auf dem Platz auch die Leidenschaft brodeln sehen. Kolvidsson selbst sieht in der Trainerarbeit keine Defizite: „Die Mannschaft ist sowohl physisch als auch taktisch voll auf der Höhe. Die junge Mannschaft von Liefering ging beim Spiel gegen uns in der letzten Viertelstunde am Stock, weil wir sie körperlich so gefordert haben. Und auch Mattersburg haben wir im Prinzip dominiert.“

Was jetzt noch fehlt sind die entsprechenden Resultate. Als Knackpunkt der bisherigen Saison sieht er die unnötige Heimniederlage gegen den LASK. „Wenn wir das gewonnen hätten, wäre wohl nie diese Unruhe im Umfeld eingekehrt.“ Kadermäßig kann Kolvidsson gegen die Waldviertler aus dem Vollen schöpfen. Dass sich dabei praktisch fast jeder anbietet, von Beginn an dabei zu sein, wurde im Testspiel gegen Al Wasl ersichtlich, wo 21 Spieler zum Einsatz kamen. Gut möglich, dass der Coach wie gegen den Klub aus Dubai auf ein 4-1-3-2-System setzt und mit Tadic und Aschauer von Beginn auf zwei Stürmern setzt. Gewarnt vor dem heutigen Gegner sollte die Austria allemal sein, ging doch das letzte Heimspiel mit 1:2 verloren.

Ich verstehe nicht, warum man uns nicht einfach in Ruhe arbeiten lässt.

Helgi Kolvidsson

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