Aus Gegnern wurden Verbündete

Sport / 16.09.2014 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Vergabe der EM 2020 in Österreich, Norwegen und Schweden erfolgt am Samstag in Dublin.

Handball. (VN-jd) Zehn Jahre nach der Heim-EM 2010, mit Spielen in Wien, Linz, Graz und Innsbruck, wird Österreich aller Voraussicht nach erneut Schauplatz von Männer-Europameisterschaften sein. Die 14. kontinentalen Titelkämpfe 2020 gehen allerdings nicht so wie vor vier Jahren als rot-weiß-rotes Solo über die Bühne, sondern als gemeinsames Turnier mit den ursprünglichen Konkurrenten Schweden und Norwegen. Die Vergabe soll am Samstag beim Kongress der Europäischen Handball Föderation (EHF) in Dublin offiziell abgesegnet werden.

Drei Ausrichter, 24 Teilnehmer

Aus den drei Konkurrenten, die ursprünglich Einzelbewerbungen abgegeben hatten, sind nach intensiven Gesprächen inzwischen Verbündete geworden, die nun gemeinsam zum Zug kommen sollen. Schon bei der Vorabstimmung der EHF heuer im Mai wurde die Bewerbung, die einzige für die Endrunde für die Titelkämpfe im Jänner in sechs Jahren, ohne Gegenstimme angenommen. Die drei Nationen werden in Dublin
anbieten, die Endrunde mit 24 anstatt wie bisher üblich 16 Nationen durchzuführen. Eigentlich hatte die EHF die Aufstockung der teilnehmenden Ländern erst für die Endrunde 2022 geplant. Da die EHF bei der Durchführung von Großevents neue Wege beschreitet, will sie mit der Vergabe an mehrere Nationen ein größeres Publikumsinteresse wecken und so bereits in den Vorrunden eine möglichst optimale Auslastung der Zuschauer-Kapazitäten sorgen. Mit Local Heroes soll das Interesse an mehreren Orten geweckt werden.

Aufmerksamkeit wecken

Bei der EM 2014 in Dänemark gingen die Partien der Gastgeber in Herning vor 14.000 Zuschauern über die Bühne, in den restlichen Spielorten war das Interesse aber eher gering. Mit der Vergabe an mehrere Nationen soll die regionale Aufmerksamkeit gesteigert werden, damit die wirtschaftliche Zugkraft der Marke Handball wie bei den Finalturnieren der Champions League oder des EHF-Cups zu einem Publikumsmagnet wird.

Wien und Graz als Spielorte

Die sechs Vorrundengruppen wurden brüderlich aufgeteilt, wobei in Österreich die Grazer Messehalle (6000 Zuschauer) sowie die Wiener Stadthalle (10.000) als Spielstätten vorgesehen sind. In Norwegen soll in Trondheim und Oslo, in Schweden in Malmö und Göteburg gespielt werden. Während Österreich in Wien spielt, soll Kroatien in Graz durch die Grenznähe für volle Hallen sorgen. In Norwegen würde neben dem Gastgeber zusätzlich Deutschland spielen, und in Schweden käme als zweite Topnation Dänemark dazu. Die beiden Hauptrunden würden dann in Wien und im Scandinavium in Göteburg (12.000 Zuschauern Fassungsvermögen) stattfinden, die Final- und Platzierungsspiele sollen in Stockholm in einem überdachten Fußballstadion vor 24.000 Zuschauern über die Bühne gehen. „Für uns ist die gemeinsame Bewerbung eine ideale Situation“, betonte ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner. „Wir tragen zwei Vorrunden und eine Hauptrunde aus. Das ist für uns derzeit das Maß der Dinge.“ Aufgrund der gestiegenen Anforderungen der EHF ist in Österreich derzeit keine Finalphase möglich. Laut EHF-Regulativ ist dort eine Spielstätte mit mindestens 15.000 Sitzplätzen notwendig. Dank der gemeinsamen Bewerbung kommt der ÖHB aber nun doch in den Genuss einer Endrunde.

Laut Hausleitner war Vorarlberg wegen der fehlenden Halle (das Messestadion in Dornbirn würde selbst mit einer Adaptierung der Zuschauerplätze nicht die geforderte Norm erfüllen) und der ungünstigen Anbindung zum nächsten Flughafen in keiner Phase der Planung jemals ein Thema als rot-weiß-roter Spielort.

Im Prinzip ist die fixe Zusage für die Austragung nur noch ein formeller Akt.

Martin Hausleitner