Ein lauter Kanon des sportlichen Niedergangs

Sport / 22.08.2014 • 23:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Niedergeschlagene Austria-Spieler nach der Niederlage gegen Horn v. l.: Emanuel Sakic, Christoph Kobleder und Dominic Pürcher. Foto: gepa
Niedergeschlagene Austria-Spieler nach der Niederlage gegen Horn v. l.: Emanuel Sakic, Christoph Kobleder und Dominic Pürcher. Foto: gepa

Nach der 0:1-Heimpleite gegen Horn läuten bei der Austria endgültig die Alarmglocken.

fussball. Erbarmungslos stachen die Gelsen während der Fernseh-Interviews nach Spielende zu. Zuhauf fanden sich die lästigen Mücken ein, um sich am Blut ihrer Opfer zu laben. Die juckenden Stellen, die sie hinterlassen, werden über das Wochenende aber auch als schmerzliches Symbol dafür stehen, dass sich die Austria derzeit von allen Seiten Angriffen ausgesetzt sehen wird. Die gellenden Pfiffe, die es nach dem 0:1 gegen den SV Horn gab, und der Unmut der Fans waren jedenfalls mehr, als nur Nadelstiche gegen eine Truppe, die endgültig am Boden zu liegen scheint. Keine Frage: Bei den Grün-weißen muss nun gehandelt werden, darüber sind sich Präsident Hubert Nagel wie auch das Trainerteam um Headcoach Helgi Kolvidsson einig. Über das Wie wird in den nächsten Tagen eifrig diskutiert werden und auch darüber, ob der Isländer überhaupt die Möglichkeit erhalten wird, sich und sein Team aus der momentanen Situation zu befreien. Zwar konstatierte Präsident Nagel unmittelbar nach Spielschluss, dass er mit Kolvidsson weitermachen will, fordert den Trainer aber anderseits heraus, deutlich klarzustellen, ob er noch etwas bewirken kann. „Lasst uns alle mal darüber schlafen“, will Nagel nach der neuerlichen Enttäuschung aber nichts überstürzen.

Ohne Leidenschaft

Attribute zu finden, was die Leistung der Austria gegen Horn betraf, fällt schwer. Begriffe wie grauenhaft, erbärmlich, unfassbar drücken wahrscheinlich noch am besten aus, was die Mannschaft um Kapitän Christoph Stückler auf dem Spielfeld aufführte. Und es spiegelte sich in den Fanchören auf der Nordtribüne wider, die zu Beginn von „Wir wollen euch siegen sehen“, über „Wir wollen euch kämpfen sehen“ bis zum finalen „Wir wollen die Austria sehen“ gipfelten. Der Gesang erinnerte an einen Kanon des sportlichen Niedergangs, bei dem die herausmusizierte Enttäuschung sich möglichst bald in die Hoffnung auf Bekehrung verwandeln soll. Unerheblich, ob die Mannschaft, der Trainer oder der Vorstand die Verantwortung für die momentane Situation trägt, ist der Verein jetzt gefordert. Die Austria hat sicher weit mehr Potenzial als sie gestern (und in einigen Runden zuvor) gezeigt hat. Was besonders bedenklich stimmt, war aber die Leidenschaftslosigkeit, mit der über weite Strecken des Spiels agiert wurde. Und als Sakic mit einem fürchterlichen Fehler dem Siegestorschützen Casanova den Ball vor die Beine legte, war das Schicksal in Grün-Weiß endgültig besiegelt. Die Mannschaft schien sich regelrecht zu ergeben und hatte auch keinerlei Ideen, um die Niederlage irgendwie noch abwenden zu können. Deshalb hatten aus Austria-Sicht letztlich nur die Gelsen ihren großen Auftritt, während die Austria-Anhänger einen weiteren Stich ins Herz hinnehmen mussten. Und wenn die Trendwende nicht bald folgt, muss das Team sogar aufpassen, nicht in den Abstiegskampf mit hineingezogen zu werden.

Enttäuschung bei Helgi Kolvidsson.Foto: gepa
Enttäuschung bei Helgi Kolvidsson.
Foto: gepa

Fußball – Sky Go Erste Liga 2014/15

6. Spieltag

SC Austria Lustenau – SV Horn 0:1 (0:0)

Reichshofstadion, 2800 Zuschauer, SR SR Jäger (S)

Torfolge: 59. 0:1 Casanova

Gelbe Karten: 44. Jailson (Austria/Unsportlichkeit), 44. Candela (Horn/Unsportlichkeit), 82.Salvatore (Horn/Foul), 88. Ayildiz (Horn/Unsportlichkeit), 89. Pürcher (Austria/Handspiel)

SC Austria Lustenau (4-2-3-1): Knett/3; Sakic/5, Stückler/4, Kobleder/5, Pürcher/3; Fall/4, Ölkü/5 (72. Chabbi/0); Jailson/5, Romay/4 (46. Tadic/4) Galvao/4; Thiago/5 (57. Aschauer/4)

SV Horn (4-1-3-2): Petermann/3; Salvatore/3, Djordjevic/3, Antonitsch/3, Kreuzriegler/3; Candela/2; Rusek/3 (71. Tursch/0), Solano/2, Sittsam/3; Casanova/2 (83. Kröpfl/0), Grubeck/3 (76. Ayildiz/0)

Notenschlüssel: Nach dem Schulnotensystem, von 1 (sehr) bis 5 (nicht genügend). 0 = zu kurz eingesetzt

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